„Gräfin Mariza“: Ein musikalischer Genuss im Mühldorfer Stadtsaal

Lisa (Da-yung Cho) und Koloman Zsupan (Felix Nikola)verlieben sich ineinander. hra

Im gut gefüllten Stadtsaal gastierte die Johann-Strauß-Operette aus Wien. Solisten, Chor, Tänzerinnen und ein ganzes Orchester brachten einen Verkaufsschlager der klassischen Wiener Operette auf die Bühne: „Gräfin Mariza“ von Emmerich Kalman (1882-1953), unter dem souveränen Dirigat des Franzosen Guillaume Fauchere

Von Hans Rath

Mühldorf –. Die Uraufführung dieser Operette hatte im Theater an der Wien am 28. Februar 1924 in Wien stattgefunden.

TollesBühnenbild

Das Stück spielt auf dem ungarischen Schlossgut der betuchten Gräfin Mariza zu Anfang des 20. Jahrhunderts. Auf dem Gut arbeitet der verarmte Graf Tassilo von Endrödy-Wittenburg unter dem Decknamen Bela Török als Verwalter für die reiche Gräfin, die in Wien lebt. Er will die finanziellen Mittel zusammensparen, um die Mitgift für seine Schwester Lisa bezahlen zu können. Sein Freund Karl Stefan Liebenberg besucht ihn auf dem Gut, ihm trägt Tassilo auf: „Grüß mir die süßen, die reizenden Frauen im schönen Wien“.

Graf Tassilo, die männliche Hauptrolle, gesungen von Giorgio Valenta, kann es stimmlich durchaus mit dem berühmten Tenor Rudolf Schock, der die Rolle in der Verfilmung der Operette innehatte, aufnehmen. Überraschend erscheint auch die Gräfin, die ihren zahlreichen Verehrern, vornehmlich ihres Reichtums, in Wien entkommen will. Bei ihrer Ankunft lässt sie verlauten, dass sie sich mit Koloman Zsupan verlobt hat. Diesen Namen hat Mariza jedoch frei erfunden und sich dabei einer Gestalt aus dem „Zigeunerbaron“ von Johann Strauß bedient. Über diese Nachricht ist Fürst Populescu, der örtliche Verehrer von Mariza, äußerst empört. Der polternde Landadlige wird gekonnt von Josef Krenmair verkörpert.

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Die Titelrolle der Gräfin Mariza singt und spielt die Rumänin Caterina Coresi in großartiger Manier. Lustige Zigeunerweisen begleiten ihren Auftritt. Großen Beifall verdient sich Zacharias Galaviz-Guerra, der als Geige spielender Zigeuner immer wieder seinem Instrument zart schmeichelnde Töne entlockt. Auch Lisa erscheint nun, sie wird von Da-yung Cho verkörpert. Die gebürtige Wienerin hat asiatische Eltern und singt und spielt mit einer Leichtigkeit, die verzaubert. Ihre Sopranstimme ist außergewöhnlich. Auf Tassilo treffend, erzählt dieser ihr von seiner verdeckten Arbeit auf dem gräflichen Gut, in „O schöne Kinderzeit“ erinnern sich die beiden an ihre Vergangenheit als Bruder und Schwester.

Mariza erlebt eine böse Überraschung, als ihr Diener Tschekko (Daniel Valero gespielt) die Ankunft von Koloman Zsupan (Felix Nikola) meldet. Der ist ein verarmter Gutsbesitzer aus Varasdin, einer Stadt, die damals in Ungarn lag. Zsupan freut sich, die reiche Gräfin heiraten zu können, im Saal beginnt sofort die Verlobungsfeier. Als Verwalter wird Tassilo, der sich schon beim ersten Anblick in Mariza verliebt hat, nicht geladen. Traurig singt er draußen im Garten: „Auch ich war einst ein feiner Csardas-Kavalier“, ein Lied, das man eher unter „Komm Zigan“ kennt.

Ausgezeichneter Gesang

Die Aufführung besticht neben den gesanglich durchwegs ausgezeichneten Leistungen auch durch die wunderschönen Kostüme. Das gelungene Bühnenbild versetzt den Zuschauer in ein Landgut in Ungarn vor 100 Jahren.

Nach der Pause spielt der zweite Akt vier Wochen später im Salon des Schlosses. Tassilo hat sich in Mariza verliebt, Koloman in Tassilos Schwester Lisa. Alles könnte wunderbar sein, da fällt der Gräfin ein Brief Tassilos in die Hände, den sie missversteht. Sie glaubt, der Verwalter habe es nur auf ihr Geld abgesehen. Es kommt zum großen Krach, Tassilo wird von Mariza entlassen. In Akt drei gelingt eine Versöhnung des Liebespaares zunächst nicht. Bewegung kommt in die Angelegenheit, als Fürstin Bozena (Stefanie Kopinits) mit ihrem Diener Penezek erscheint, Tassilos reiche Erbtante. Vor allem der schusselige Diener, den Joe Pechhacker gibt, erntet wegen der vielen Versprecher immer wieder Lacher.

Die Tante hat von den finanziellen Nöten ihres Neffen gehört und dessen Schulden beglichen. Damit ist dieser ein ebenbürtiger Partner, der Versöhnung mit anschließender Hochzeit steht nichts mehr im Wege. Um das glückliche Ende perfekt zu machen, finden sich nun auch Lisa und Koloman Zsupan, während Tante Bozena in den Armen ihres Jugendliebhabers Fürst Populescu landet: Ende gut - alles gut.

Im Februar 2021 wird das Ensemble wieder in der Kreisstadt Station machen, dann hat es „Die lustige Witwe“ im Gepäck.

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