Claus Freudenstein hat ein Liederbuch für Kontrabassschüler geschrieben - weitere werden folgen

"Oh du Fröhliche" im Walzertakt

"It&#39s Christmas": So mancher Kontrabassschüler in der Region hat zum Fest schon aus Claus Freudensteins Liederbuch gespielt. Foto ha
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"It's Christmas": So mancher Kontrabassschüler in der Region hat zum Fest schon aus Claus Freudensteins Liederbuch gespielt. Foto ha

Die Liebe zum Bass kam spät. Sehr spät. Erst mit 16 war das, in Ansbach. Dort war jeden Dienstag Videorockabend. Ein Pflichttermin für Claus Freudenstein, der sich ganz besonders auf die Szenen freute, in denen Metallica-Bassist Cliff Burton zu sehen war. "Aus heutiger Sicht war das der Anfang."

Den ersten Basslehrer fand Freudenstein schließlich im Mühldorfer Stadtsaal. Bei einem Konzert von Hans Söllner zupfte Alex Klier den E-Bass. "Er hat bei mir die Basis gelegt." Zweimal pro Woche fuhr der Mühldorfer hinaus nach Pasing zum Unterricht. Und die frische Liebe zum Bass ließ ihn nicht mehr los.

In Bad Füssing kaufte sich Claus Freudenstein dann den ersten Kontrabass - im Alter von 22 Jahren. Mehr und mehr reifte der Entschluss, das Büro im Finanzamt gegen ein Musikzimmer einzutauschen. Dem Privatunterricht folgte ein einjähriges Intensivstudium an der Bassschule München, ehe der Mühldorfer dann sein Studium aufnahm: zunächst am Leopold-Mozart-Konservatorium in Augsburg, dann an der Musikhochschule und am Richard-Strauss-Konservatorium in München. Heute unterrichtet Claus Freudenstein unter anderem Kontrabass und E-Bass an den Städtischen Musikschulen in Mühldorf und Eggenfelden.

Was den Spätstart an den vier Saiten betrifft, gehört er zu einer aussterbenden Spezies. "Dank der Minibässe steigen die Kinder heute viel früher ein", erklärt Freudenstein. Was auch Auswirkungen auf die Qualität der Musiker hat: "Viele Bassisten sind heute mit 16 so gut wie früher die Absolventen an der Uni. Das war schon eine enorme Entwicklung in den letzten Jahren."

In Sachen Literatur für Kontrabassschüler gebe es deshalb reichlich Nachholbedarf, findet Freudenstein, der vor allem Lücken "zwischen den bemühten Musikschülern und den Studenten" sieht. Das Standardwerk, die sogenannte "Kontrabassschule", hat zudem weit über 100 Jahre auf dem Buckel. "Was nicht heißt, dass das Material schlecht ist", sagt der 40-Jährige. "Aber die Auswahl ist eben sehr übersichtlich. Und auch in Sachen Bass darf man ein wenig mit der Zeit gehen."

Also hat Claus Freudenstein den Bogen aus der Hand gelegt und selbst zum Stift gegriffen. Im Hofmeister-Musikverlag erschien - gerade rechtzeitig zur Weihnachtszeit - nun das Notenbuch "It's Christmas": eine Sammlung bekannter Weihnachtslieder, arrangiert für ein Kontrabassquartett. "Gedacht ist es für einen Kontrabass-Lehrer, der mit seinen Schülern musiziert", erklärt Claus Freudenstein.

Dabei hat er die Weihnachtslieder in verschiedene Gewänder gepackt: von "Lasst uns froh und munter sein" als Reggae über "Oh du Fröhliche" im Walzertakt bis hin zu "Rudolph The Red-Nosed Reindeer" als Swing. Aber auch traditionelle Arrangements finden sich in der Sammlung - wie "Stille Nacht'. "Das war mir aber zu heilig, um es anders zu arrangieren."

Rechtzeitig zur Frankfurter Musikmesse soll auch das zweite Buch fertig sein - eine Sammlung für Kinder am Kontrabass, inklusive einiger selbst komponierter Stücke. "In den 30 Liedern steckt die gesamte Erfahrung, die ich als Lehrer gesammelt habe." Oder anders ausgedrückt: "Der Großteil ist mehrfach an Musikschülern erprobt." Das erfolgreiche Experiment am lebenden Objekt kommt Ende März auf den Markt - und wird weltweit vertrieben. Für alle, die den Bass schon früher in die Finger bekommen als einst Claus Freudenstein. Denn: "Der Nachwuchs will spielen. Nicht nur Griffe und Noten üben."

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