Lachen bis die Tränen kommen

Franziska HarrerMühldorf „Es gefällt mir sehr gut. Ich bin r als Ersatz spontan eingesprungen und positiv überrascht. Es ist sehr schön und macht Spaß.“
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Franziska HarrerMühldorf „Es gefällt mir sehr gut. Ich bin r als Ersatz spontan eingesprungen und positiv überrascht. Es ist sehr schön und macht Spaß.“

Mühldorf. – In seinem Programm „aber bitte mit ohne“ wirbt Martin Zingsheim für den Verzicht.

Und so kommt er ohne jegliche Requisiten aus. Doch an Worten sparte der Kabarettist vergangenen Samstag keineswegs: Zwei Stunden prasselt ein Monolog auf die Zuschauer ein. Die Pause ist an diesem Abend zwingend notwendig, um etwas Erholung zu schaffen. Zingsheim hat die Gäste im gut gefüllten Haberkasten von der ersten Minute an gefesselt.

Stets begleitet von Gluckern, Kichern, Applaus und Lachen nehmen seine Pointen eine immer andere Wendung. Manch einem kommen vor Lachen sogar die Tränen. Und auch Zingsheim lacht über sich selbst und kann nicht so rasch weitersprechen wie er es geplant hat.

Aktuell greift Zingsheim den Nachtflohmarkt in Mühldorf an diesem Abend auf, den er zuerst als Nacktflohmarkt gelesen habe. Aber auch das Video mit dem österreichischen Politiker Heinz-Christian Strache und der Plan von Sebastian Kurz zu Neuwahlen baut er kurzfristig in sein Programm ein. Er geht auf Alexander Dobrindts Plan zur konservativen Revolution ein, auf Jens Spahn und dessen Ehemann. Daraufhin lobt er die Rückkehr des Filterkaffees und demonstriert dies, in dem er ewig einen Espressobereiter simuliert.

Dieser Wechsel zwischen Politik und Klamauk zeichnet das Programm aus. Und so geht Zingsheim auf alles ein, was in weitem Sinne mit Verzicht zu tun hat – oder auch nicht. Anspruchsvoll allem zu folgen. Unter Donald Trump vermutet er Hape Kerkeling und unter Angela Merkel Günther Wallraff.

Beim Thema Müll behauptet er, ein Stück Seife halte – je nach Gebrauch – ein Leben lang. Interessant werden für viele Zuschauer die Einblicke in die Karnevallslieder und Rufe gewesen sein. Auch wenn die Erinnerung an diese Hintereinaderreihung wohl lückenhaft sein werden: „Puff, Puff, Puffer“ von Eisenbahnern und „Boäh“ in einer Karnevalls-Stadt bleiben hängen.

Zingsheim erwähnt in diesem Abend immer wieder seine vier Kinder. Deren Lesestift nennt er singendes Fieberthermometer und erhält damit Lob des Publikums. Doch allen Zweifeln an den neuen Medien zum Trotz erklärt der Kabarettist, welche Diagnose er beim Schildern seiner Krankheiten per Internetrecherche sich selbst gestellt hat.

Auch bei seiner Kritik an der Kirche entlockt der Kölner dem Publikum Lachen, wenn auch zunächst verhalten. Monogamie vertauscht er mit Monotonie und wundert sich über Priester in Frauenkleidung sowie deren Urteile über Liebe. Zingsheim kritisiert aber auch den Konsum um Weihnachten.

Dabei schlüpft er immer wieder in kleine Rollen, spielt in einem Satz Merkel, im nächsten einen motzenden Rentner, dann spricht er einen Homosexuellen und immer wieder erklingen Bahnhofsdurchsagen. Schließlich listet Zingsheim auf, unter welchen Arbeitsbedingungen unsere Kleidung hergestellt wird – Menschenrechtsverletzungen auf der Stange – und zieht sich dabei aus. Die Unterhose bleibt, er habe ja bereits vier Kinder. Zwei Jahre haben die Mühldorfer Lachfalten nun Zeit, sich wieder zu glätten. Dann wolle der Stand-Up-Comedian wiederkommen.

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