Krankenhäuser auf gesunde Füße stellen - Thomas Ewald neuer Vorstandsvorsitzende im Innklinikum

Für mehr Sicherheit: Der Klinikbetrieb in Corona-Zeiten erfordert vor allem Maßnahmen, um eine Infektion im Krankenhaus zu verhindern. Im Haus in Altötting steht der neue Vorstandsvorsitzende Thomas Ewald vor einer automatischen Fieber-Messanlage, durch die alle Mitarbeiter vor Dienstantritt gehen müssen. Seit einigen Tagen auch er als neuen Chef des Innklinikums Altötting-Mühldorf.
+
Für mehr Sicherheit: Der Klinikbetrieb in Corona-Zeiten erfordert vor allem Maßnahmen, um eine Infektion im Krankenhaus zu verhindern. Im Haus in Altötting steht der neue Vorstandsvorsitzende Thomas Ewald vor einer automatischen Fieber-Messanlage, durch die alle Mitarbeiter vor Dienstantritt gehen müssen. Seit einigen Tagen auch er als neuen Chef des Innklinikums Altötting-Mühldorf.

Das Innklinikum Altötting-Mühldorf hat einen neuen Vorstandsvorsitzenden: Thomas Ewald ist Nachfolger von Dr. Simon Machnik, der die Kliniken übergangsweise leitete. Ewald will die vier Krankenhäuser finanziell sanieren ohne radikal zu sparen. Zu einschneidenden Änderungen wird es trotzdem kommen.

Mühldorf – Mit Thomas Ewald hat das Innklinikum Altötting-Mühldorf einen neuen Vorstandsvorsitzenden. Bei seiner Vorstellung betonte er, dass er die Kreiskliniken wirtschaftlich auf gesunde Füße stellen und dabei weder das Patienten- noch das Mitarbeiterwohl aus den Augen verlieren wolle.

Behandlungsfelder ausdehnen

Ewald stellte sich damit hinter die Anliegen der Fusion vom Anfang dieses Jahres. Sie bringe Synergien, die helfen würden, die Wirtschaftlichkeit zu erhöhen. Denn: „Die wirtschaftliche Entwicklung ging in den letzten Jahren rapide bergab.“ Ziel müsse es jetzt sein Behandlungsfelder zu erweitern und bei niedergelassenen Ärzten und der Bevölkerung Vertrauen zu gewinnen, damit Patienten in den beiden Landkreisen bleiben und nicht abwandern. Synergien ergäben sich durch den Verzicht auf Doppelbesetzungen, die Zusammenführung von Abteilungen und Abteilungsleitungen.

Vier große Herausforderungen

Ewald benannte vier Herausforderungen, den Fachkräftemangel bezeichnete er die größte Aufgabe. „Das hat sich in den letzten Jahren dramatisch zugespitzt.“ Dem will Ewald durch eigene Ausbildung entgegentreten und durch Mitarbeiter, die für ihren Job werben. „Wir brauchen eine sehr gute Reputation.“

Den Zustand der Häuser bezeichnete er als gut: „Ich bin begeistert, was hier auf den Weg gebracht wurde.“ Ewald nannte die neuen OP-Säle und die neue Intensivstation in Mühldorf als „sichtbare Signale, dass es „die Landkreise ernst meinen mit dem Erhalt der Standorte“. Die weitere Verbesserung der Infrastruktur sein ebenfalls eine große Herausforderung. Nach seinen Angaben investieren die Landkreise derzeit 100 Millionen Euro in Altötting und 40 in Mühldorf.

Vier Standorte sollen stärker zusammenarbeiten

Die bessere Strukturierung des Innklinikums diene auch dem Erhalt aller vier Standorte. „Ideal wäre natürlich ein 500-Bettenhaus in Töging. Das haben wir aber nicht.“ Deshalb müsse eine gute Organisation aller vier Häusern erfolgen und der Austausch zwischen den Standorten. Es ginge dabei um organisatorische Maßnahmen zur besseren Behandlung der Patienten, für mehr Mitarbeiterzufriedenheit und zur Kostenreduzierung.

Mehr zum Thema Innklinikum:

Keine gebürtigen Mühldorfer mehr? Nun gibt es eine Entscheidung

Alle planbaren OP‘s verschoben – Inn-Klinik erleidet durch Corona-Krise starke Einbußen

Krankenhaus Mühldorf wird Behandlungszentrum für Corona-Kranke

Für die meisten Diskussionen dürften Maßnahmen sorgen, mit denen nach der Fusion die Kreiskliniken wirtschaftlich gestärkt werden sollen und deren noch einige folgen dürften. Ewald sprach bei seiner Vorstellung allerdings nur von bereits umgesetzten Maßnahmen. Dazu gehört die Verlegung der Urologie von Altötting nach Mühldorf, wo sie als Haupt- und Belegabteilung weitergeführt wird. Die Gefäßchirurgie wird dagegen nur noch in Altötting angeboten.

Die Behandlung von Herzinfarkten und Schlaganfällen sowie die Notfallversorgung sollen auch weiterhin in beiden Häusern möglich sein. Welche Abteilung in Zukunft von Zusammenbelegungen oder Umstrukturierungen betroffen sind, ließ er offen.

Das wird aus der Entbindungsstation

Ewald bekannte sich zur Entbindungsstation in Mühdorf. Der klare Plan sei es, die Abteilung gegen Ende des Jahres wieder zu eröffnen. „Da ist aber noch ein dickes Brett zu bohren“, sagte der neue Vorstandsvorsitzende. Es gehe darum, die Entbindungsstation, die wegen Personalmangels geschlossen werden musste, personell aufzustellen und die Qualität zu sichern. Er sagte zu, dass es auch künftig Entbindungsstationen in Mühldorf und Altötting geben werde. Damit solle die Regionalität gewahrt werden.

Kein strikter Sparkurs

Als Vorteil der Fusion nannte er ein abgestimmtes Medizinkonzept und eine Profilbildung der Standorte. Die Kehrseite: „Bei Fusionen entstehen immer Ängste.“ Die beträfen die Mitarbeiter aber auch die Sorge vor einem strikten Sparkurses. Ewald betonte: „An erster Stelle steht die bestmögliche Gesundheitsversorgung, nicht die Kostenreduzierung. Das wäre nicht nachhaltig.“

Stirbt das Innklinikum an Corona?

Ewald glaubt, dass das Innklinikum auch die Umsatzeinbrüche durch die Corona-Krise überstehen wird. „Wir bekommen durch die Freihaltepauschale große Unterstützung vom Staat, ohne sie wäre das Defizit enorm.“ Ein Problem stelle aber die Umwandlung der Klinik Mühldorf in ein Covid-19-Haus dar: „Das reine Coronahaus ist dort nicht abgebildet, da hoffen wir auf Nachbesserungen durch die Politik.“ Zugleich bleibe die finanzielle Belastung: „Wir haben noch nicht die Umsatzzahlen von vor Corona.“

Eine weitere Folge der Pandemie: Sehr viele Vorsorgeuntersuchungen seien nicht durchgeführt geführt worden. „Wir müssen schnellstmöglich die Normalversorgung wieder auf den Weg bringen.“

So wird man Vorstandsvorsitzender

Thomas Ewald ist 45 Jahre alt und stammt aus Traunstein. Ihm wurde der Gesundheitsbereich schon in die Wiege gelegt. „Ich stamme aus einer Medizinerfamilie“, sagte er bei seiner Vorstellung. Und: „Ich bin immer geflüchtet vor der Medizin.“ Doch schon während des Studiums der Rechts- und Wirtschaftswissenschaften wandte er sich der Gesundheitsökonomie zu. Nach dem Abschluss folgten Stationen bei den Schön-Kliniken und den Sana-Kliniken, für die er zuletzt als Regional-Geschäftsführer und sechs Häuser zuständig war.

Einarbeitungszeit seit dem Frühjahr

Nach einem Anruf der Landräte Georg Huber und Erwin Schneider kam es am 19. Dezember zu einem ersten Treffen, nur vier Tage nach dem Erstkontakt. „Das zeigte mir, dass sie wirklich Interesse haben.“ Ende Januar folgte die einstimmige Berufung durch Aufsichtsrat. „Ich habe sehr viel Erfahrungen bei privaten Trägern sammeln dürfen“, sagt Ewald über sich selbst und nennt als Beispiel den Umgang mit dem Personal. „In der Konkurrenzsituation, in der sich die Sanakliniken befanden, mussten wir ein gutes Arbeitsumfeld bieten, sonst wären die Mitarbeiter einfach eine Tür weitergezogen.“

Seit seiner Berufung arbeitete er sich während des Frühjahrs tageweise in seine neuen Aufgabe ein.

Fusion umsetzen, sagen die Landräte

Die Landkreise erwarten von Ewald vor allem dass er er die Klinikfusion durchsetzt. „Unter seiner Führung wird es gelingen, die ehemals eigenständigen Landkreiskliniken zu einem gemeinsamen Haus zusammenzuschmieden“, erklärte Mühldorfs Landrat Maximilian Heimerl.

Die Häuser des Innklinikums

Altötting 407 Betten

Mühldorf 275 Betten

Burghausen 184 Betten

Haag 120 Betten

Kommentare