Klöckners Verordnung fürs Gassigehen: Nicht nötig, zu wenig, Anmaßung einer Diktatur

Der Hundeausführer: Fred Frankl holt gerade die Labradorhündin Paula bei Freunden zum Spaziergang ab. Er kann sich sogar härter Vorschriften vorstellen.
+
Der Hundeausführer: Fred Frankl holt gerade die Labradorhündin Paula bei Freunden zum Spaziergang ab. Er kann sich sogar härter Vorschriften vorstellen.

Eine Vorschrift fürs Gassigehen: Die Reaktionen von Hundebesitzern aus Neumarkt-St. Veit fallen sehr unterschiedlich aus, wenn es um den neuesten Vorschlag von Bundesagrarministerin Julia Klöckner geht. Sie will Hundebesitzern vorschreiben, zweimal täglich mindestens zwei Stunden lang gassizugehen. Die meisten finden das nicht nötig, ein Hundebesitzer geht sogar noch weiter.

Neumarkt-St. Veit – Die meisten Neumarkter- Frauchen und Herrchen sind sich sicher: Sie gehen auch ohne Verordnung von Julia Klöckner genügend spazieren. Aber sie wissen auch, dass es Hundehalter gibt, die ihren vierbeinigen Freund morgens nur eine Zigarettenlänge läng in das unbebaute Nachbargrundstück führen, wo sie hoffen, dass er „sein Geschäft“ verrichtet. Abends in der Dunkelheit wiederholt sich der Vorgang.

Verantwortung für Hunde ernstnehmen

„Als Hundebesitzer hat man eine Verantwortung“, sagt Bärbel Osterreiter. Die 58-jährige ist mit Hunden großgeworden. „Dazu braucht man kein Gesetz!“ Ihr Mann wollte diese Verantwortung nicht übernehmen, und so gab es lange Zeit eben keine Haustiere.

Da geht es auch schon mal drüber und drunter: Bärbel Osterreiter mit Cindy (links) und Balu. Sie sagt: Um ihren Cavalier King Charles Spaniels gerecht zu werden, brauche es kein Gesetz. Jaensch

Aber jetzt beginnenden im Rentenalter sieht das Ehepaar in der Hundehaltung Vorteile für Mensch und Tier. „Die Bewegung und die Kontakte zu anderen Menschen und Hunden ist von Vorteil.“ Sie hat sich die schwarzweiße Cindy gewünscht und ihr Mann liebt den braunen Balu.

Hunde müssen sich auspowern

Der vierjährige Benschi von Franz Nitsch muss ebenfalls von keinem Gesetz geschützt werden. „Ich habe schon immer Hunde und gehe viel damit spazieren. Ich habe auch am Fahrrad eine Führungsstange, denn mein Benschi muss sich immer wieder auspowern.“

Auch interessant: Tierquälerei-Skandal im Allgäu: erschreckende Details aufgedeckt

Das zeigt sich auch während des Gesprächs. Benschi zerrt an der Leine, will seine Kraft zeigen, will weiter. Aber er folgt dem Kommando des Herrchens. „Ich halte das Gesetz für überflüssig, denn es lässt sich ja nicht kontrollieren“, sagt er und benennt ein Problem, dessen Lösung er für wichtiger hält. Es wäre besser, die Hundebesitzer würden den Kot in Tüten wieder mitnehmen und ordentlich entsorgen, sagt er. „Die Tüte ins Gebüsch werfen, ist ja noch schlimmer als nichts tun.“

Franz Nitsch mit Benschi: Der Jack Russel soll sich richtig auspowern, findet sein Herrchen. Kritik übt Nitsch an Hundebesitzern, die Kotbeutel ins Gebüsch werfen.

Anmaßung einer Diktatur

Nicht genannt werden will jener Hundebesitzer, der den Gesetzesvorschlag für eine Anmaßung einer Diktatur hält: „Ich will mir doch nicht vorschreiben lassen, dass ich von elf bis zwölf, oder von drei bis vier Uhr meinen Hund spazieren führen muss. Das mach ich so, wie ich will.“

Noch viel schärfere Vorschriften

Ganz anders denkt darüber Rentner Fred Frankl (78): „Es müsste sogar Gesetze geben, die Hundebesitzern vorschreiben, eine Hundeschule zu besuchen. Alles andere ist doch schädlich für das Tier und auch den Menschen.“ Hundebesitzer müssten ihre Tiere lesen können, um sie richtig zu behandeln. „Und wenn es heißt: Hunde an die Leine, wie am Rottweg, dann müssen die Tiere eben an der Leine geführt werden.“

Frankl hat keinen eigenen Hund mehr, jetzt führt er ich die Hunde seiner Freunde aus und erzieht sie dabei ein wenig.

Kommentare