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Theatergruppe "Stadttheater Waldkraiburg" inszenierte unterhaltsam Woody Allens skurrile Komödie

"Gott" sei Dank haben sie es gewagt

Die Zeus-Maschine soll das Stück retten, weil der Göttervater allen Menschen helfen kann. Schief geht's trotzdem, ganz nach Woody-Allen-Manier, der "Gott" geschrieben hat. An diese skurrile Komödie wagten sich (von links) Veit Bibo, Gitti Köllhofer, Eva Stocker, Martin Klemisch, Willi Kaap, Sophia Meindl, Michaela Kerbl, Annegret Weinbauer, Sabine Backhaus und Beate Morbach heran. Foto Dominik Müller
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Die Zeus-Maschine soll das Stück retten, weil der Göttervater allen Menschen helfen kann. Schief geht's trotzdem, ganz nach Woody-Allen-Manier, der "Gott" geschrieben hat. An diese skurrile Komödie wagten sich (von links) Veit Bibo, Gitti Köllhofer, Eva Stocker, Martin Klemisch, Willi Kaap, Sophia Meindl, Michaela Kerbl, Annegret Weinbauer, Sabine Backhaus und Beate Morbach heran. Foto Dominik Müller

Es war ein Wagnis, sich als erstes Stück eine skurrile Komödie von Woody Allen auszusuchen. Doch wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Armin Stockerer, Regisseur der neu gegründeten Theatergruppe "Stadttheater Waldkraiburg", ging aufs Ganze und landete mit "Gott" einen Volltreffer. Mit seinen zehn Darstellern, die unterschiedliche Bühnenerfahrung vorweisen konnten und Regieassistentin Christa Wanner inszenierte er das Stück in zwei Teilen, die unterschiedlich stark daherkamen. Premiere war nun im Kleinen Saal.

Der erste Akt, in dem sich Schriftsteller Hepatitis (Veit Bibo) und Schauspieler Diabetes (Willi Kaap) bemühen, einen guten Schluss für ein Stück zu finden, das beim Athener Dramatiker-Festival glänzen soll, begann ein wenig holprig. Es dauerte ein bisschen, als Zuschauer im Stück anzukommen. Hie und da ein Texthänger - aber das war nicht richtungsweisend. Schließlich handelt es sich um eine Persiflage auf das Theater an sich und seine Theatermittel und da gehört auch die Improvisation dazu. Und die beherrschen die Zehn gut. Der eine mehr als Rampensau, der andere wieder etwas subtiler.

Volle Fahrt nahm die Sache im zweiten Teil auf - hier spielen die Darsteller auf der Bühne Schauspieler in einem Stück, das im antiken Griechenland angesiedelt ist. Es hat viel von der antiken Komödie, die es gleichzeitig ironisch verfremdet.

Ein griechischer Chor begleitet die Handlung, lästert und kommentiert und ist alles andere als bloß schmückendes Beiwerk. Stark und klar tritt das Ensemble auf, hat Bühnenpräsenz und ist an manchen Stellen die heimliche Hauptrolle. Die zum Teil derben Späße und das Lokalkolorit aus Föhrenwinkel, Mühldorf oder gar Flossing stehen in Kontrast zu den philosophisch angestellten Überlegungen. Das liebevolle Bühnenbild mit der Akropolis im Asterix-Stil als Hintergrund-Projektion, weißen Würfeln, hölzernen Säulen und tragbaren Landschaftskulissen, sorgt für echtes Theaterfeeling. Natürlich spielt Woody Allen in seinem eigenen Stück auch eine Rolle. Hepatitis und Diabetes telefonieren mit ihm, etwa als kein richtiger Schluss daherkommen will.

Für diese Augenblicke hat sich Regisseur Stockerer Woodys Synchronsprecher Wolfgang Draeger an die Strippe geholt und lässt seine Telefonstimme einblenden. Ein witziges Detail von vielen. So gibt es Essen von Subway und McDonald's, griechische Staatsanleihen, eine Tanzeinlage zur Melodie "Gute Zeiten, schlechte Zeiten" und das Lied vom Wildschütz-Jennerwein. Amerikanische Späße wurden durch deutsch-bayerische Alltagskultur ersetzt.

Die Befürchtung mancher, die Qualität der Schauspielkunst oder auch Bühnenpräsenz könnte auf Provinztheater-Niveau rangieren, hat sich nicht bestätigt. Und gotteslästerliche Ansätze oder gar Sabotage-Absichten mitten ins Herz der Waldkraiburger - entsprechende Gerüchte kursierten im Vorfeld - waren ebenfalls nicht festzustellen. Klar ging es am Rande um Sex, geht es bei Woody Allen ja irgendwie immer, und um fiktive Orgasmen, schließlich waren die Figuren in dem Spiel-im-Spiel-Stück auch nur fiktiv. Doch die zentrale Frage kreiste - wie auch schon der Titel verrät - um die Frage aller Fragen, ob es einen Gott gibt. Ja oder nein als Antwort hat Konsequenzen für den Menschen. Wird er für seine Sünden gerichtet oder kann er ungehindert tun, was ihm beliebt? Eine mustergültige Antwort kann es natürlich nicht geben. Aber die will der mündige Theater-Bürger auch gar nicht. Komödie ist manchmal kein Vergnügen. Diese hier schon.

Und damit haben die Macher das Theaterleben in der Stadt wieder aufleben lassen. "Gott" sei Dank hat Stockerer das durchgezogen.

Das Stück ist noch einmal am heutigen Samstag, 28. April, und am Montag, 30. April, jeweils um 20 Uhr im Kleinen Saal, Haus der Kultur, zu sehen. Karten unter 08638/959312.

www.innsalzach24.de

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