Eine prunkvolle Reise zum Selbst: Modernes Tanztheater im Haus der Kultur

Zahlreiche Hebefiguren, aufwendige Kostüme und vielerlei Bühnenausstattung zeichneten den Abend mit „Noë tanzt“ aus. von ahn

Ausverkauft war der große Saal im Haus der Kultur vergangenen Samstag. Rund 40 Tänzerinnen und Tänzer standen mit dem Stück „Noë tanzt“ auf der Bühne. Verschiedenste Tänze, aufwendig gestaltete Kostüme und diverse Bühnentechniken machten den Auftritt zu einem wahren Spektakel. Überwiegend aus Laientänzern aus der Region besteht das Ensemble.

Waldkraiburg – Das Thema der Geschichte hat gar nichts pompöses, nichts aufregendes: Es geht um die Suche nach dem Sinn. Noë sucht sich selbst. Fabelwesen nehmen die junge Frau mit in verschiedene Welten: Auf Sofa und Sessel tanzen steif Personen mit weißen Perücken. Staubig sind ihre Kleider. Ein Kronleuchter fällt hinab. Weiter geht es mit französischen Chansons zu Frauen in rot, schwarz und weiß. Schließlich landet Noë bei Schamanen, im Orient und zwischen Flamencotänzerinnen. Der Bollywood-Tanz kommt beim Publikum gut an. Es jubelt und klatscht im Takt.

Von einer Szene in die nächste

Auch Kritik an Kapitalismus kommt nicht zu kurz – kombiniert mit bayerischer Musik sowie Künstlern in Dirndl und Lederhose. Schließlich tanzen Frauen in Skelettkostümen.

Immer wieder wird Noë in die Tänze eingebunden. Sie versucht mitzuhalten, wird aber von den Akteuren mitgezogen, wenn sie sich weigert. Noë flieht aus den Szenen und gelangt in eine neue. Zwischen den einzelnen Szenen senkt sich der Vorhang zum Umbau. Noë und ein Fabelwesen treffen sich davor und bereiten sich für den nächsten Ort vor.

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Nebelmaschine und Schwarzlicht nutzen die Theatermacher ausgiebig. Die ohnehin schon aufwendigen Kostüme und Kopfbedeckungen sind oftmals beleuchtet. Und auch die Tänze verschiedener Stilrichtungen sind anspruchsvoll und stets von etwas besonderem gekennzeichnet. Viele Hebungen der Ballett- und Garde-Einlagen sowie Salti aus dem Stand sind zu sehen. Das Publikum würdigt diese im Laufe des Abends immer mehr. Schon beim Auftritt einiger Darsteller jubeln die Zuschauer. Die Musikstücke sind modern, oft sind bekannte Stücke aus den Charts zu hören. Damit zieht das Stück junge Zuschauer an und begeistert sie.

Gut einstudierte Abläufe

Unterschiede sind in der Qualität der Tänzer zu erkennen. Die Abläufe jedoch stets gut einstudiert. Bei manchen Darstellern wirken die Bewegungen jedoch wie auswendig gelernt, während andere Tänzer in ihren Rollen aufgehen. Nina Grübl-Freiwald als Noë ist beispielsweise stets anzumerken, welche Rolle sie gerade spielt: Ob Noë das Szenario gefällt, sie kritisch hinterfragt oder sich nur passiv mitführen lässt.

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Während im ersten Teil vor der Pause rasche Stücke und Tänze dominieren, gestaltet sich der Abend nach der Pause ruhiger. Fast traurig wirken einige Szenen, ganz im Gegensatz zu den Szenen vor der Pause. Aber nun gelangt Noë von der Spaßgesellschaft zu ihrem wahren Ich. Sie tanzt – einen Mann umklammernd – in einem beleuchteten Ring vom rund zwei Metern Durchmesser. Schließlich steht das Publikum und applaudiert. Der Aufwand um die Tänze, Bühne und Kostüme hat sich gelohnt.

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