Kriegsende aus Sicht der Klosterschwestern in Mettenheim: „Wir waren verschont von Schaden“

Fester Bestandteil in Mettenheim: Die Armen Schulschwestern. Auch sie erlebten den Einzug der Alliierten und damit das Kriegsende. Archiv
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Fester Bestandteil in Mettenheim: Die Armen Schulschwestern. Auch sie erlebten den Einzug der Alliierten und damit das Kriegsende. Archiv

Als die Amerikaner kamen: Das Kriegsende aus Sicht der Klosterschwestern in Mettenheim im Landkreis Mühldorf

Mettenheim – Am 19. Mai vor 75 Jahren schickte die damalige Oberin Sigiberta Seitz ihren Bericht ans Mutterhaus nach München. In fehlerfreier Schreibmaschinenschrift beschreibt sie die Geschehnisse um das Kloster der Armen Schulschwestern in Mettenheim zum Kriegsende.

„Laudate Dominum omnes gentes – Laudate eum omnes populi. So sprechen wir trotz aller Schrecken und Sorgen, denn wir leben alle, die Gebäude sind erhalten. Am 2. Mai hat uns ein amerikanischer Hauptmann das seit vier Jahren beschlagnahmte Kloster zurückgegeben, heute konnten wir dem lieben Gott innig danken in der ersten heiligen Messe in der Hauskapelle. Das sind in Kürze die Tatsachen, wofür wir Gott loben“, schreibt die Oberin.

Schwerer Angriff auf Mettenheim

Vorher hatten die Klosterschwestern noch viel Schrecken mitzumachen, besonders durch den Tieffliegerangriff am 26. April 1945, der fast zwei Stunden dauerte, bei dem die Flieger mit Spreng- und Splitterbomben und Bordwaffen angriffen. „Wir waren eben von der Kommunionbank weggetreten, als die Sirene heulte und sofort setzte das Feuer ein. Schwester Abilia war allein zuhause.

Die drei Schwestern von der Landwirtschaft waren im Freien, um noch drei Stück Vieh wegzubringen, eine andere war mit dem Franzosen in ein Nachbardorf gefahren, um zwei landwirtschaftliche Maschinen sicherzustellen. Und wir in der Kirche haben mit all den Anwesenden laut gebetet und gerufen – und alles ging gut ab“, berichtete Oberin Sigiberta Seitz.

Als die Klosterschwestern aus der Kirche traten, meinten sie, das ganze Dorf stehe im Feuer, so war die Luft erfüllt von Pulverdampf und Benzinrauch. „Doch hatte es nur eine Scheune gekostet. Dann folgte Alarm auf Alarm, wir kamen nicht mehr aus den Kleidern, besonders, als auf dem Flugplatz und an den Brücken die Sprengungen begannen“, schreibt sie weiter.

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Am 2. Mai 1945 um 10 Uhr fuhren die amerikanischen Panzer durch Mettenheim. Am Abend wurde der Pfarrhof beschlagnahmt. Sieben Schwestern hatten damit keine Schlafgelegenheit mehr.

Die Oberin machte sich auf die Suche, aber die Bauernhäuser waren fast alle belegt, die Leute durften ihre Häuser nicht mehr betreten. „Da nahm sich Vitzthum Anna (Frau Bubser), eine ehemalige Kandidatin, die als Dolmetscherin jetzt viel Gutes tut, um mich an. Sie sagte einem amerikanischen Hauptmann, dass die Schwestern keine Schlafgelegenheit hätten, ihr Kloster beschlagnahmt und von einer Baufirma besetzt sei“, erinnert sich die Oberin. Der Hauptmann besichtigte die Räume und sagte: „Die Schwestern können wieder einziehen, sollen wieder Kinder aufnehmen und Schule halten“.

In den nächsten Tagen kamen noch mehr Menschen dazu, darunter 18 Mädchen, die bei der Unsicherheit der Wege nicht in ihre Heimat reisen konnten. „ Somit war unserem Hause eine neue Aufgabe gegeben worden, ein Heim soll es sein für Schutzlose. Manchen Tag sind es 34 Personen, denen wir das Essen geben oder doch Lebensmittel zum Kochen.

Das Kloster wieder in Ordnung gebracht

Am 11. Mai beschlagnahmte die Armee die Möbel der Baufirma Polensky und Zöllner, die dann in die Wohnung des Generals, zum größten Teil aber in den Fliegerhorst gebracht werden mussten, wohin 15 Offiziere und der größte Teil der Soldaten zogen. Dadurch wurden die meisten Bauernhäuser frei, auch der Pfarrhof für den Pfarrer.

„Am 17. Mai konnten wir aus dem Bauernhaus Johann Schaumeier mit Erlaubnis der dort einquartierten Amerikaner den größten Teil der Möbel holen, die der Bauer für uns im April 1941 hinterstellt hatte.“ In den ersten Tagen hatte Mettenheim und die Umgebung laut der Oberin viel zu leiden unter Plünderung. „Wir selbst waren verschont vor Schaden.“

Sie schreibt weiter: „Wir haben angefangen, wieder unser Kloster in Ordnung zu bringen, das durch die vier Jahre lange Besetzung schwer gelitten hat. Einige Zimmer sind von der Baufirma in den letzten Monaten noch schön gerichtet worden. Mit neuem Mute wollen wir dann übernehmen, was der liebe Gott uns als Arbeit zugedacht hat. Eine große Sorge ist mir der Mangel an genügend vielen und gesunden Arbeitskräften.“

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