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Musikalische Gewürzmischung

Driefacher im jazzigen Moll-Blues: Unterbiberger Hofmusik in Mühldorf

Multiinstrumentalist Wiggerl Himpsl (rechts) bei der Arbeit: Alphorn, Drums, Horn, Djembe oder selbst die Schelle am Schuh durfte in Mühldorf nicht fehlen. Von links: Der kleine Bruder Franz Josef, der älteste Bruder Xaver, Mutter Irene und Tubist Florian Mayrhofer.
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Multiinstrumentalist Wiggerl Himpsl (rechts) bei der Arbeit: Alphorn, Drums, Horn, Djembe oder selbst die Schelle am Schuh durfte in Mühldorf nicht fehlen. Von links: Der kleine Bruder Franz Josef, der älteste Bruder Xaver, Mutter Irene und Tubist Florian Mayrhofer.
  • Josef Enzinger
    VonJosef Enzinger
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Armenien, Ägypten, Brasilien, dann noch Griechenland, der Balkan und die Türkei. Und das alles in zwei Stunden. Das geht nicht? Doch. Die „Unterbiberger Hofmusik“ bringt dieses Kunststück fertig. Musikalisch versteht sich.

Mühldorf – Im Mühldorfer Haberkasten präsentierte die „Unterbiberger Hofmusik“ rund um die Musikerfamilie Himpsl einen Jazzfrühschoppen, der es in sich hatte. Eine musikalische Gewürzmischung quer über den Globus, eine raffinierte Kombination verschiedener folkloristischer Einflüsse, so dass man mitunter gar nicht mehr sicher sein konnte: Ist das noch bairisch und schon türkisch?

Unverwechselbarer Stil

Denn es dürfte wohl keine andere Band geben, die es schafft, Weltmusik aus aller Herren Länder so geschickt in ein Paket zu verpacken, dass daraus fast schon ein eigenes Genre entsteht. Unterbiberger-Style halt, wodurch sich die Familie um Irene und Franz Josef Himpsl und ihren Söhnen Ludwig Maximilian (Horn, Schlagzeug und Percussion), Xaver Maria (Trompete) und Franz Josef junior (Horn) rund um den Globus bereits einen Namen gemacht hat. „Dahoam und Retour“ heißt das neue Programm, mit dem die Kosmopoliten nun im Haberkasten zu Gast waren. Tubist Florian Mayrhofer und Jazzposaunist Mathias Götz waren die einzigen „eingekauften Musiker“, wie Xaver Himpsl in launigen Worten informierte.

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Überhaupt führte der Diplom-Trompeter, ältester Spross der Himpsl-Dynastie, sympathisch und kurzweilig durch das Programm. Eine Aufgabe, die sonst Vater Franz Josef übernimmt. Doch der fehlte diesmal. Weil er vor Kurzem mit dem Rennrad gestürzt ist und sich dabei sechs Rippen gebrochen hat, hat sein Trompetenspiel erst einmal Pause. Doch die Hofmusiker hatten für passenden Ersatz gesorgt. Bekir Çetinkaya bereicherte stattdessen das Sextett mit seinem Spiel der türkischen Baglama, eine besondere Langhalslaute, und als Percussionist.

Orientalisch wird es bei „Bavarabica“

Es sind sie unglaublich vielen Klangfarben, mit denen die Unterbiberger Hofmusik geradezu in extatischer Verzückung ihre Stücke kreiert. Beim „Gänsetanz“, gleich zu Beginn des Frühschoppens, nutzt Xaver Himpsl die Piccolo-Trompete mit ihrer filigranen höheren Stimmung, um dem Stück einen besonderen Ausdruck zu verleihen. Orientalisch wird es bei „Bavarabica“, wenn dann Bekir Çetinkaya zum ersten Mal die Bühne betritt, um Dynamik zu erzeugen. Später greift er zur Djembe, ebenfalls eine Trommel, die auch Multiinstrumentalist Wiggerl Himpsl mit Bravour zu klopfen weiß.

Er wechselt teils während der Stücke seine Instrumente, jongliert zwischen Horn und Drums, um zwischendrin auch das Tamburin in die Hand zu nehmen. Sicher leitet er die Band durch den Vormittag, ob Dreiviertel- oder Fünfviertel-Takt. Auch ein Zehnachtel-Takt steht auf dem Programm. Xaver Himpsl animiert die Zuhörer, den Takt zum „Driefachen“ mitzuklatschen. Doch das Projekt scheitert nach wenigen Takten – das machen die Gehirnwindungen eines Normalsterblichen einfach nicht mit. Elf Viertel sind es gar, wenn der „Elfer“ aufgelegt wird, im Stile der „Maxglaner-Polka“. Wiggerl Himpsl bläst dazu ins Alphorn, gleichzeitig rasseln Schellen am linken Fuß.

Faszinierte Zuhörer

Fasziniertes Zuhören, wenn die Hofmusiker „Café Rossini“ präsentieren, eigentlich eine Polka, in der Jazzposaunist Götz richtig aus sich herausgeht. Den „Stadltür-Boarischen“ hat man sicher noch nicht so jazzig gehört. Überhaupt überzeugt die Combo mit unfassbarer Dynamik. Mal filigran, dezent, bayerisch-böhmisch halt. Dann wieder mit voller Wucht im Balkansound.

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Dieses Temperament spiegelt sich auch in der Zugabe wider, das die Unterbiberger Hofmusik einem ganz besonderen Weggefährten widmet – dem 2020 verstorbenen Claudio Roditi. Zum Gedenken an den Brasilianer veröffentlichte die Unterbiberger Hofmusik 2020 die Compilation „In Memoriam Claudio Rodtiti“. Im Haberkasten ehrten sie den virtuosen Trompeter mit einem Stück aus Brasilien – der brasilianische Karneval rückte damit ein Stück näher an Mühldorf. So wie vorher bereits die Folklore-Musik vom Rest der Welt.

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