Die Ironie des Wiener Schmähs

Johanna FriedlDorfen Norbert Schneider habe ich erst Anfang des Jahres kennengelernt. Ich bin in Wien aufgewachsen und das hier ist ein Stück Heimat. Das ist mein erstes Konzert mit Norbert Schneider. Und es ist schade, dass man sitzen muss. Ich hätte gerne getanzt.

Mühldorf. – Ausverkauft ist das Konzert von Norbert Schneider und Band im Mühldorfer Haberkasten, mit Wiener Schmäh wissen die österreichischen Musiker zu begeistern.

Nachdem die Band ihre Plätze gefunden hat, schleicht Schneider auf die Bühne. Mit Krücke und bandagiertem Fuß. Und dann zeigt er, wie sich auch vom Barhocker aus Stimmung machen lässt.

Das Publikum ist rasch begeistert. Es applaudiert, jubelt und pfeift bereits bei der Ankündigung der Stücke. Textsicher singen die Fans mit. Die musikalische Mischung aus Blues und Austropop, von melancholisch bis rockig, mit meist bösen Texten, passt zu dem Outfit des Wiener Bandleaders: Schneider trägt einen orange-braunen Anzug mit zu weiter Hose. Die Haare seiner ausgewachsenen Frisur – sein Markenzeichen – stehen in alle Richtungen.

Und auch die Moderation ist ein Mix aus Extravaganz, Stil, Verrücktheit, Arroganz und Selbstironie. Er befinde sich auf Deutschland-Tournee, erzählt er, die in Mühldorf an diesem Abend starte und danach gleich wieder beendet sei.

Auch die sieben Musiker der Band nehmen sich nicht ernst. Immer wieder versuchen sich die Bläser tänzerisch abzustimmen, wenn ihre Luft nicht für die Musik gebraucht wird. Mal wechseln sie – passend zum Rhythmus – von einem aufs andere Bein. Dann wieder nutzen sie ihre Instrumente, um durch einen fiktiven See zu paddeln. Besonders die Geschwister an Saxofon und Trompete überlegen sich stets neue Formationen. Nicht immer gelingt ein synchrones Bild. Da sich die beiden nicht ähneln, vermutet Schneider übrigens, dass einer der Brüder vom Postler sein muss.

Bei allen Scherzen machen sie tolle Musik. Immer wieder gehen die Bläser nach vorne und spielen dort ihre Soli. Nicht nur Eigenkomponiertes bieten die Künstler an dem Abend. Musik von Georg Danzer haben sie mitgebracht. Sein „Wichserblues“ sorgt schon bei der Ankündigung für gute Laune unter den Zuhörern.

Nach der Pause treten Schneider und sein Pianist und Keyboarder zunächst alleine auf. Den Flügel im Haberkasten müssten die beiden doch ausnutzen, sagt Schneider. Doch so ganz lässt sich das Publikum nicht damit fangen. Als Band sind sie an diesem Abend einfach besser.

Schneider albert in der zweiten Hälfte noch mehr als zuvor. Das Publikum kichert. Aber auch seine Gitarrensoli begeistern. Dieser schneidet währenddessen Grimassen und rockt auf seinem Barhocker. Dass er eigentlich auf Krücken ist, fällt erst beim Abgang von der Bühne wieder auf.

Kommentare