Kommunalwahl 2020

"Königsmorde" in den CSU-Ortsverbänden: Auch in Polling gibt's keinen Rückhalt mehr

Die 16 Kandidaten der CSU-Liste (stehend von links): Ernst Weinberger, Oswald Brandstetter, Hans Schranner, Martin Unterforsthuber, Raimund Kühnl, Alfred Wagner, Thomas Jobst, Markus Frey, Andreas Gallhauser, Sebastian Feser, Manfred Thaler. Sitzend von links: Reinhard Oberstarr, Andrea Steinleitner-Kulhanek, Bürgermeisterkandidat Stefan Mooshuber, Barbara Fuchshuber und Andreas Maierhofer.

Paukenschlag bei der Nominierungsversammlung in Polling: Die CSU lässt Bürgermeister Lorenz Kronberger fallen. Und er ist nicht der erste Bürgermeister im Landkreis Mühldorf, dem sein Verband das Vertrauen entzogen hat...

Polling - Pollings Bürgermeister Lorenz Kronberger hat keinen Rückhalt mehr in der CSU. Bei der Nominierungsversammlung des Bürgermeisterkandidaten durch die beiden Ortsverbände Flossing und Polling sprachen sich die Christsozialen beider Ortsverbände mehrheitlich für Stefan Mooshuber aus. Mit 61:36 Stimmen war Kronberger unterlegen. 

Er ist nicht der erste Bürgermeister im Landkreis Mühldorf, dem seine Partei kein Vertrauen mehr schenkt.Auch in Buchbach will der CSU-Ortsverband nicht mit dem amtierenden Bürgermeister Thomas Einwang in die Kommunalwahl 2020 – das sogar ohne Alternative.

Ebenso in Zangberg: Die amtierende Bürgermeisterin Irmgard Wagner hatte sich dazu bereit erklärt, für eine weitere Legislaturperiode zu kandidieren – als alleinige Kandidatin.Jedoch verweigerte auch hier der Ortsverband seine Zustimmung.

Als Gründe führten die CSU-Ortsverbände in allen drei Fällen an, dass sie unzufrieden mit der Arbeit ihrer bisherigen Bürgermeister sind. 

In diesem Zusammenhang interessant: Nach sechs ehrenamtlichen Jahren soll Pollings Bürgermeister ab Mai 2020 doppelt so viel verdienen wie bisher. Ein finanzielles Plus, auf das Kronberger verzichtet hätte.

Kampfabstimmung verloren

Unter erwartet großer Beteiligung fand nun am Mittwochabend, 20. 11., die gemeinsame Nominierungsversammlung der CSU-Ortsverbände Flossing und Polling statt. 

Mit dem amtierenden Bürgermeister Lorenz Kronberger und seinem Herausforderer Stefan Mooshuber bewarben sich zwei Mitglieder des Ortsverbandes Flossing um die Nominierung als Bürgermeisterkandidat für die Kommunalwahl 2020. Bereits im Vorfeld hatte sich der Ortsverband Flossing in nichtöffentlicher Versammlung für den Kandidaten Mooshuber entschieden, nichtsdestotrotz hielt Lorenz Kronberger an seiner Kandidatur fest und stellte sich auf der gemeinsamen Versammlung einer Kampfabstimmung, in der er mit 36 zu 61 Stimmen unterlag. 

Ihr ging es ähnlich wie Kronberger: Irmgard Wagner möchte gerne als Zangberger Bürgermeisterin weitermachen. Doch die CSU sprach sich gegen die Amtsinhaberin aus.

Kronberger gratulierte in fairer Geste seinem Konkurrenten und bedankte sich bei denjenigen, die für ihn votiert hatten, verbunden mit dem Hinweis: „Wir sehen uns wieder“. Infolge dieser Niederlage zog Kronberger aber auch seine Kandidatur auf der Gemeinderatsliste zurück.

Darauf vorbereitet, erstellten die beiden Schriftführer Franz Schiller und Sebastian Graf eine neue Liste mit 16 Kandidaten, die bei der anschließenden Wahl die Zustimmung der 99 stimmberechtigten Mitglieder fand. 69 stimmten für die vorgeschlagene Aufstellung, 28 nahmen Streichungen vor, zwei sprachen sich gegen die Liste aus. 

Kritik am "harten Stil" des Vorgängers . 

Im Vorfeld der Abstimmung gab Wahlleiterin Christa Obermeier von der Kreisgeschäftsstelle der CSU den beiden Bewerbern um die Nominierung als Bürgermeisterkandidat, die Möglichkeit, sich der Versammlung vorzustellen und um die Stimmen der Mitglieder zu werben. Den Zeitrahmen setzte sie mit zehn Minuten bis maximal eine Viertelstunde fest, der jeweilige Herausforderer musste dabei den Saal verlassen. 

Per Losentscheid wurde Stefan Mooshuber die erste Vorstellung zuteil. Stefan Mooshuber ist Schreinermeister, Techniker und Betriebswirt, 42 Jahre alt, verheiratet, hat drei Kinder und leitet gemeinsam mit seinem Vater einen eigenen Betrieb. Er trat 1998 der Jungen Union bei, ist seit 2014 im Kreistag und sowohl im Kreis- als auch im Ortsvorstand der CSU. In erster Linie sei es die harte Gangart Kronbergers in der Führung und im Gemeinderat gewesen, die ihn zur Kandidatur bewegt hätten, so Mooshuber. Der harte Stil habe Konflikte nicht eingedämmt, sondern angefacht. Gegipfelt habe dies im Streit um die Kinderkrippe, der den Graben zwischen Flossing und Polling aufgerissen habe: „Dieser Stil muss sich radikal ändern. In der Fußballsprache ausgedrückt, muss hier ein Trainerwechsel her“, sagte Mooshuber.

Er wolle hier, wenn er gewählt werde, als Vermittler fungieren, die beiden Orte wieder zusammenführen und die Bürger mit einbinden. Sein Augenmerk gelte unter anderem der Straßensanierung im Gemeindegebiet, der Erstellung eines Konzeptes zur Ortsumfahrung Polling, der dafür notwendigen Kommunikation mit Mühldorf, der Investition in Energie und Umwelt, Gewerbeansiedlungen und der Stärkung des Ehrenamtes, in Flossing dem gesellschaftlichen Leben wieder eine Gastwirtschaft zu bieten und Wohnprojekte für Senioren, wie es Unterneukirchen vorgemacht habe, zu schaffen. 

Speziell im Bausektor könne er zudem seine fachliche Kompetenz einbringen. 

Amtierender Bürgermeister: Gegenkandidatur wurde kurzfristig bekannt gegeben

Lorenz Kronberger ist amtierender, ehrenamtlicher Bürgermeister, 52 Jahre alt, verheiratet, hat drei Kinder, ist Landwirt und seit 24 Jahren in der Kommunalpolitik aktiv. 

Im Jahr 2014 war Lorenz Kronberger als Bürgermeister der Gemeinde Polling vereidigt. Bei der Kommunalwahl 2020 verweigerte ihm die CSU Flossing die erneute Gefolgschaft und sprach sich für Stefan Mooshuber als ihren Bürgermeisterkandidaten aus.

In seiner Wahlrede zeigte sich Kronberger enttäuscht über die Abläufe, die zur Kampfabstimmung geführt hatten: „Wenn mir vorgeworfen wird, ich sei zu hart, dann kann ich nur sagen: Wenn Kampagnen, wie auch in Buchbach oder Zangberg ins Leben gerufen werden und eine von langer Hand geplante Gegenkandidatur kurzfristig bekannt gegeben wird, es dann schnell gehen muss, zehn Minuten Redezeit und dann die Abstimmung – das ist mir zu hart!“. 

Ähnlich hatte kürzlich Buchbachs Bürgermeister Thomas Einwang auf den fehlenden Rückhalt seines Ortsverbands reagiert: "Mit mir hat vorher niemand gesprochen“, sagte er.

Die geschasste Bürgermeisterin von Zangberg, Irmgard Wagner, hatte immerhin vor dem Ende des Parteirückhalts gewusst, dass es Unstimmigkeiten gegeben hatte. Das Ergebnis in dieser Deutlichkeit habe sie dann doch getroffen. Und: „Ich bedaure es sehr, dass 14 Zangberger den übrigen über 800 Gemeindebürgern die Möglichkeit genommen haben, sich für mich oder gegen mich zu entscheiden.“

Kronberger verwies darauf, dass in den letzten sechs Jahren viel erreicht worden sei, er keine Fehler gemacht und sich stets rechtlich und inhaltlich weitergebildet habe: „Auch wenn man noch so sucht, mir kann man nix ans Zeug flicken!“ Beispiele für sein gerechtes Handeln gebe es viele, Korruption und Spezlwirtschaft habe es nie gegeben und werde es mit ihm auch nie geben. Auch wenn CSU-Mitglieder von ihm verlangt hätten, Ausgleichsflächen unter der Hand an sie zu verpachten oder Hofzufahrten auf Kosten der Gemeinde zu erstellen: „Mit mir nicht!“ 

Überraschung auch in Buchbach: Bürgermeister Thomas Einwang (Zweiter von links) hat erst vor wenigen Tagen die Auszeichnung „Heimatdorf 2019“ aus den Händen von Regierungspräsidentin Maria Els, Heimatminister Albert Füracker und Bezirksheimatpfleger Dr. Norbert Göttler erhalten. Jetzt muss er darum bangen, im nächsten Jahr wiedergewählt zu werden: Auch sein Ortsverband, CSU Buchbach, verweigert ihm in Bezug auf die Kommunalwahl 2020 die Gefolgschaft. 

"Ob mit der CSU oder ohne!" 

Er will weiterhin zum Wohle der Gemeinde handeln und das, was man angepackt habe, weiterführen. Zum Schluss kündigte er an: „Ich werde mich auf alle Fälle bei der Kommunalwahl 2020 der Wahl zum Bürgermeister stellen – ob mit der CSU oder ohne! 

Die Kandidaten der CSU-Ortsverbände Polling und Flossing

1. Stefan Mooshuber, 42 Jahre, Schreinermeister; 

2. Andrea Steinleitner-Kulhanek, 39 Jahre, Design- und Produktmanagerin Textil;

3. Barbara Fuchshuber, 37, Steuerfachangestellte; 

4. Andreas Maierhofer, 59 Jahre, Landwirtschaftsmeister; 

5. Reinhard Oberstarr, 46 Jahre, Leiter Produktkonstruktion; 

6. Alfred Wagner, 45 Jahre, Lebensmittelkontrolleur; 

7. Andreas Gallhauser, 30 Jahre, Landmaschinenmechaniker-Meister;

8. Oswald Brandstetter, 47 Jahre, Landwirt; 

9. Martin Unterforsthuber, 38 Jahre, Schreiner; 

10. Thomas Jobst, 39 Jahre, Ingenieur Produktionstechnik; 

11. Manfred Thaler, 44 Jahre, Unternehmer Maschinenbau; 

12. Hans Schranner, 50 Jahre, Steuerberater und Wirtschaftsprüfer; 

13. Sebastian Feser, 31 Jahre, Agraringenieur; 

14. Raimund Kühnl, 42 Jahre, Schreiner; 

15. Ernst Weinberger, 53 Jahre, Geschäftsstellenleiter Verwaltung; 

16. Markus Frey, 31 Jahre, Ingenieur.

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