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In Mühldorf erklingt wieder Musik

Kloster Zangberg lädt zum Jugendkonzert und Podium junger Solisten ein

Der zehnjährige Kontrabassist Korbinian Brustgi eröffnete das Konzert mit einem „Allegro“ von Johann Matthias Sperger. Ihn begleitete Thomas Hartmann am Flügel.
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Der zehnjährige Kontrabassist Korbinian Brustgi eröffnete das Konzert mit einem „Allegro“ von Johann Matthias Sperger. Ihn begleitete Thomas Hartmann am Flügel.

Wie beglückend ist doch ein Live-Konzert, waren sich die Zuhörer einig, als sie nach einer Stunde Musik zur Konzertpause in den Schlosspark strömten. Der sich dort bietende Ausblick über das weite Inntal trug zur Freude über den Kulturneustart der „Musikfreunde Mühldorf“ im Kloster Zangberg bei.

Zangberg – In seiner über 30-jährigen Geschichte lud der Förderverein zu seinem inzwischen 45. Jugendkonzert ein. Zehn Jugendliche im Alter von neun bis 18 Jahren, darunter auch Preisträger des Wettbewerbs „Jugend musiziert“ zeigten, dass auch nach zwei Jahren Pandemie mit monatelangem, nur online erlaubtem Instrumental- und Gesangsunterricht, Großes reifen kann.

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Der zehnjährige Kontrabassist Korbinian Brustgi aus Mühldorf eröffnete, begleitet von Thomas Hartmann am Flügel, das Konzert mit einem virtuos musiziertem „Allegro“ von Johann Matthias Sperger. Dabei beeindruckten sie mit kraftvollem Zugriff und präziser Rhythmik in „Eye of the Tiger“. Danach gehörte die Bühne drei jungen Pianisten aus Mühldorf, die zum ersten Mal in einem großen Rahmen auftraten. Der neunjährige Simon Heilmaier ließ Carl Maria von Webers Mazurka in C-Dur, mit explosiver Spielfreude und fein abgestufter Dynamik, erklingen. Das neun und elf Jahre alte Geschwisterpaar Anika und Lara Gutschera erfreuten die Zuhörer mit dem Vortrag vierhändiger Stücke von Antonio Diabelli und Walter Niemann. Anschließend spielte Lara sehr einfühlsam Chopins Walzer in a-Moll und einen Tanz von Kabalewski.

Junge Künstler spielen mit Ausgelassenheit und fein geschliffener Klangkunst

Nochmals stand der Kontrabass im Mittelpunkt. Der zwölfjährige Interpret Antonius Poxleitner aus Eggenfelden spielte mit Ausgelassenheit Saint-Saens „Der Elefant“, ein Gusto-Stück der tiefen Streicher. Geheimnisvolle Klangfarben in immer neuen rhythmisch-akzentuierten Varianten entlockte Antonius seinem Instrument in „Der Wolf“ und „Struct“, Gemeinschafts-Kompositionen von Claus Freudenstein und Pianist Thomas Hartmann. Die 16-jährige Pianistin Hanna Maria Heerens aus Waldkraiburg bestach mit fein geschliffener Klangkunst in Bachs B-Dur-Invention und ihrem duftig-leichten Vortrag von Felix Mendelssohns „Lied ohne Worte“.

Sopranisten setzen Glanzpunkte bei deutlichster Aussprache

Ebenfalls 16 Jahre jung ist die Gesangssolistin Amelie Funiok aus Mühldorf. Sie verzauberte mit reinem Sopran und deutlichster Aussprache in Mozarts Arie der Bastienne „Wenn mein Bastien im Scherze“. Ihr schauspielerisches Talent stellte Amelie bei Brahms „Vergeblichem Ständchen“ unter Beweis, indem sie zwischen der Rolle eines ungeschickten Verehrers und der abweisenden Verehrten wechselte. Einfühlsame Begleiterin am Flügel war ihre Mutter Sonja Funiok. Einen musikalischen Glanzpunkt setzte Markus Spagls solistischer Vortrag auf der Violine. Derzeit in den Abiturprüfungen interpretierte der 18-jährige Johann Sebastian Bachs „Allemande“ aus der Partita in d-Moll mit Reife und Demut bei selbstverständlicher Technik, absolut reiner Intonation und ruhiger Bogenführung.

Geschwister treten seit Jahren als Klavierduo auf

Die Pianisten-Geschwister Theresa und Simon Weinzierl, 15 und 16 Jahre alt, aus Tüssling, treten seit vielen Jahren bei den Jugendkonzerten solistisch, als Klavierduo, wie auch kammermusikalisch auf. Theresa erfüllte mit Poesie und Klangsinn Mendelssohns „Lied ohne Worte“ in fis-Moll und beeindruckte in Tcherepnins virtuoser letzter Bagatelle mit stoischer Ruhe. Zusammen mit ihrem Bruder, der den Primo-Part übernahm, jazzte sie in unbändiger Musizierlust rhythmisch vertrackte Werke von Skoryk und Nehls. Abschließend widmete sich Simon Weinzierl, auch er ist diesjähriger Abiturient, der Klaviermusik italienischer Meister aus Barock und Moderne. Im Auswendigspiel „ziselierte“ er Domenico Scarlattis cis-Moll-Sonate mit Klangraffinesse und stürzte sich, die gesamte Tastatur ausschöpfend, in Alfredo Casellas überbordende Klangkaskaden der effektvollen Toccata.

Die ehemalige Schülerin von Paul Deutsch sorgte für Spannung

Nach der Pause schloss sich das „Podium junger Solisten“ an. Die in Waldkraiburg geborene Cellistin Sabine Libera, welche vor vielen Jahren erstmals beim Jugendkonzert auftrat, studiert inzwischen im sechsten Semester Konzertfach Violoncello an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien. Mit Spannung wurde das Wiederhören der ehemaligen Schülerin von Paul Deutsch an der Musikschule Waldkraiburg erwartet. Mit der fünfsätzigen Sonate in E-Dur des französischen Komponisten Francois Francoeur hatte die junge Cellistin eine Rarität der Barockzeit im Gepäck. Sabine Libera setzt im festlichen Eröffnungssatz auf geradlinige Bogenführung und fein-nuancierte Tongebung. Glasklar artikuliert sie das Allegro vivo und musiziert sie in bester Tanzlaune die in die viersätzige „Sonata da chiesa“ eingeschobenen Gavotte. Als tief versunkenen Ruhepol interpretiert sie das Largo, um sich in der Gigue mit bestechender Virtuosität zu entladen.

Fünfsätzige Sonate für Violoncello solo stand auf dem Programm

Ebenbürtiger Partner am Flügel war ihr Michael Niebauer, Musiklehrer am Mühldorfer Ruperti-Gymnasium. Er unterrichtete sie auch im Klavierspiel. Als Zeugnis für die Musik des 20. Jahrhunderts stand dann Paul Hindemiths kurzweilige fünfsätzige Sonate für Violoncello solo auf dem Programm, die Sabine Libera auswendig vortrug. In geballter Ausdruckskraft schichtet sie dissonante Klangtürme übereinander, kontrastiert mit schlankem Ton den einstimmigen Gesang und betört mit flirrenden Trillerketten. Als Zugabe spielte das Duo Sergej Rachmaninows „Orientalischer Tanz“. Zum Schluss gab es noch ein Dankeschön an die Musikpädagogen Eva Barbarino, Anja Bartos, Christine Enghofer, Claus Freudenstein und Ulrike Überacker für die musikalische Ausbildung. re/BS

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