Auf Augenhöhe mit König Ludwig II.

Hauptdarsteller Sabin Tambrea stellte den neuen König-Ludwig-Film im Rosenheimer Citydome vor. Foto kraus
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Hauptdarsteller Sabin Tambrea stellte den neuen König-Ludwig-Film im Rosenheimer Citydome vor. Foto kraus

193 Zentimeter groß, grüne Augen, dunkelbraunes Haar, 1984 in Rumänien geboren, seit 2009 Mitglied am Berliner Ensemble. So steht es in der digitalen Agentur-Karteikarte Sabin Tambreas. Als Hauptdarsteller in dem neuen König Ludwig II.-Film des Regiegespanns Peter Sehr und Marie Noelle ist Tambrea erstmals in zentraler Rolle auf der Kinoleinwand zu sehen. Gedreht wurde der Streifen an Originalplätzen, nicht zuletzt auf Schloss Herrenchiemsee.

n Sie kommen vom Theater, haben mit großen Regisseuren wie Robert Wilson, Claus Peymann oder Luk Perceval gearbeitet. Wie ordnet sich König Ludwig II. in die Riege der Königsfiguren des Theaters ein?

Ich habe noch nie im Theater einen König gespielt - aber König Ludwig ist ja eine Persönlichkeit, die sich sehr theatralisch inszeniert hat, insofern war das kein so großer Weg von der Theaterbühne zum Filmset.

n Wie bereitet man sich als Theaterschauspieler auf die filmische Darstellung vor, was die Gesten, die Präsenz betrifft?

Das kommt von alleine. Man muss sich erstmal nach bestem Wissen vorbereiten, Bücher lesen, die innere Gleichung der Figur verstehen, dann kommt das ganze Drumherum von alleine. Mir war es besonders wichtig, keinen König zu spielen, sondern eine Privatperson auf Augenhöhe mit den Zuschauern. Das Königtum ist etwas, das von außen auf ihn übergestülpt wurde, das er selber erst erfüllen musste. Das Neue an diesem Film - im Vergleich auch zu Viscontis Film - ist die Übersetzung in unsere Zeit. Wir sehen einen jungen Mann auf Augenhöhe, der eigentlich die gleichen Probleme hat wie wir selbst: Eine Funktion in der Gesellschaft zu erfüllen, die vielleicht nicht im Gleichgewicht steht zu den inneren Bedürfnissen und Sehnsüchten, die man hat.

n Wäre dieser König glücklicher gewesen, wenn er nicht König gewesen wäre?

Ich glaube, auch als Privatperson hätte er sich Wünsche und Träume gesucht, die größer gewesen wäre, als er sie je hätte erreichen können.

n Wie sind ihre Wünsche und Träume?

Größer als ich sie je erreichen kann.

n Sie haben unter anderem auf Schloss Herrenchiemsee gedreht. Welche Bedeutung hatte das?

Es war unglaublich, diese Räume zu betreten. Und für mich war es absolut notwendig, um dieser Figur nahe zu kommen, zu verstehen, was war Ludwigs Vision, was konnte er umsetzen. Gerade Herrenchiemsee ist gar nicht so weit weg von einer Theaterkulisse. Man hat die Spiegelgalerie, und um die Ecke Backstein. Das ist genau so eine inszenierte Traumwelt, wie Theater manchmal ist.

n Wie sehen Sie König Ludwig II. als Politiker?

Da ist er ein Ausharrer gewesen, der mit viel Geduld und Weitsicht Zeitpunkte abgewartet hat. Bis die Zeit reif war, Entscheidungen nötig waren. In meinen Augen war er eine Künstlerseele, und nicht ganz richtig in der Rolle eines Entscheidungstreffers. Dennoch hat er einen guten Kompromiss gefunden, seine Amtshandlungen sehr gut auszuführen und dennoch die künstlerische Seite auszuleben.

n Ein Ideal?

Für mich ist das eine Traumsituation, weil die Kunst heute mehr denn je um ihr Überleben kämpfen muss, Finanzierungsmittel werden gestrichen, es wird immer wieder gefragt: Brauchen wir das? Kunst ist kein Luxusgut, sondern ein Grundbedürfnis des Menschen. Ich befinde mich seit ich denken kann in der Situation, an einem Theater zu arbeiten, in dem man immer Angst hatte, ob es wirtschaftlich die nächste Spielzeit erreicht. Kunst ist für mich ein unverzichtbarer Spiegel der Gesellschaft und der Politik, Kunst definiert das Unterbewusstsein einer Gesellschaft. Wenn man darauf verzichten will, verzichtet man auf die Identität eines Volkes, das sich früher das Volk der Dichter und Denker genannt hat. Wenn man darauf verzichtet, sind wir identitätslos und haben eigentlich keine Zukunft mehr. Und das kann kein Politiker wollen.

"Ludwig II.": zu sehen in den Kinos Mühldorf und Waldkraiburg.

Interview: Thomas Kraus

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