Für eine Menschheit ohne Ungeziefer

Peter ThannerMühldorf Ich fand es super, überraschend gut. Ich kenne alle seine Programme. Manchmal waren sie kaum erträglich, aber er wird immer besser. Früher sprang er manches Mal nackt über die Bühne, hatte wirre Texte. Er hat wie ich in Passau Abi tur gemacht. Da verbindet mich etwas mit ihm.

Mühldorf –. Eine wie eine Blume anmutende Fliegenklatsche steht in einer Vase, dazu gesellen sich auf dem Tisch zwei Flaschen Schnaps, die der Künstler leert.

Immer betrunkener wird er. Sigi Zimmerschied feiert seinen Geburtstag im Mühldorfer Haberkasten – alleine.

Schroff und ungehobelt tritt der Kabarettist auf. Er schreit, ruft, stampft und schlägt mit seiner Fliegenklatsche zu. Das Publikum grölt vor Lachen – leise ist es auf der Bühne in Mühldorf nicht. Religiös empfindsam darf an diesem Abend keiner sein. Denn irgendwann hängen eine tote Ratte in einer Falle und ein Kruzifix nebeneinander.

Der Abend beginnt zunächst Zimmerschied auf der Bühne. Er beginnt mit einem Gespräch eines Bayern mit einem Ausländer. Der Bayer beschimpft ihn. Rassistisch sind seine Worte. Die beiden arbeiten als Kammerjäger und suchen Kakerlaken. Nun erst betritt Zimmerschied die Bühne. Und geht gleich wieder he runter. Er geht ins Publikum und berichtet ihm von dort von diversen Schädlingen. Er stellt Vergleiche dazu mit einzelnen Zuschauern an. Diese kichern, freuen sich über so viel Aufmerksamkeit durch den Künstler. Zimmerschied geht schließlich wieder auf die Bühne, ein Kruzifix steckt im Pistolengürtel. Er berichtet von seinen Eltern und Geschwistern. Stellt auch zu ihnen Vergleiche zu Schädlingen an. Er erschlägt sie während seines Monologs mit der Fliegenklatsche. Sein Vater erinnert ihn an die tote Ratte, die er im Verlauf seines Programms fängt und hinter der Bühne hervorholt. Die Menschheit wolle er vom Ungeziefer befreien.

Nach der Pause ist es aus mit dem Feiern. Zimmerschied schlüpft in diverse Rollen seiner Mitmenschen. In die von Schulfreunden, die er verprügelt hat, oder die seines Kommandanten bei der Bundeswehr. Ein Auge habe er ihm verätzt. Nun sei er auf dem rechten Auge blind. Diese Doppeldeutigkeit zeichnet Zimmerschied aus. Kritik übt der Kabarettist nie direkt. Sein Monolog besteht oft aus einer Anei nanderreihung von Stammtischparolen. Erst diese Masse an Phrasen führt zur Überspitzung und erreicht seine Wirkung. Nämlich die einer fast unverschämten Kritik an der Gesellschaft.

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