Mit Inbrunst, nicht hi g‘brunst

Mit Wiener Schmäh, viel Mimik und Gestik hat Willi Resetarits sein Publikum in Mühldorf beeindruckt.

Mühldorf. – Willi Resetarits und seine Stubnblues haben im Mühldorfer Haberkasten gesungen, gespielt und gescherzt.

Die sieben Männer sorgten mit Wiener Schmäh, Blues und Soloeinlagen für gute Stimmung.

Vertonte Mundartgedichte von Hans Carl Artmann dominieren die erste Hälfte des Konzertes. Resetarits tritt mit grauer Anzughose, Weste und Schiebermütze auf. Die Jahreszeiten geht er durch. Leitet sie stets in seiner Wiener Schmäh ein. Er besingt die Endstationen von Wiener Trambahnlinien zu Irrenhaus, Winzerdorf und Zentralfriedhof. Die Balladen handeln zudem von Schnupfenbazillen, Artmanns Sommerferien und die Donau in Wien. Als Gebirgsfluss rauscht sie reißend durch Österreichs Hauptstadt.

Der Humor kommt beim Publikum an. Wortwitze zwischen Resetarits und seinem „Kapellmeister“ Stefan Schubert an den Gitarren wirken nicht eingeübt, sondern spontan. Uns so lachen Musiker wie Publikum über Verständnisprobleme zwischen Inbrunst und hi g‘brunst. Objekte in Wien werden generell aus Richtung Salzburg erklärt. Lob gibt es dann auch hin und wieder einmal, man sei ja schließlich im Ausland.

Ist die Laune der Gäste bereits von Anfang an sehr gut, zeigt sich nach der Pause, dass diese doch noch zu steigern ist. Beifall während der Stücke, das Wippen von Köpfen, Oberkörpern und Füßen zeugen von bester Stimmung. Im zweiten Teil spielt die Band aus dem Album Spuren. Die Titel benötigen weniger Worte, Musik beherrscht nun den Abend. Resetarits lässt seine sechs Musiker immer wieder Solostücke spielen. Sie kommen beim Publikum gut an, es beklatscht stets auch die kleinsten Einlagen. Dabei achten die Musiker auf ihr Publikum, aufmerksam, reichen den Fans ihre Stühle.

Die Musiker haben Spaß. Die Bläser tanzen, während sie pausieren. Schließlich wedelt der Schlagzeuger mit seinen Besen, um Vögeln zu simulieren. Nicht nur Resetarits versteht zu scherzen. Saxofon, Trompete, Klarinette und Kontrabass ergänzen Schlagzeug, E-Gitarren und Klavier.

Blues, Jazz, Big Band und zwischendurch folkloristisch lässt sich die Musik umschreiben. Melancholisch klingt sie zu Beginn. Resetarits singt mit seiner Band auch a cappella, ein Lied auf Burgenlandkroatisch: Eine Mutter wartet auf ihren Sohn, der im Krieg ist. Der 70-Jährige und seine Jungs können also auch ernsthafte Musik machen.

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