Klassenzimmer Lüften

Mühldorfer Schulen fürchten wegen Corona-Maßnahmen zusätzliche Erkältungswelle

Lüften ist in Corona-Zeiten auch in der Schule angesagt. Doch damit kommt die Kälte. Foto dpa/Picture Alliance
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Lüften ist in Corona-Zeiten auch in der Schule angesagt. Doch damit kommt die Kälte. Foto dpa/Picture Alliance
  • Harald Schwarz
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Lüften ist in Corona-Zeiten auch in den Schulen im Landkreis Mühldorf angesagt. Doch damit kommt die Kälte. Lehrer und Schüler sind aber optimistisch, mit warmen Jacken oder Decken durch den Winter zu kommen. Das ist nämlich allemal besser, als wieder zu Hause zu sitzen.

Mühldorf – Lüften, lüften, lüften. Das ist derzeit oberstes Gebot in den Schulen des Landkreises. Regelmäßiges Lüften trage zum Infektionsschutz bei, da die Aerosole durch die Fenster hinausgelüftet würden. Die Sache hat aber auch einen Haken: Durch die kalte Luft, die beim Lüften in die Klassenzimmer strömt, steigt auch die Erkältungsgefahr bei Schülern und Lehrern. Wird so eine Erkältungswelle herbeigelüftet?

Doch eine wirkliche Alternative zum Lüften gibt es derzeit nicht. Und deshalb wird es auch in allen Schulen praktiziert. So verweist Martin Wiedenmannott, Schulleiter der Grundschule Mühldorf-Altmühldorf darauf, dass sie vom Kultusministerium angehalten sind, nach jeder Unterrichtsstunde fünf Minuten zu lüften.

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Bisher gute Erfahrungen gemacht

Dabei ist er froh, dass sie die Fenster auch öffnen können. Zudem seien in den Klassenzimmern derzeit noch die Fenster grundsätzlich gekippt. „Damit haben wir bisher gute Erfahrungen gemacht“, so Wiedemannott. Ein Wermutstropfen sei allerdings das Lärmproblem durch die benachbarte Innstraße.

Angela Wimmer (63) Neumarkt-St. Veit Schulleiterin „Wir gehen zuversichtlich in den kommenden Corona-Winter. Wir werden etwa zweimal pro Stunde „Stoßlüften“, von gekippten Fenstern im Klassenzimmer halte ich nicht viel. Freilich werden Verzögerungen wegen der Hygienevorschriften auftreten, aber das haben meine Lehrer jetzt schon ganz gut im Griff. In einem Elternbrief habe ich auf alle notwendigen Maßnahmen hingewiesen, damit der Unterricht gut laufen kann.“

In der Grundschule hätten sie aber auch den Vorteil, dass sie „viele Bewegungspausen machen“. Dadurch werde auch verhindert, dass die Kinder zu frieren beginnen. Eine Reaktion von Eltern habe er bisher noch nicht bekommen.

Wie schaut es aber aus, wenn die Temperaturen weiter sinken? „Das wird eine Herausforderung“, weiß Fabian Reiß, Lehrer an der Grundschule Obertaufkirchen, schon jetzt. Momentan geht es noch, doch er stellt sich darauf ein, dass sich die Schüler in den Klassenzimmern „im Winter wärmer kleiden müssen“. Zudem baut er auf die Sonne, da die Fenster der Obertaufkirchener Grundschule nach Süden zeigen und so die Klassenzimmer immer wieder aufgeheizt werden; wenn die Sonne scheint.

Wolfgang Grübl (37) Neumarkt-St. Veit Hausmeister „Die Hygienemaßnahmen werden von nahezu allen Schülern gewissenhaft beachtet. Die Abstände in den Pausen und beim Ein- und Aussteigen in den Bus sind nicht leicht einzuhalten, aber alle Schüler tragen da Masken. Das Schulhaus werde ich auch diesen Winter über beheizen können, denn gelüftet wurde in dieser Schule schon immer gut. Wenn sich alle an die Regeln halten, kommen wir gut durch den Winter.“

Einverständnis der Eltern eingeholt

Christian Hofer, Schulleiter in Obertaufkirchen ergänzt, dass man sich das Einverständnis der Eltern geholt habe, dass die Schüler auch mit ihren Jacken im Unterricht sitzen dürfen. Es spreche aus seiner Sicht auch nichts dagegen, wenn die Schüler die Kapuze ihres Kapuzenshirts aufsetzen, wenn nach der Unterrichtsstunde das obligatorische Durchlüften angesagt sei. Da werden dann auch die Türen der Klassenzimmer geöffnet, sodass sich „eine gute Querlüftung ergibt“, so Hofer.

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Kein Thema sind für ihn die Luftreinigungsgeräte, für die Kultusminister Michael Piazolo Fördermittel versprochen hat. Die Förderrichtlinien des Ministeriums liegen aber noch nicht vor. Diese mobilen Luftreinigungsgeräte mit Filterfunktion werden zudem nur für Räume gefördert, die nicht ausreichend durch gezieltes Fenster öffnen oder eine raumlufttechnische Anlage gelüftet werden können. Da ist weiterhin das Lüften erste Wahl.

Realschule lüftet häufiger

So sieht es auch Werner Groß, Rektor der Waldkraiburger Realschule. „Wir können Gott sei dank überall die Fenster öffnen“. In der Realschule wurde festgelegt, dass nicht erst nach 45 Minuten, sondern bereits nach 35 Minuten durchgelüftet wird. Damit sei gewährleistet, dass das Lüften beim Lehrerwechsel nicht vergessen wird, so Groß. Zudem habe man allen Schülern freigestellt, dass sie ihre Jacken anziehen und Mützen aufsetzen können. „Eine andere Möglichkeit sehe ich zur Zeit nicht“, so Werner Groß. Er hat bisher nur ein paar Anrufe von El-tern bekommen, dass sich ihr Kind erkältet hat. „Die Mehrheit der Eltern wünscht sich sogar, dass wir mehr lüften“.

Isabell Herdt (14) Neumarkt-St. Veit Schülersprecherin „Wir sitzen schon jetzt in wärmerer Kleidung im Klassenzimmer. Die Lehrer erlauben uns sogar, notfalls Decken mitzubringen. Also werden wir auch den Winter überstehen. Allmählich gewöhnen wir uns an den Zustand. Unsere Lehrer achten auf das Einhalten der Regeln, und wenn alle Schüler mitmachen, werden wir den Winter gut überstehen. Der Unterricht in der Klasse ist uns lieber als homeschooling.“

Manche hüllen sich in Decken

Nicht ganz so glücklich über die aktuelle Situation ist Martina Hüttner, Elternbeiratsvorsitzende an der Mittelschule in Neumarkt-St. Veit. Ihr Sohn erzählt ihr, dass manche in der Parallelklasse bereits mit Decken im Klassenzimmer sitzen. Er selbst sei froh, dass er nicht am Fenster sitzt. Martina Hüttner sieht die Notwendigkeit des Lüftens schon, doch fragt sie sich, wie es weitergehen soll, wenn mehrere Schüler und Lehrer erkranken. Zwar nicht an Corona, aber sich eine Erkältung holen. Zudem beobachtet sie, dass die Schule „natürlich ordentlich einheizt und auf der anderen Seite ständig lüftet“. Etwas, was weder ökologisch noch ökonomisch sinnvoll ist.

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