Kirchenkonzert in Pürten: Ein kühner musikalischer Bogen

Das „Ensemble Vocabile Kraiburg“ unter Andreas Miecke (rechts außen) erhielt viel Beifall für sein Kirchweihkonzert „Cantate Domino“. Gärtner

Andreas Mieckes Stunde schlug am Kirta-Sonntag in Pürtens Kirche: „Cantate Domino“. Genau gesagt: Andreas Mieckes Stunde dauerte 140 Minuten, und keine Sekunde davon möchte man missen.

Pürten – Des Waldkraiburger Musik- und Sportlehrers enthusiastisches, stimmlich auf Hochglanz gebrachtes „Ensemble Vocabile Kraiburg“ zeigte in der vollen Kirche in Pürten mit nicht weniger als 16 ausgewählten Chor- und dazwischen vier nicht weniger erlesenen Instrumentalstücken, was es drauf hat: Barockes, Vorbarockes, Klassisches, Romantisches und nicht wenig Modernes.

Sogar ein russisches Zigeunerlied aus dem 462. Opus von Wilhelm Popp war dabei, nicht gesungen, sondern anregend gespielt von der melodiös führenden Querflöte, unterstützt von Klavichord und Cello. Extra-Applaus für Andreas Mieckes Violoncello, Andrea Stadlers Flöte und Shanna Hiemeschs Tastaturfähigkeiten.

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Von Giuseppe Ottavio Pitonis titelgebendem „Cantate Domino“ schlug Dirigent, Tenor und Cellist Miecke einen kühnen musikalischen Bogen bis zu einem doppelten Ola Gjeilo, Jahrgang 1978. Er scheute nicht zurück vor völlig Ungekannten wie Christopher Tye („Laudate nomen Domini“) oder wenig Geläufigen wie Moritz Hauptmann („Meine Seele ist stille in Gott“), so wie er auch zweimal den Titel „Bogoroditse“, einmal von Rachmaninow, einmal von Pärt (gelungen!) brachte oder meinte, an dem „Schlager“ der geistlichen Chormusik, Anton Bruckners „Locus iste“ (zu wenig kompakt und aus Fülle-Mangel mäßig ergreifend) nicht vorbei zu können.

Anspruchsvolles, gepaart mit Volkstümlichen

Mieckes sowohl feines wie wirkungssicheres Gespür für Anspruchsvolles („The Rose“ von Bette Middler, mit dem sich zwei Damenstimmen solistisch erfolgreich vorstellten), gepaart mit Volkstümlichem („Von guten Mächten wunderbar geborgen“, mit selbst erstelltem Satz und der schlichten Zugabe des bereits aufgegangenen Mondes) erwies sich als tragfähig und, man darf sagen, anrührend.

Auch wenn es da und dort haperte, was Textverständlichkeit und Einsatz-Präsenz betraf – das Kraiburger „Ensemble Vocabile“, ehrgeizig, dabei jedoch bescheiden und unverkennbar in seinem schicken Schwarz-Rot, lieferte in Pürten einen von Andreas Miecke professionell im Zaum gehaltenen, liebevoll, aber bestimmt inszenierten Auftritt, dessen gesungener Zu- und Abgang mit dem spanischen „Santo, Santo, Santo …!“ aufhorchen ließ und nach „Mehr“ solch gut präparierter Abendkonzerte ruft.

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