Kitsch bis ins letzte Detail

Übertriebener Glanzund Glamour haben das Potenzial, Operetten aus ihrem Nischendasein zu heben. Wie das gelingt hat das Freie Landestheater Bayern anhand des Werkes „Der Vetter aus Dingsda“ gezeigt. von Ahn

Waldkraiburg – Gut gepolstert treten Julias Vormünder auf: Hüfte, Hintern und Busen ziehen Tante Wimpel ins Lächerliche.

Rosa Kleid, pinke Turnschuhe und grüne Strumpfhose unterstützen ihr kitschiges Aussehen noch weiter. O-beinig watschelt sie über die Bühne. Eindrücke der Operette „Der Vetter aus Dingsda“, gespielt vom Freien Landestheater Bayern in Waldkraiburg.

Nicht ganz so übertrieben albern sieht Onkel Josse mit seinem ausgepolstertem Bauch aus. Er berlinert, was sehr gut zu seiner stets schlechten Laune passt. Freundin Hannchen in glänzendem Satin und die vier Diener mit leuchtend blauen Perücken und Bärten halten mit den Kostümen mit. Auch die Requisiten glitzern in grellen Farben. Damit parodiert das Stück jede ernste Aufführung einer Oper oder ernsthafteren Operette.

Zusätzlich sind die Tänze immer einmal kindlich-naiv und hin und wieder albern. Dabei zeigen die Künstler, dass sie Ballett gelernt haben und auch wie in den Bollywood-Filmen zu tanzen verstehen. Die unglaublich vielen Übertreibungen verleihen dem Stück eine humorvolle Leichtigkeit, die auch Laien von Oper und Operette in die Vorstellung zieht. Kurzweilig ist der Abend, das Publikum ist begeistert. Denn Musik, Gesang und Tanz sind professionell ausgeführt.

Anders als das Stück im Original, deutet die Aufführung in Waldkraiburg immer wieder Märchen an. So schläft Hauptdarstellerin Julia in einem gläsernen Sarg, Vetter August auf zahlreichen Matratzen. Ein Tigerfell mit Tigerkopf deutet Dinner for One an und bringt das Publikum noch einmal mehr zum Lachen. Die eigentliche Geschichte um die Hochzeitspläne für Julia der verschiedenen Akteure lässt sich jedoch stets gut nachvollziehen.

Das Bühnenbild gestalten die Schauspieler stets selber um. Aus den rollenden Podesten werden beispielsweise Tische mit Speisen. Auch die Beleuchtung für Vollmond und Sänger räumen die Darsteller passend um. Erstaunen ruft der gedeckte Tisch auf der Deckelunterseite zweier Podeste hervor.

Die Musiker spielen auf Ebene des Parketts, nicht im Orchestergraben. Damit ist das Orchester gut zu hören, die Akustik recht gut. Der Gesang erforderte dagegen manches Mal hohe Konzentration. Zum Ende der ersten Hälfte zieht sich der Gesang. Hier hätten mehr Dialoge der Dynamik des Stückes gut getan.

Doch die meisten Zuhörer werden den Abend aufgrund seiner zahlreichen humorvollen Beiträge mit Sicherheit als gut im Gedächtnis behalten.

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