Großartiges Figurentheater für Erwachsene: Detlef-A. Heinichen spielte im Haus der Kultur einen packenden "Amadeus"

Beichtstuhl Black Box

Selbst eine Erkältung konnte Detlef-A. Heinichen und seine Figuren an diesem Abend nicht bremsen. Foto ha
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Selbst eine Erkältung konnte Detlef-A. Heinichen und seine Figuren an diesem Abend nicht bremsen. Foto ha

"Ihr sollt verstehen, nicht vergeben", ruft Antonio Salieri den Waldkraiburgern zu. Der Komponist will beichten, will über seine Sünden sprechen und kurz vor seinem Selbstmord loswerden, warum er Schuld an Mozarts Tod trägt. So wird die "Black Box" im Haus der Kultur für 120 Minuten zum Beichtstuhl. Und die Beichtväter und -mütter im Publikum erleben einen großartigen Abend mit einem großartigen Protagonisten: Detlef-A. Heinichen.

Der Schauspieler schlüpft dabei für das Dresdner "August das Starke Theater" nicht nur in die Rolle Salieris als Erzähler, sondern haucht zugleich den Handpuppen reichlich Leben und Charakter ein: Kaiser Joseph II. ebenso wie Nationaloperndirektor Graf Franz Orsini-Rosenberg, Baron Gottfried van Swieten ebenso wie Mozarts Frau Constanze. Szenenartig nehmen sie an der Geschichte um Salieri und Mozart teil, die in einer kalten Novembernacht 1820 ihren Anfang nimmt. Ausgangspunkt ist die Legende, dass Mozart durch seinen Rivalen Salieri vergiftet worden sei. Der britische Dramatiker Peter Shaffer hat daraus einen Zweiakter geformt, der unter der Regie von Detlef-A. Heinichen zum Ein-Mann-Stück wird.

Von der ersten Minute an gelingt Heinichen das, was das Wesen eines guten Schauspiels ausmacht. Er schafft Atmosphäre, zieht die Besucher in das Stück und lässt sie bis zum Schlussapplaus nicht mehr los. Lediglich die eingespielten Tonbandaufzeichnungen der beiden "Venticelli" (deutsch: Lüftchen) als Salieris Informationsquellen wollen nicht so ganz ins Bild passen. Trotzdem: Das Stück glänzt dank vieler schöner Ideen und eines leidenschaftlichen Schauspielers, den nicht einmal eine Erkältung bremsen konnte.

Das Nebeneinander von realer Person und den Handpuppen auf der Bühne funktioniert vor allem durch einen simplen Kniff: Heinichen schlüpft in die Ärmel der Puppen und schenkt ihnen so nicht nur Hände, sondern ein Stück Menschlichkeit - allen voran Mozart und Salieri, die - jeder für sich - gefangen sind zwischen der Liebe zur Musik und der Verzweiflung, den eigenen Ansprüchen nicht zu genügen. Man lebt, fühlt und leidet mit.

Salieri kämpft zwei Stunden lang durch Mozart gegen Gott, "der ihn so liebte" und von dem er sich ungerecht behandelt fühlt. Denn 30 Jahre nach Mozarts Tod ist die Welt begeistert von dessen Musik, Salieri selbst dagegen völlig vergessen. "Mozart ist die Flöte und Gott bläst sie ohne abzusetzen." Um an Mozarts Unsterblichkeit doch noch teilzuhaben, streut Salieri in einem letzten Racheakt das Gerücht, er habe Mozart vergiftet.

Zeitlebens litt Salieri unter dem Eindruck im Vergleich zu Mozart nur Mittelmaß zu sein. Davon war zum Auftakt der dritten Figurentheatertage in Waldkraiburg nichts zu spüren. Im Gegenteil: Salieri war große Klasse.

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