Weg für Klinikfusion Mühldorf-Altötting frei - Das kommt auf Patienten und Mitarbeiter zu

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Das Klinikum Altötting
  • Markus Honervogt
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Die Leitungen der Kliniken Altötting und Mühldorf haben sich nach wochenlangem Streit auf ein medizinisches Konzept geeinigt. Es soll die Krankenhausstandorte sichern und eine hochwertige Versorgung garantieren. Mitarbeiter könnten von der Fusion profitieren, Patienten sollten sie nicht fürchten.

Mühldorf/Altötting - Nach der Einigung auf ein medizinisches Konzept für ein fusioniertes Klinikunternehmen Mühldorf/Altötting steht dem Start am 1. Januar nichts mehr im Weg. Davon gehen die beiden Landräte Georg Huber (Mühldorf) und Erwin Schneider (Altötting) aus. Nach ihrer Ansicht werden die Kreistage Ende November „mit großer Mehrheit, wenn nicht einstimmig“ die Fusion beschließen, wie Huber sagte.

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Der Bekanntgabe des medizinischen Konzepts am Samstagnachmittag waren ein wochenlanger Streit um die medizinische Ausrichtung und langwierige Verhandlungen vorausgegangen. Die Kliniken Mühldorf fürchteten, nur Juniorpartner zu sein. 

Bei der Vorstellung des Verhandlungsergebnisses in Töging urteilte Mühldorfs Ärztlicher Direktor Dr. Wolfgang Richter: „Wir haben ein ausgewogenes, gut verhandeltes Konzept, mit dem wir die Region medizinisch gut versorgen können. Die Bildung oder Verlagerung von Schwerpunkten wird die nächsten Jahre in Anspruch nehmen, bis das Ziel erreicht ist.“ Kern des Konzepts sei es, in beiden Landkreisen die stationäre medizinische Versorgung, die Notfallversorgung und alle Krankenhaus-Standorte zu erhalten, betonte Altöttings Ärztlicher Direktor Prof. Michael Kraus.

Das Klinikum Altötting

Für Herzinfarkt und Schlaganfall

Zur Notfallversorgung kommen in den beiden Haupthäusern Mühldorf und Altötting die allgemeine Chirurgie und die allgemeine Innere Medizin mit der Behandlung von Schlaganfall- und Herzinfarktpatienten, die Entbindungsstation und die Akutgeriatrie zur Behandlung alter Menschen. Auch die beiden Medizinischen Versorgungszentren(MVZ) an den Kliniken bleiben bestehen. 

Schwerpunkte in Mühldorf sollen die Lungen- und Schilddrüsenchirurgie und die Urologie sein. Auch Teile der Orthopädie zusammen mit unfallchirurgischer Notversorgung sind in Mühldorf vorgesehen.

In Altötting werden die Gefäßchirurgie angesiedelt, die Magen- und Darmchirurgie, die Behandlung von Herz- und Krebskrankheiten, die Unfallchirurgie, Frauenheilkunde und die Kinderstation.

Das Klinikum Mühldorf am Inn

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Keine detaillierte Auskunft wollten Landräte und Klinikleitung über die Veränderungen gegenüber dem medizinischen Konzept vom Juli geben. „Wir haben die Vergangenheit hinter uns gelassen, uns interessiert nicht, was in der Vergangenheit war“, betonte Landrat Schneider. Stattdessen wiesen die Landräte mehrfach darauf hin, dass das Konzept ein Startprogramm sei, von dem aus die Entwicklung der Klinken vorgenommen werde. „Wie sich das verändern lässt, ist in Zukunft Sache der Klinikleitungen“, sagte Huber.

Auch die Geschwindigkeit der Umsetzung legten die Verhandler nicht fest. Landrat Schneider betonte, sie werde nicht in allen Bereichen gleich sein. „Hauptpunkt ist, dass wir beginnen. Wenn wir weitere Verhandlungen und Überprüfungen durch den Kommunalen Prüfungsverband nicht gehabt hätten, wäre es in Altötting schwer durchsetzbar gewesen.“

Umstrukturierung kommt schrittweise

Mühldorfs Ärztlicher Direktor Richter betonte: „Wir wollen nicht auf dem jetzigen Standpunkt verharren.“ Stattdessen solle das neue, stärkere Unternehmen die Akzente der Entwicklung setzen.

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Ziel der Fusion ist neben der Stärkung der medizinischen Leistungen auch die Senkung der Kosten durch die Konzentration der Angebote. Trotzdem wird es weiter gleiche Angebote in beiden Häusern geben. Landrat Schneider wies Kritik daran zurück: „Es sind eine Reihe von Punkten da, an denen es keine Doppelvorhaltungen mehr geben werde“, sagte er. „Wenn wir noch mehr Dinge in Altötting konzentriert hätten, hätten wir die Notversorgung in Mühldorf gefährdet. Das ginge zu weit. Es gibt Dinge, die müssen an beiden Häusern vorgehalten werden. Die Konzentration voll durchzuziehen, ginge gar nicht. Dann wäre am Ende nur eine Notaufnahme übrig.“

Gegenüber dem Mühldorfer Anzeiger betonte Ärztlicher Direktor Richter, dass sich für Patienten vorerst nichts ändern werde. Egal ob mit einer schweren Verletzung, einem Schlaganfall oder Herzinfarkt, Betroffene könnten nach wie vor ins Krankenhaus Mühldorf oder Altötting kommen.

Alle Mitarbeiter werden übernommen

Auch für die Mitarbeiter soll vorerst alles beim Alten bleiben, betonte Landrat Huber auf Anfrage. Es müsse niemand mit einer Versetzung oder Entlassung rechnen. Alle, die derzeit in einer Servicegesellschaft ausgelagert seien, würden in das gemeinsame Klinik-Unternehmen aufgenommen und künftig nach Tarif bezahlt.

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