ER HÄNGT DIE PFEIFE AN DEN NAGEL

Rund 8.000 Kilo Honig erzeugt: Kraiburger Imker hört nach einem halben Jahrhundert auf

Das war seine Welt: Fast ein halbes Jahrhundert hat sich Sepp Scheitzeneder um seine Völker gekümmert. Fill
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Das war seine Welt: Fast ein halbes Jahrhundert hat sich Sepp Scheitzeneder um seine Völker gekümmert. Fill
  • Hans Grundner
    vonHans Grundner
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Er war Imker aus Leidenschaft und mit Liebe zur Natur: Sepp Scheitzeneder aus der Marktgemeinde Kraiburg, der nach fast einem halben Jahrhundert als Bienenvater die Imkerpfeife an den Nagel hängt.

Kraiburg – Schon als Schulbub ging er mit seinem Opa ins Bienenhaus und half ein wenig mit. Dann, Anfang der 1970er-Jahre brachte ihn Schwager Konrad Stenger endgültig zur Imkerei. Vier Völker und ein Bienenhaus kaufte der Sepp dem Konrad ab, bald kamen weitere dazu.

1974 den ersten eigenen Honig geschleudert

„Mein ersten eigenen Honig hob i 1974 gschleudert, damals hob i schon 20 Völker ghabt“, erzählt er stolz. Bis heute hat Scheitzeneder, der als Zimmerer arbeitete, ein Glas Honig aus diesem Premierenjahr aufbewahrt. Abgefüllt wurde damals in Plastikbecher mit Glasaufschrift. Etiketten mit Angabe des Imkers, mit Abfülldatum und Mindesthaltbarkeit gab es nicht.

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Einige Jahre später kaufte sich der Sepp eine elektrische Sechs-Wabenwendeschleuder“ – für 2.050 Mark, das weiß er noch genau. „Zu dera Zeit host dei Wissen nur über Bücher und andere Imker kriang kinna, iatz schafft des Internet auf jede Frage genaue Erklärungen.“

Erstes Honigglas übersteht Hochwasser

Seit 1973 ist er Mitglied beim Deutschen Imkerbund und natürlich auch im Imkerverein Kraiburg aktiv im Vereinsleben tätig. Viele Jahre war der 79-Jährige auch als Seuchenwart im Verein beschäftigt. Als Bienenkrankheiten gab es damals nur Nosema, die Tracheenmilbe und die Faulbrut.

Erst später trat die Varroamilbe auf, und in den letzten Jahren erschwerte der Melezitose-Honig die Arbeit der Imker, da dadurch eine schnelle Kristallisierung bereits in den Waben entsteht und nicht mehr ausgeschleudert werden kann.

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Das fürchterliche Innhochwasser im Jahr 1985 in Kraiburg machte auch vor dem Haus von Sepp Scheitzeneder nicht Halt. Schnellstens musste eine große Menge Honiggläser aus dem Keller geschafft werden, um zu retten, was noch zu retten war. „Mein erstes Glas Honig blieb verschont“, freut er sich bis heute. „Es ist im Mehlsand gesteckt und mir deswegen erhalten geblieben.“

25 Jahre mit süßen Sachen auf dem Christkindlmarkt

Gern erinnert sich der Sepp auch an 25 Jahre Christkindlmarkt in Kraiburg. Im „Bienenstandl“ gab es bei ihm nur Eigenprodukte mit Honig, Met und von Hand gegossenen Kerzen in vielfacher Art.

Auf die Frage, wieviel Honig er in diesem halben Jahrhundert aktiver Imkerzeit erzeugt hat, meint er bescheiden: „Des konn i net gnau song, es warn ja auch Jahre dabei, wo es fast koan Honig gab. Brauch blos an die letzten Jahr denga, de warn net de Bessern.“ Dann überschlägt er doch noch mal und kommt auf eine riesige Menge. „8.000 Kilo wern`s scho rund.“

Im Kreisverband: fast 700 Mitglieder und über 4.000 Bienenvölker

Sepp Scheitzeneder ist noch einer vom alten Schlag. Er hat seine Leidenschaft für die Bienen entdeckt, als das Imkern noch nicht so angesagt war wie in den vergangenen Jahren, ja „fast verpönt“, wie Robert Redinger, der Vorsitzende des Kreisverbands Mühldorf-Altötting im Landesverband der Bayerischen Imker sagt.

Honig aus dem Hause Scheitzeneder: Das dunkle Glas rechts hat sogar das Inn-Hochwasser überstanden.

17 Vereine gehören dem Kreisverband an, auch der Kraiburger Verein zählt dazu – und insgesamt gut 4.000 Bienenvölker. Daneben gibt es eine zweite Organisation: den Kreisverband Bayerischer Bienenzüchter Mühldorf-Altötting mit elf Vereinen.

Sepp Scheitzeneder gehört also zu jenen, die das Imkern, das viel Zeit und Arbeit kostet, hochgehalten haben, bis es mit der Diskussion ums Artensterben richtig modern wurde. Auch im Kreisverband sei da die Mitgliederzahl deutlich nach oben gegangen, weiß Robert Redinger, fast 700 sind es mittlerweile.

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Allerdings glaubt er, dass der Zenit erreicht ist. Wer meint, er müsse sich nur ein Bienenvolk in den Garten stellen, ist schief gewickelt. „Da ist man ganz schön eingespannt. Das verträgt sich nicht immer mit den beruflichen Verpflichtungen.“ Redinger freut sich drüber, dass Kinder mit Bienen „sofort zu begeistern sind“ und auch Familien das Imkern für sich entdeckt haben.

Auffällig ist aus seiner Sicht, dass mittlerweile mehr Frauen als Männer die Kurse mitmachen. Auf etwa 30 Prozent schätzt er den Frauenanteil an den Mitgliedern schon.

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