Blödsinn im Sekundentakt

Raimund RichlySiegsdorf Ich habe Blözinger im Fernsehen entdeckt und im Internet und Videos angesehen. Aber live ist es noch besser. Es ist toll, dass nicht alles zu 100 Prozent perfekt ist.
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Raimund RichlySiegsdorf Ich habe Blözinger im Fernsehen entdeckt und im Internet und Videos angesehen. Aber live ist es noch besser. Es ist toll, dass nicht alles zu 100 Prozent perfekt ist.

Mühldorf. – Zwei Menschen in mindestens zehn Rollen – das haben die rund 200 Zuschauer im Mühldorfer Haberkasten erlebt.

Das Duo Blözinger mit Roland Penzinger und Robert Blöchl hat gezeigt, dass die beiden Österreicher den deutschen Kleinkunstpreis 2019 wirklich verdient haben. Die Künstler haben sich bei ihrer Arbeit als Klinikclowns kennengelernt und wissen, wie sie Menschen rasch ein Lachen entlocken können.

Ab der ersten Minute fesseln die beiden Kabarettisten das Publikum und bringen es dabei nicht nur zum Schmunzeln. Alle Formen des Lachens durften die Zuschauer ausprobieren. Bis hin zum Grunzen, wem einmal die Luft wegbleibt. Und auch die beiden Clowns auf der Bühne haben sich davon anstecken lassen. Besonders Blöchl kamen vor Lachen – und dem Versuch, es zu unterdrücken – immer wieder einmal die Tränen.

Dabei schlüpfen die beiden Schauspieler in verschiedene Rollen. Als Freunde gehen sie im Wald spazieren, treffen auf zwei Zwerge. Dort verkaufen sie Versicherungen und stoßen auf ein Hexenhaus. Dann wieder sitzt ein Zivildienstleistender neben einem alten Menschen im Zug. Der Tod klagt außerdem sein Leid. Während zwei Senioren im Altenheim Fangen spielen: Begierig verfolgt eine alte Dame mit Hängebusen einen Mann mit Gehhilfe – im Schneckentempo. Die Asche des Vaters bringen zwei Brüder im klapperigen Auto zur letzten Ruhestätte. Auch Tante und ihr indischer Guru – er gibt Tipps zum entspannten Atmen – begleiten die beiden.

Drei Stühle dienen als Requisiten. Mittels Pantomime und Geräusche erwecken die Künstler ihre Sequenzen zum Leben. Über eine Konsole am Bühnenboden schalten sie ihren Sound ein. Schließlich wechseln die beiden in immer kürzerem Abstand ihre Rollen.

Es ist wie das Zappen durch Fernsehprogramme. Zum Schluss des Abends reihen sich die Pointen im Sekundentakt aneinander. Auch wenn sich die Geschwindigkeit des Schauspiels erhöht, sie ist stets auf das aufmerksame Publikum abgestimmt. Anstrengend wird es an diesem Abend nie.

Das Potpourri fügt sich schließlich doch noch irgendwie zusammen. Falls sich Zuschauer einen vereinenden Abschluss, ein Fazit, gewünscht haben: Lebt jetzt, genießt das Leben, denn irgendwann ist es um. Und wie das geht, hat Blözinger an diesem Abend gezeigt.

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