Kritik: Viel Bürokratie, wenig ÖPNV

Quo vadis Tourismus? Staatssekretär Stephan Mayer (links) bedankte sich bei seinem Kollegen im Bundesinnenministerium, Thomas Bareiß, für seine Vorschläge und Anregungen mit regionalen Spezialitäten. Becker

Wie geht es weiter mit dem Tourismus in der Region? Diese Frage diskutierten in der Töginger „Kantine“ rund 80 Interessierte mit dem für Tourismus zuständigen Parlamentarischen Staatssekretär im Bundesinnenministerium, Thomas Bareiß (CDU).

Töging – Zahlreiche Hotel- und Gaststättenbetreiber sowie Interessenvertretern und Bürgermeister diskutierten mit und hörten zu, um sich über die aktuellePolitik in Sachen Tourismus in Berlin zu informieren. Bareiß nannte unter anderem nachhaltigen Tourismus sowie die Senkung der Umsatzsteuer in der Gastronomie generell auf sieben Prozent. Zur Einführung erläuterte der Bundestagsabgeordnete Stephan Mayer (CSU) die Situation der Region, die nicht nur mit schöner Landschaft, sondern auch mit dem wichtigsten Wallfahrtsort im deutschsprachigen Raum punkten könne und darüber hinaus eine Vielzahl an Städten mit einer faszinierenden Geschichte habe: „Wir sind zwar ländlich strukturiert, aber keineswegs rückständig, sondern wirtschaftlich stark!“, so Mayer. +++ Tipp der Redaktion: Kennen Sie schon unseren kostenlosen Feierabend-Newsletter? Die Top-Themen der Region um 17 Uhr per E-Mail – sauber ausrecherchiert und aufgeschrieben von Ihrer OVB-Redaktion. Jetzt Newsletter ausprobieren! +++

Stephan Mayer überraschte zudem mit einem unkonventionellen Vorschlag. Um den gestiegenen Gästezahlen, die aber im Schnitt weiter nur 2,2 Nächte blieben, gerecht zu werden, schlug Mayer eine Flexibilisierung der Arbeitszeiten vor: „Man könnte die tägliche Höchstarbeitszeit durch eine Wöchentliche ersetzen, ohne dass die Arbeitnehmer mehr arbeiten müssen“, so der Innen-Staatssekretär der CSU.

Anschließend stellte sein Berliner Kollege Thomas Bareiß die Kernpunkte des Tourismusprogramms der Bundesregierung vor. Die Reisenden sollen demzufolge nicht nur die inländische Wertschöpfung erhöhen. Durch nachhaltigen Tourismus soll auch die Lebensqualität der vor Ort Lebenden gesteigert werden.

Sterben der Dorfwirtschaft stoppen

Thomas Bareiß, der selbst aus dem Schwäbischen (Wahlkreis Zollernalb-Sigmaringen) kommt, will auch das Sterben der Dorfwirtschaften beenden: „Die Politik muss mehr Freiräume ermöglichen, schließlich ist der Tourismus eine Begegnung von Menschen“. Dazu schlug er vor, dass man neben den Übernachtungen auch die Umsatzsteuer in der Gastronomie generell auf sieben Prozent senken solle; schließlich sei zu erwarten, dass die Betriebe das gesparte Geld auch gleich reinvestieren würden.

Diese Ansicht bestätigte beispielsweise der Altöttinger Hotelier Gerhard Plankl: „Mit weniger Steuerlast könnten wir unser Angebot sicherlich attraktiver gestalten“. Dies bestätigte auch Holger Nagl, der Mühldorfer Vorsitzende des Hotel- und Gaststättenverbandes, der beklagte, dass besonders im Vergleich mit dem benachbarten Österreich die Konkurrenz wegen der dort niedrigeren Branchensteuern in allen Bereichen extrem sei.

Lob erhielt Stephan Mayer von seinem Berliner Kollegen indes für das Engagement um die Vereinfachung der Hotelmeldungen: Seit gut drei Jahren können die Daten vorab bereits elektronisch erfasst werden, sodass an der Rezeption dann nur noch die Unterschrift des Gastes nötig ist.

Ohne Wirte kein Tourismus

Weniger Lob hatte der Altöttinger Vorsitzende des Hotel- und Gaststättenverbandes, dem das noch nicht weit genug geht: „Was nützt uns mehr Tourismus, wenn wir keine Wirte mehr haben?“, kritisierte Konrad Schwarz die Bürokratie, die es dem Berufsstand schwer mache. Schwarz nannte dabei besonders die neue Bonpflicht, die kleine und mittlere Betriebe durch zusätzlichen Aufwand belaste: „Die meisten Betriebe haben, anders als die großen Hotelketten, nur 5 bis 15 Mitarbeiter“.

Andrea Streiter, die Geschäftsleiterin des Tourismusverbandes Inn-Salzach, kritisierte wiederum ein fehlendes Gesamtkonzept: So mache die von Bareiß zuvor vorgeschlagene „Gästecard“ nur dann Sinn, wenn der ÖPNV, ein zentraler Bestandteil solcher Vorteilskarten, erheblich verbessert würde.

Kreishandwerksmeisterin Helga Wimmer forderte generell, dass die Mobilität insbesondere zwischen den Städten und die Verbindung zwischen den Bahnhöfen verbessert werden müsse.

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