„Kauf die roten Schuh‘!“

Rosemarie DornerKraiburg Das Programm ist eine gute Mischung aus früher und heute. Es ist ein bissl was für das gesetztere Alter, aber ganz gut. Die Geschichte mit der Jeans in der Badewanne, damit sie hauteng war, hat er den Nagel auf den Kopf getroffen.

Mühldorf. – Im vollbesetzten Haberkasten berichtete Josef Brustmann von Schuhkäufen, sang bayerische Volkslieder und zupfte auf der Zither „Highway to hell“.

Mit dieser spannenden Mischung begeisterte der Kabarettist und Musiker das Publikum.

Der Zuschauerraum ist beleuchtet, während Brustmann das Publikum begrüßt und sein Programm mit Albernheiten über den Tod und das Sterben beginnt. Immer wieder bezieht er das Publikum mit ein und bittet sogar eine Zuschauerin darum, ihn bei einer musikalischen Darbietung zu unterstützen. Dabei überwindet er jegliche Distanz zu den Zuschauern.

Die Witze, die der Komiker im Laufe des Abends erzählt, sind plump, spitzfindig, alltäglich, politisch oder kritisch. In rasanter Geschwindigkeit wechselt er die Themen und nennt Übergewicht, schwerwiegende philosophische Fragestellung und das Verfallsdatum von Himalaya-Salz in nahezu einem Atemzug.

Er berichtet von seinen jungen Jahren, als er stolz seine erste Bluejeans bekommen hatte und mit ihr, um sie enger werden zu lassen, in die gefüllte Badewanne ging – Tolles Outfit und Blasenentzündung folgten.

Aber nicht nur oberflächliche Albernheiten präsentiert er. Kritisch geht der Künstler auf Begriffe wie Heimat und Tradition ein. Auch Migration, vor allem die der Deutschen und Ita lie ner in die USA im 19. Jahrhundert, wird thematisiert. Er erwähnt, dass der Schauspieler Terence Hill einst sächsisch gesprochen haben soll, da er als Kind eine Zeitlang in Sachsen gewohnt hatte. Zither, Gitarre, Glocken und eine Diskokugel – das sind nur einige der Instrumente, die Brustmann auf der Bühne präsentiert. Der Musiker spielt traditionelle Stücke, außerdem zeigt er seine Jodelkünste. Er besingt den Böhmerwald und die Wolga und erzeugt eine Atmosphäre von gemütlicher Bierstube und wohlig warmem Wohnzimmer. Mit selbstkomponierten Stücken holt der Musiker seine Gäste in den Alltag zurück. Es geht um Ikea, Obi, farbige Pfarrer und Sex-Reisen nach Bali. Emanzipation ist ein weiterer Themenbereich: Brustmann erzählt von seiner Frau, die er beim Spazierengehen festhalten müsse, damit sie nicht ins nächste Schuhgeschäft rennt. Jetzt wird klar, wieso Brustmann seinem Programm den merkwürdigen Titel „Das Leben ist kurz – kauf die roten Schuh‘“ gab. Dem Publikum gefällt der Humor. Keine Anekdote ist dabei, die nicht auf Lachen oder Applaus stößt. Auf seiner Zither spielt Brustmann nicht nur Traditionelles, sondern auch Songs von AC/DC und Simon and Garfunkel. In der Zugabe präsentiert er einen Schlauch mit Trichter und Mundstück – sein Reise-Alphorn. Ein außergewöhnliches Instrument – das passt.

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