Kluger-Prokutec aus Mühldorf steigt in die Labortechnik für Schweizer Milchlabor ein

Noch im Probelauf: Die Techniker Werner Filser und Florian Fiebiger zusammen mit Poduktentwickler Josef Kluger und Geschäftsführer Christoph König an der großen Verteilmaschine, die demnächst zur Milchanalyse in die Schweiz geht.
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Noch im Probelauf: Die Techniker Werner Filser und Florian Fiebiger zusammen mit Poduktentwickler Josef Kluger und Geschäftsführer Christoph König an der großen Verteilmaschine, die demnächst zur Milchanalyse in die Schweiz geht.
  • Markus Honervogt
    vonMarkus Honervogt
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Der Mühldorfer Sondermaschinenbauer Kluger-Prokutec entwickelt und baut eine automatisierte Verteilanlage für ein Schweizer Milchlabor. Die komplexe Aufgabe soll den Einstieg in ein neues Geschäftsfeld ermöglichen.

Mühldorf – Mit einem selbstentwickelten Produkt will sich der Mühldorfer Sondermaschinenbauer Kluger-Prokutec ein neues Geschäftsfeld erschließen. Die selbstentwickelte Maschine soll den Einstieg in die Labortechnik bringen. Gebaut hat Kluger-Prokutec die Maschine für ein Schweizer Unternehmen, dass Milch prüft.

Hohe Anforderung an die Verteilmaschine

Eine Million Euro kostet der Automat, der computergesteuert dafür sorgen muss, dass bis zu 4000 Milchproben pro Stunde auf acht Labormaschinen verteilt werden. „Wir mussten die gesamte Prüfanlage automatisiert verketten“, beschreibt Produktentwickler Josef Kluger die besondere Herausforderung des Auftrags. Das heißt: Vom Depotschank aus verteilt der Automat die kleinen Plastikbehälter mit den Milchproben zu den anschließenden Laborgeräten.

Schwieriger Umgang mit Flüssigkeit

Ein Besuch in der Werkhalle im Mühldorfer Industriegebiet zeigt, welche Herausforderungen zu bewältigen waren. Die Techniker Werner Filser und Florian Fiebiger sitzen über zwei Laptops gebeugt hinter der Maschine, die in rasender Geschwindigkeit im Probebetrieb arbeitet.

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Roboterarme greifen unablässig kleine Plastikbehälter, die mit Wasser statt Milch gefüllt sind, drehen sie, bis oben auch tatsächlich oben ist. Unter Stroboskopblitzen liest ein Scanner Barcodes, ein Chip überträgt Informationen über das Probenziel. Fließbänder führen unablässig neu Behälter zu, bis die ganze Maschine stehen bleibt. Eine Probe hat sich verkantet, Fiebinger muss mit der Hand nachhelfen, Filser überprüft auf seinem Laptop die Programmierung.

Module machen Verteilmaschine bei Störungen unabhängiger

Hohe Automatisierung, der Umgang mir Flüssigkeit, der große Durchsatz, die mehrfache Zuordnung der Proben zu unterschiedlichen Tests: Eine solche Verteilmaschine ist hohen Belastungen ausgesetzt. „Jeder Fall muss risikotechnisch abgedeckt sein“, sagt Kluger. Deshalb besteht die Maschine aus verschiedenen Modulen, die bei Störungen unabhängig voneinander laufen oder mit der Hand betrieben werden können.

Komplett in Mühldorf entwickelt und gebaut

Fast alle Teile der Maschine sind in Mühldorf konstruiert und gebaut worden, nur wenig hat Kluger-Prokutek zugekauft, wie Geschäftsführer Christoph König schildert. „Durch hohe Fertigungstiere wollen wir Komplettlösungen liefern“ sagt er. Das gilt für die Elektronik genauso wie für die Robotertechnik. „Dann hat der Kunde nur einen Ansprechpartner, wenn es Probleme gibt.“

Anlage als Muster für weiter Aufträge

Diese Anlage sei nicht nur im Laborbereich einsetzbar, sondern in vielen anderen automatisierten Betrieben. „Dafür müssen wir bekannt werden“, sagt König.

Seit Januar gehört der Sondermaschinenbauer Kluger zum Rosenheimer Unternehmen Prokutec und trägt seitdem beide Namen. 27 Mitarbeiter sind in Mühldorf beschäftigt, ausschließlich Fachkräfte, die Hälfte ist als Meister, Techniker oder Ingenieur qualifiziert. Josef Kluger (64) ist Gründer des Sondermaschinenbauers und weiterhin als Produktentwickler tätig.

Automatisierungstechnik als Weg in die Produktionszukunft

Automatisierungstechnik ist dadurch gekennzeichnet, dass man künstliche Mittel einsetzt, um einen Prozess ohne menschliches Eingreifen selbstständig ablaufen zu lassen. So definiert das Institut für Integrierte Produktion Hannover (IPH), ein Ableger der Universität Hannover Automatisierung.

Automatisierung ist laut IPH keine neue Erfindung, sondern begann mit der Mechanisierung der Arbeit im 19. Jahrhundert. Seit Anfang des letzten Jahrhunderts rückte der Gebrauch von Elektrizität und der Elektronik in den Vordergrund. Heute, in der dritten Phase, rückt zunehmend die Rechen- und Informationstechnik in den Mittelpunkt, die eine Digitalisierung des Produktentstehungs- und Produktionsprozesses bewirkt.

Auf dem Weg zur Industrie 4.0

Der Begriff „Industrie 4.0“ gilt als vierte Phase und Entwicklung hin zu cyber-physischen Systemen in einer automatisierten und digitalisierten Industrie. Damit ist keine klassische Fabrikautomatisierung gemeint, die die Massenfertigung gleichartiger Produkte erlaubt, sondern eine selbstorganisierte Produktion, in der intelligente und (teil-)autonome Größen interagieren und die Vorzüge der Großserienproduktion mit der Herstellung stark individualisierter Produkte verbindet.

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