Kreisverband der Mühldorfer Jäger: Handlungsbedarf beim Biber

Die mit der Hegemedaille in Gold Geehrten mit Sebastian Linner (ab vierter von rechts), Josef Wimmer, Sascha Schnürer und Dr. Erich Loserth. rath

Der Kreisverband der Jäger traf sich noch vor der Corona-Krise zu seiner Hauptversammlung im Gasthaus Hinterecker in Ampfing. Biber, Mischwald oder Naturschutz – die Redner setzten unterschiedliche Schwerpunkte.

Ampfing – Innenstaatssekretär Stephan Mayer ging auf die dritte Novelle des Waffengesetzes ein. Neu ist, dass Nachtsichtgeräte bei der Jagd zulässig sind, sie müssen in die Waffenbesitzkarte eingetragen werden. Auch Schalldämpfer dürfen bei der Jagd verwendet werden. Mayer nahm Bezug auf die Vorfälle in Hanau, wo neun Menschen von einem Rechtsradikalen getötet worden waren. Hanau, der Angriff auf die Synagoge in Halle und der Mord an dem Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke beweisen, dass sich die Gesellschaft polarisiere, am linken und vor allem am rechten Rand sich stark verändert habe: „Rassismus, Rechtsradikalismus und Antisemitismus nehmen zu. Dieser Entwicklung müssen wir entgegentreten“, sagte Stephan Mayer. Abschließend verkündete der Staatssekretär, dass es keine Medizinisch-Psychologische Untersuchung für legale Waffenbesitzer geben werde, außer es liegen Hinweise auf Verwirrung oder psychische Störung vor.

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Bundestagsabgeordnete Sandra Bubendorfer-Licht bezeichnete die Jagd als eine der ursprünglichsten Weisen, wie der Mensch die Natur nützt. Jäger stellen eine der größten Naturschutzorganisationen dar, sie hegen, pflegen und schützen Tiere und Pflanzen. Ein zu hoher Wildbestand, gefährde den Menschen, wie immer wieder zahlreiche Wildunfälle verdeutlichen. Auch sei eine Bejagung von Wölfen unbedingt nötig, da deren Anzahl exponentiell angestiegen sei.

Hier ergänzte Dr. Erich Loserth, Vorsitzender des Jägerkreisverbands, dass dem Jäger gerne der „Schwarze Peter“ zugeschoben werde. Nagt ein Biber Bäume an oder reißt ein Wolf Schafe, ergebe sich bei der Bevölkerung sofort die Frage: „Warum hat den der Jäger nicht erschossen?“

Landtagsabgeordneter Dr. Marcel Huber sieht Handlungsbedarf beim Biber. 2007 habe es in Bayern etwa 3000 Biber gegeben, nun seien es fast 20 000. Die Gesetzgebung sei aber immer noch gleich. Der Schutzstatus müsse heruntergeschraubt werde, wichtig sei die Balance: Der Biber darf nicht aussterben, aber auch nicht überhandnehmen. Nach Hubers Ansicht müsse die Leistung der Jäger für einen intakten Naturraum mehr in den Mittelpunkt gerückt werden.

Zusammenarbeit von Jägern und Landwirten

Stellvertretender Landrat Alfred Lantenhammer brach eine Lanze für die Pflichthegeschauen, die eine positive Außenwirkung für die Jäger darstellen. Er forderte die Zusammenarbeit von Jägern und Bauern, sei diese gut, müssten sich die Behörden zurücknehmen. Alte Böcke sollten Lantenhammer zufolge nicht abgeschossen werden, sie sorgen für das Gleichgewicht im Habitat. Zum Schluss bat er die Jäger, von ihrem Recht, streunende Katzen oder wildernde Hunde abzuschießen, vorsichtig Gebrauch zu machen. „Dabei kann es heutzutage viel Ärger geben.“

Nach Meinung von Ulrich Niederschweiberer, Kreisobmann des Bauernverbandes, sitzen Jäger und Bauern im gleichen Boot. Vor allem negative Aspekte werden stark in den Fokus gerückt.

Forstdirektor Dr. Martin Kennel informierte über aktuelle Waldthemen. Der Borkenkäfer sei nach wie vor Thema, Stürme, aber auch längere Trockenheitsperioden begünstigen seine Zunahme. Für einen gesunden Mischwald seien vor allem heimische Bäume geeignet, zum Beispiel Tanne. Lärche, Kiefer oder Eiche.

Schießstand modernisiert

Klaudia Nistler vom Landratsamt dankte den Waidmännern für die Krähenbejagung, welche viel Arbeit und Zeit erfordere. Sie war über 1600 erlegte Füchse froh, sei doch die Fuchsräude ausgebrochen und somit die Population zu dezimieren gewesen.

Im Saal waren 1528 Gehörne ausgestellt, Böcke mit über 400 Gramm wurden mit einer Goldmedaille bedacht. Ab 360 Gramm gab es eine Silber- und ab 330 Gramm eine Bronzemedaille. Zusätzlich verliehen wurde eine Hegemedaille in Gold für Jäger, die in ihrem Rehwildbestand eine gute Struktur haben, hier zählt nicht Gewicht, sondern Alter. Junge, mittlere und alte Böcke sollen vorhanden sein.

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Einen letzten Punkt sprach Vorsitzender Dr. Loserth mit den Schießständen an. Der Schießstand wurde mit viel Eigeninitiative saniert und modernisiert. Der Keilerstand sei als Nächstes dran. Da er heutigem sicherheitstechnischem Standard nicht mehr entspricht, muss er rundumerneuert werden. Ein Kostenvoranschlag sieht Ausgaben in Höhe von 150 000 Euro vor. Mit Zuschüssen, Überbrückungskrediten, Eigenleistung und Spenden soll diese Aufgabe gemeistert werden. Unter diesen Voraussetzungen votierte der Kreisverband einstimmig für die Erneuerung des Keilerstands.

Ehrungen beim Kreisverband:

Hegemedaille in Gold: Michael Voglsamer (Lohkirchen III), Zacharias Freundl (Brandstätt), Sigi Harlander (Lohkirchen I), Jagdpächter Thomas Bäuml und Josef Niederleitner (Oberbergkirchen), Martin Ehling (Kraiburg-Ost) und Jagdpächter Lorenz Drexler (Zeiling).

Hundeführerehrennadel in Silber: Hans Steinberger

Jägerausbildungsnadel in Bronze: Bernhard Soier

Jagdhornbläsertreuenadel in Gold: Brigitte Kugler, Lorenz Salzeder, Johann Überacker

60 Jahre Mitgliedschaft: Georg Meindl, Georg Deißenböck

50 Jahre Mitgliedschaft: Arthur Ehling, Josef Berndl

40 Jahre Mitgliedschaft: Karl Heinz Schmieder, Johann Geisberger, Georg Pfeilstetter, Josef Eibl, Hans Baumgartner, Franz Schmied, Klaus Polifke, Anton Hagn, Josef Schnablinger, Johannes Schneider, Georg Kurzmaier, Josef Wolf, Manfred Ehm

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