Die Pandemie mit Humor ertragen

Das Foto zeigt eine Szene mit Sarah Matberg (links), Andreas Werth und Manon Straché.
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Das Foto zeigt eine Szene mit Sarah Matberg (links), Andreas Werth und Manon Straché.

Waldkraiburg – Ein halbes Jahr schon sind die Theater in Deutschland geschlossen.

In ernsten Zeiten sind es besonders die Komödien, die die Menschen vermissen. Diesem Verlangen kam das Haus der Kultur mit dem modernen Stück: „Ich hasse dich – heirate mich“ am letzten Sonntag im September gerne nach.

Im großen Saal waren zwischen einzelnen Stühlen immer drei Plätze gesperrt. Das Haus war um 18 Uhr ausverkauft, als das Team der „Braunschweiger Komödie im Altstadtmarkt“ das coronakonforme Stück unter der Regie von Andreas Werth zur Aufführung brachte.

Die Autoren Florian Battermann und Ian Bodinus weisen in ihrem turbulenten Stück auf die existenzbedrohenden Folgen der Ausgangssperre für freischaffende Künstler hin. Das zeigt die junge Tanzlehrerin Kerstin Schröder, Sarah Matberg, die ihren Beruf nur per Online-Training ausüben kann. Zudem hat gerade ihr Freund mit ihr Schluss gemacht. Seitdem ist sie überzeugt, dass eine Beziehung zu einem Mann nur dann lang dauern kann, wenn man sich bereits zu Beginn nicht ausstehen kann. Da dieses Gefühl der zeitweisen Abneigung in allen Beziehungen sicher irgendwann vorkommt, ist es nach ihrer Logik vernünftig, wenn dies am Anfang gelöst wird. Und dabei hilft ihr ihr neuer Nachbar Felix Schwarz, Andreas Werth, der als Sachbuchautor sein Geld verdient. Die beiden stören sich einerseits durch Tanzlärm und andererseits durch anhaltende Beschwerden. Er nennt sie Onlinedomina und Homeoffice-Tanzlehrerin, sie hält ihn für einen unfähigen Schreiberling. Und dazwischen funkt immer wieder – ungefragt und aufdringlich – die Nachbarin Helga Otto, Manon Straché.

Das Ensemble spielte in witzigen Sprüchen, flott, unterhaltsam und mit viel Charme. Allerdings scheint in diesem drei Personenstück die Rolle der neugierigen und Tratsch liebenden Nachbarin Helga der großen Schauspielerin Manon Straché auf den Leib geschrieben. Sie agiert auf der Bühne mit 100-prozentigem Einsatz.

Überzeugendals Schnüfflerin

Dabei überzeugt die große Mimin als Schnüfflerin und Ratgebende, als Besserwisserin oder auch als guruhafte Physio- und Psychotherapeutin, und erhält so doch den meisten Szenenapplaus des theaterfreudigen Publikums. Ein insgesamt herrlicher Klamauk, trefflich vorgetragen von gut aufgelegten Akteuren, verschaffte den Zuschauern die Gewissheit, auch Humor hilft, die Pandemie zu ertragen. nz

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