Kraftwerk Töging: Neues Kapitel nach 100 Jahren aufgeschlagen

Gemeinsam mit dem bayerischen Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (FW, Mitte) griffen bei der Grundsteinlegung zur Kelle: Jettenbachs Bürgermeisterin Maria Maier (von links), Ministerialdirektor Dr. Rüdiger Detsch aus dem bayerischen Umweltministerium, Altöttings Landrat Erwin Schneider (CSU), Wolfgang Anzengruber, Vorstandsvorsitzende der Verbund AG, Verbund-Geschäftsführer „Wasserkraft“ Michael Amerer, Mühldorfs Landrat Georg Huber (CSU), technischer Gschäftsführer Verbund-Wasserkraft Karl-Heinz Gruber und Tögings Bürgermeister Dr. Tobias Windhorst (CSU). becker

Die Arbeiten für die Erneuerung des Inn-Kraftwerks Jettenbach-Töging laufen bereits seit geraumer Zeit, jetzt war die Grundsteinlegung. Bei einem Festakt warb Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (FW) für die Wasserkraft als erneuerbare Enerige. Ein wichtiger Pfeiler bei der Energiewende.

Töging – Am Freitagabend hatte der Verbund in Töging zur Grundsteinlegung des Kraftwerks nach Töging geladen. Zwar haben die vorbereitenden Arbeiten am Stauwehr in Jettenbach, Innkanal sowie dem neuen Kraftwerk in Töging längst begonnen, doch nun gab der bayerische Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (FW) den offiziellen Startschuss für das 250 Millionen Euro teure Projekt.

Dabei dankte er dem Verbund für die Investitionen in den Kanal, der „auf den Tag genau“ vor 100 Jahren errichtet wurde. Außerdem lobte Aiwanger die gute Zusammenarbeit mit dem österreichischen Konzern: Der Freistaat plant mit den Wasserkraft-Spezialisten auch weitere Projekte in der Region.

Wasserspiegel steigt um 70 Zentimeter

Vor 100 Jahren begannen die Arbeiten an der seinerzeit größten Baustelle Europas. Bis zu 7000 Menschen arbeiteten auf dem Bau, weshalb Tögings Bürgermeister Dr. Tobias Windhorst feststellte: „Töging hat die Wasserkraft in der DNA.“ Schließlich ließen sich viele der Bauarbeiter nach der Fertigstellung der Anlagen im Jahr 1923 in Töging nieder und arbeiteten anschließend in der Aluminiumhütte, die in den 1990er Jahren geschlossen werden musste.

Mühldorfs Landrat Georg Huber (CSU) wünschte dem Projekt „viel Erfolg, hoffentlich keinen Unfall und dass alle Erwartungen erfüllt werden“. Denn auch wenn das Kraftwerk selbst im Nachbarlandkreis Altötting liegt, ist das Mühldorfer Amt mit dem Großteil der Genehmigungsverfahren rund um die Staustufe in Jettenbach und den knapp 23 Kilometer langen Kanal beschäftigt. „Wir konnten den Bürgern und Anwohnern die Ängste nehmen“, erklärte der Landrat den Festgästen.

Nach der Fertigstellung wird der Wasserspiegel im Kanal im Schnitt um 70 Zentimeter höher sein und auch die Fließgeschwindigkeit soll verbessert werden. Nach den aktuellen Planungen wird die Effizienz der Anlage von 85 Megawatt auf mindestens 118 Megawatt gesteigert.

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In seiner Festrede warb der bayerische Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger für die Wasserkraft als Alternative. Schließlich sei neben dem Atomausstieg auch irgendwann der Kohleausstieg zu bewältigen und gerade in Bayern sei die Wasserkraft das Mittel der Wahl. Schon heute könne der Freistaat rund 40 Prozent des Bedarfs durch erneuerbare Energien decken.

Unverständnis zeigte Aiwanger daher beispielsweise für den Widerstand von Anwohnern und Umweltaktivisten an der unteren Salzach, wo der Freistaat zunächst mehrere Kraftwerke plante, wovon momentan noch eines bei Laufen projektiert ist: „Wir dürfen nicht alle Alternativen wegdiskutieren.“ Er rief gleichzeitig regionale Investoren dazu auf, auch die Windkraft in der Region weiter voranzutreiben und genauso wenig den Wasserstoff als Speichertechnologie für Überkapazitäten zu vergessen. „Schachtkraftwerke sind absolut nachhaltig“, betonte Aiwanger in Richtung der Wasserkraftgegner.

Die Technologie sei entwickelt worden, um beispielsweise Fischen ihren natürlichen Lebensraum zu erhalten. Der Wirtschaftsminister sagte auch, dass „künftig die bessere Vernetzung eine intelligente Steuerungstechnik ermöglichen kann“, und so effizienter geregelt werden könne, welcher Speicher zugeschaltet oder welches Wehr geöffnet wird. Deshalb dürfe man auch keinesfalls im Dialog um erneuerbare Energien den Wasserstoff als Energiespeicher vergessen, der bei Bedarf wieder in Strom gewandelt werden könne.

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Als Vertreter des Umweltministeriums bestätigte Ministerialdirektor Dr. Rüdiger Detsch, dass es keinen Dualismus zwischen der Ökologie und der Wasserkraft gebe.

Michael Amerer vom Verbund hingegen brachte eine bessere regionale Beteiligung, beispielsweise der Landkreise, ins Gespräch. „Wir wollen hier nach 100 Jahren ein neues Kapitel aufschlagen“, sagte der Geschäftsführer der Verbund Hydro Power GmbH.

Mehr regionale Investoren gewünscht

Diesen Gedanken begrüßte auch Altöttings Landrat Erwin Schneider, der bedauerte, dass vor zehn Jahren, als der Verbund als Investor des Kraftwerks eingesprungen war, die regionalen Geldgeber mit der Sub-Prime-Krise beschäftigt gewesen seien. „Damals verkaufte sich das Kraftwerk wie sauer Bier“, erinnerte sich Schneider, der sich auch mehr regionale Investoren für die nachhaltige Stromerzeugung wünscht.

Schneider hob hervor, dass der Nachbarlandkreis schon jetzt mit den 54 bestehenden Wasserkraftanlagen sehr gut aufgestellt sei und rund 26 Prozent des Strombedarfs selbst decken könne. Er dankte dem Verbund für das Engagement um das Kanalkraftwerk, womit der Anteil Tögings an der erzeugten Wasserkraft-Energie im Landkreis Altötting auf mehr als die Hälfte stiege. „Den Stomverbrauch der Industrie weggerechnet, könnte man dann alleine aus Töging sieben Landkreise versorgen!“, lobte Landrat Schneider das gewaltige Projekt.

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