Christian Springer in Mettenheim: Von Krisen, Herz und Diridari

Springers Hilfe in Krisenzeiten: Toilettenpapier verschenken. Es wollte keiner. Lamprecht

Auch Christian Springer kam während seines Gastspiels im ausverkauften Kulturhof Mettenheim nicht um das Thema „Corona-Krise“ herum.

Mettenheim – „Was, so vui Leit sand do, aber ohne Mundschutz“? – Christian Springers Auftritt in Mettenheim ging kurz vor der Absage aller Veranstaltungen über die Bühne. In „Alle machen, keiner tut was!“ geht es um die wahren Werte im Leben. Als freischaffender Kabarettist hat sich auch Springer bereits Gedanken um seine Existenz gemacht und neue Ideen für etwaige Nebeneinkünfte gesponnen. „Wie wär’s mit Klopapier?“ Drei Blatt davon hat er zum Glück dabei und bietet sie justament für 15 Euro zum Verkauf an. Anscheinend besteht ja akute Nachfrage. Ein wenig erinnere das an die Zeit des Zweiten Weltkriegs, als man zum „Hamstern“ aufs Land gefahren ist, weil es in der Stadt nichts mehr zu kaufen gab.

Christian Springer poltert in Mettenheim

Wenn er auch keinen Abnehmer für das Toilettenutensil fand, die Lacher hatte der Münchner sofort auf seiner Seite, denn so ist sein Stil, so liebt ihn das Publikum: Der sympathische Typ von nebenan, der auf der Bühne scheinbar unscheinbar plaudernd, oft bayrisch polternd, Vollgas gibt und kein Blatt vor dem Mund nimmt, wenn es um kritische Themen geht. Er mischt sich ein, wenn Gerechtigkeit bedroht ist, in der Nachbarschaft, in der Politik, konkret auch in der Syrienhilfe, für die er seit neun Jahren im Einsatz ist.

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Vorwiegend bezieht sich Springer in seinem Programm auf Ministerpräsident Söders Landtagswahl-Slogan „Wer zu uns kommt, muss sich an unsere Werte halten“. Doch um welche Werte handelt es sich da eigentlich? Um gesundheitliche Werte wie Blutdruck und Cholesterin? Um den Promillewert oder Abgaswerte der Automobilindustrie? Ist vielleicht „Bavaria One“, Markus Söders Weltraumkonzept gemeint und wenn ja, wissen das auch die Außerirdischen?

Es braucht weniger Hirn als Herzensbildung

Fragen über Fragen. Unmissverständlich macht der Künstler klar, dass eine Beantwortung dieser Fragen weniger „Hirn“ als Herzensbildung voraussetze. Am Schlimmsten sei es, „wenn beides fehlt“.

„Einigkeit und Recht und ...“, jeder kennt die erste Zeile der deutschen Nationalhymne und wird wohl beipflichten, dass die „Freiheit“ unser wichtigstes Kulturgut ist. Dazu gehöre aber auch die Bereitschaft, sich für sie einzusetzen und nach außen zu zeigen.

Mettenheimer Publikum von Springer begeistert

Letztlich sei sicher: „Der höchste deutsche Wert ist der Diridari“. Trotzdem dürfe das niemanden davon abhalten, für Moral und Menschenrechte einzutreten. Damit ist klar: Springer fordert Mut und Zivilcourage, ein Appell, der seine Wirkung nicht verfehlt und die Zuschauer ins Herz trifft. Viel Applaus deshalb nicht nur für die pointenreiche Schlussparabel von der kleinen Mimose, die sich traut, ihre Ängste zu überwinden. Viel Beifall auch, weil Springer, der selbst in Krisenzeiten in der Lage ist, die richtigen Worte zu finden, zu motivieren und in bester bajuwarischer Kabarett-Manier zu unterhalten.

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