Nach drei geistlichen Konzerten bringt der noch junge Bach-Chor die Mozart-Oper auf die Bühne

Eine Altöttinger Zauberflöte

Am 13. April 1823 sitzt Eckermann wieder einmal mit Goethe beisammen.

Sie reden über allerlei Literarisches und kommen dabei auch auf Mozarts "Zauberflöte", zu der Goethe eine Fortsetzung geschrieben hat. "Er giebt zu", notiert Eckermann später, "daß der bekannte erste Theil voller Unwahrscheinlichkeiten und Späße sey, die nicht Jeder zurechtzulegen und zu würdigen wisse; aber man müsse doch auf alle Fälle dem Autor zugestehen, daß er im hohen Grade die Kunst verstanden habe, durch Contraste zu wirken und große theatralische Effecte herbeizuführen."

Wenn der Theatermann Goethe das über seinen "Kollegen" Schikaneder sagt, heißt das für alle Nachgeborenen, dass sie mit ihrer meist recht wohlfeilen Kritik an der Handlung dieser beliebtesten aller Opern vorsichtig sein sollten. Alfred Einstein schreibt in seiner Mozart-Monografie, dass das Libretto allenfalls Schwächen in der Diktion aufweise. Als Ganzes aber sei es weder kindisch noch ungereimt, sondern so durchdacht, dass man keinen Stein von der Stelle rücken könne, ohne die Konstruktion zu beeinträchtigen, "ganz abgesehen davon, dass man dadurch Mozarts wohldurchdachte, organische Tonarten-Ordnung zerstören würde".

Der oft monierte Bruch im dramatischen Aufbau ist keiner mehr, wenn man die Königin der Nacht von Anfang an als das auffasst, was sie sein soll, nämlich das Prinzip des Bösen. Dann ist ihr Mutterschmerz nichts anderes als virtuoses Blendwerk. Dann bekommen auch ihre zunächst durchaus sympathischen Hilfstruppen, die Damen und die Knaben, etwas eigenartig Abgründiges. Dann ist Sarastro kein umgedrehter Finsterling, sondern der von Anfang an Gute, Edle und Weise. Dann ist schließlich auch das Glück, das aus all dem erwächst, der verdiente Lohn.

Die "Zauberflöte" war neben der "Clemenza di Tito" und dem Requiem Mozarts letzte Arbeit. Der Umstand, dass sie vom Sujet her eigentlich dem Genre der Vorstadtposse zugehört, hinderte das Genie nicht, eine Oper zu schaffen, "die ebenso ein Kind entzücken wie den Erfahrensten der Menschen zu Tränen rühren, den Weisen erheben" kann. So Einstein, der fortfährt: "Jeder einzelne und jede Generation findet etwas anderes darin, und nur dem lediglich ,Gebildeten' oder dem reinen Barbaren sagt sie nichts."

Nach drei geistlichen Konzerten bringt der noch junge Altöttinger Bach-Chor die "Zauberflöte" auf die Bühne des Kultur- und Kongressforums Altötting. Die Oper wird am 10., 11. und 12. Oktober aufgeführt, die beiden ersten Male um jeweils 19.30 Uhr, das dritte Mal schon um 18 Uhr. Es soll eine Altöttinger "Zauberflöte" werden. Das heißt nicht, dass mit lokalen Bezügen herumgealbert wird, wohl aber, dass das Werk von Künstlern aus der Region und einem internationalen Ensemble mit renommierten Opernsängern sowie der "Classical Company" auf Originalinstrumenten realisiert wird.

Die Besetzung: Anton Leiss-Huber (Monostatos), Franz Krähschütz und Günter Meyer (Geharnischte/Priester), Natalia Voskoboynikova (Papagena), Joanna Wydorska (Königin der Nacht), Christa Schneider, Anna Willerding und Martina Koppelstetter (Drei Damen), Karin Widmann, Nici Unterstaller und Edith Kaltenbrunner/Thessie Mayr (Drei Knaben), Christoph Joachimbauer (Sarastro), Ingeborg Broll (Regie, Bühnenbild, Kostüme) und Susanna Mette (musikalische Leitung, Intendanz).

Karten gibt es über die Filialen der "VR meine Raiffeisenbank" und im Internet unter www.inn-salzach- ticket.de. re

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