Junge Wildtiere durch mehr Spaziergänger in Corona-Zeit in Gefahr

Rehkitze verstecken sich in einer Wiese. Jagdverband

Den Jägern der BJV Kreisgruppe Mühldorf ist es ein großes Anliegen darauf hinzuweisen, dass jetzt die Setz- und Brutzeit beginnt, in der viele Jungtiere in Wald und Flur geboren werden.

Mühldorf – Aktuell sind auch aufgrund der Corona-Krise sehr viele Menschen in der Natur unterwegs. Hunde sollten beim Spaziergang ohnehin angeleint sein, damit sie nicht zu fremden Personen laufen können, das schützt auch die Jungtiere. Auch Mountainbiker und Fahrradfahrer sind auf den Wegen am besten aufgehoben, um den Tiernachwuchs nicht zu gefährden. Viele Wildtiere legen ihren Nachwuchs in den Wiesen ab und die Jungtiere sind selbst noch nicht zur Flucht fähig. Gelege von Wiesenbrütern könnten ebenfalls zerstört werden. Auf keinen Fall dürfen eventuell „gefundene oder aufgestöberte“ Jungtiere, insbesondere Rehkitze, berührt oder gar mit nach Hause genommen werden.

Kitze wirken manchmal verloren

Auch wenn ein Rehkitz manchmal sehr verloren wirkt, ist die Rehmutter meist in der Nähe und wartet bis sich die Menschen wieder entfernt haben. Die kleinen Feldhasen zum Beispiel werden normalerweise nur einmal am Tag von der Hasenmutter gesäugt. Bei Unsicherheiten am besten den zuständigen Jäger informieren.

Sollten Rehkitze in einer Wiese entdeckt werden, sollte man auf jeden Fall den Grundstückseigentümer darüber informieren, denn der ist dafür verantwortlich, dass beim Mähen der Wiesen keine Tiere getötet oder verletzt werden. Für die Landwirte beginnt bald die Zeit der Wiesenmahd, auch für sie eine schwierige Zeit, so der Leiter der Jägerausbildung, Oliver Keller. Keiner möchte tote Tiere in seinem Futter haben, da dies auch für seinen Viehbestand gravierende Folgen haben könnte. Ein Landwirt ist selber dafür verantwortlich, dass beim Mähen die Jungtiere geschützt werden. Der Landwirt, der also ohne geeignete vorherige Maßnahmen beim Mähen billigend in Kauf nimmt, dass Rehkitze oder andere Tiere verletzt oder getötet werden, verstößt gegen Paragraf 17 Tierschutzgesetz und riskiert hohe Strafen.

Die Jäger der BJV Kreisgruppe Mühldorf unterstützen die Landwirte bei dieser Aufgabe soweit wie möglich gerne. Bereits im letzten Jahr hat die Kreisgruppe Mühldorf für ihre Reviere „Rehkitzretter-Sets“ angeschafft. Diese bestehen aus Blinklampen, die zusätzlich einen Ton abgeben. Die Wirksamkeit dieser Lampen ist bei richtiger Anwendung sehr gut, sie müssen jedoch eine Nacht vor dem Mähen auf den Wiesen sein. „Rehkitz-Retter-Lampen“ können auch von den Landwirten beim Revierpächter ausgeliehen werden. Neben diesen „Lampen“ gibt es noch weitere Möglichkeiten, wie den Einsatz von Drohnen oder kleinen Sirenen am Mähwerk. Auch sollten die Flächen grundsätzlich von innen nach außen gemäht werden, um den Tieren die Flucht zu ermöglichen.

Wegen der Corona-Krise ist das Wiesenabsuchen aktuell nur mit Personen die im eigenen Haushalt leben erlaubt, somit fast unmöglich, so Oliver Keller. Dem frühzeitigen Einsatz von technischen Möglichkeiten kommt in diesem Jahr eine besondere Bedeutung zu. Deshalb ist es sehr wichtig das die Landwirte und Jäger eng zusammenarbeiten, rechtzeitig Maßnahmen ergreifen, beziehungsweise die Revierpächter mindestens 24 Stunden vor der Mahd informiert werden. Bitte helfen sie alle mit, um den Tiernachwuchs zu schützen.

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