Ein Kleeblatt für den guten Zweck: 337 Kilometer in vier Landkreisen mit dem Rennrad

Jenseits der Autobahn im Norden und bis zum Chiemsee im Süden: Wegen der Hygieneauflagen wurde das 24-Stunden-Rennen in Engelsberg abgesagt. Stattdessen können Radsportler ein vierblättriges Kleeblatt abfahren und Spenden sammeln.Komoot/privat

Das Engelsberger 24-Stunden Rennen fällt wegen Corona leider aus. „Radeln und Helfen“ kann man trotzdem. Wie, das erklärt der Ausdauersportler Gerhard Dashuber

Von Josef Enzinger

Engelsberg – Die Radler standen schon in den Startlöchern, schließlich hatten sie drei Jahre darauf gewartet, dass es wieder ein 24-Stunden-Rennen von „Radeln und Helfen“ in Engelsberg geben würde. Doch der Organisator, Gerhard Dashuber zog die Bremse. „Zu heikel in Zeiten von Corona“, erklärt der 56-jährige Radsportler, der in den vergangenen 20 Jahren mit seinen Benefizaktionen knapp eine halbe Million Euro für soziale Projekte gesammelt hat. „Man kann nicht etwas Gutes wollen, aber damit andere gefährden“, begründet er die Absage der Veranstaltung, die an diesem Wochenende geplant war. Es sei Utopie, ein Hygienekonzept für eine Veranstaltung zu erstellen, bei der zwischen 500 und 1000 Sportler erwartet werden.

Ein Kleeblatt von 337 Kilometern Umfang

Wer bis jetzt jedoch schon fleißig trainiert hat, für den sollen die Mühen aber nicht umsonst gewesen sein. Denn „Radeln und Helfen“ können die Radsportler trotzdem. „Jeder für sich oder in der Gruppe!“, erzählt Dashuber. Die Alternative sieht so aus: Das Organisationsteam um Gerhard Dashuber hat vier, jeweils circa 85 Kilometer lange Runden geplant. „Wir nennen sie Kleeblätter!“

Startpunkt dafür ist am Volksfestplatz in Garching. „Sollte jemand mit dem Auto kommen, kann er auf der Fläche parken. Die Runden eins bis vier gehen in alle Himmelsrichtungen und sie führen durch unsere wunderschöne Gegend“, wirbt Dashuber zum Mitmachen. Tatsächlich streifen die Routen im Osten die Stadt Tittmoning, man kann vom Stampfl-Schlössl in Au das Inntal überblicken, auf Routen nördlich von Mühldorf dahinbrettern oder im Süden Traunwalchen, Kienberg und Truchtlaching passieren. Das Ziel: Innerhalb eines Zeitraums von knapp drei Wochen kann man die Runden abradeln. „Gerne auch öfter!“, so Dashuber.

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Die Anmeldung ist eigentlich nur die Erstellung einer Spendenseite, pro Kleeblatt sollte eine Spende von 10 Euro eingezahlt werden. „Wer alle vier Kleeblätter abradelt, spendet mindestens 40 Euro“,addiert Dashuber. Radler, die mindestens 40 Euro spenden, erhalten einen Gutschein für ein „Radeln-und-Helfen-T-Shirt“.

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Schon 30 000 Euro in diesem Jahr gesammelt

Und die Spenden und Radel-Bereitschaft ist schon im Vorfeld groß, das zeigen die Rückmeldungen auf der Internetseite von „Radeln und Helfen“. 325 Euro hat Wolfgang Hörner schon gesammelt, er appelliert an die Radler in der Region: „Bitte helft wieder mit, heuer ist Vieles anders, aber die Organisationen brauchen uns auch dieses Jahr. Keine große Tour, aber Helfen geht immer!“ Jonas Maier hat sich das komplette Kleeblatt –  337 Kilometer – an diesem Wochenende vorgenommen. Schon im Vorfeld zeigt sein Konto Einnahmen von über 250 Euro an. Und Thomas Wendrich findet: „Jede Spende hilft, um die Lebenssituation von benachteiligten, gehandicapten oder anderweitig bedürftigen Kindern zu verbessern!“

Hier können Sie sich für die Kleeblatt-Aktion anmelden!

In der Tat ist es eine ganze Menge an Organisationen, die der GarchingerVerein „Radeln und Helfen“ in den vergangenen Jahren unterstützt hat. Arbeitende Kinder in La Paz, die Balu Kinderkrebshilfe, die offene Behindertenarbeit im Landkreis Altötting, Eltern von Kindern mit Down-Syndrom, Missionsstationen in Afrika – die Bandbreite ist riesig. Knapp eine halbe Million haben die Aktionen von Dashubers Verein in zwei Jahrzehnten bereits eingespielt, „in diesem Jahr sind es bereits gute 30 000 Euro“, freut sich Dashuber über so viel Unterstützung. Er lädt ausdrücklich auch ältere Menschen, Sportler jeden Alters und Fitnessgrades ein, mitzumachen. „Die Strecken sind so gewählt, dass sie auch mit dem E-Bike zu bewältigen sind. Man unternimmt was, tut was für sich und seine Seele und man hilft damit anderen!“, sagt Dashuber.

Extremsport für eine gute Sache

Und so steht es auch außer Frage, dass die Sportler des SV Schönberg ihre Kleeblätter sammeln. Die Radler um Markus Huber, die in der Vergangenheit schon auf sich aufmerksam gemacht hatten, weil sie nonstop in 19 Stunden bis Jesolo gefahren waren, wollen sich am Samstagmorgen um 5 Uhr von Lohkirchen aus auf dem Weg machen, um das Kleeblatt abzufahren.

Dashuber selbst fährt 2000 Kilometer in sechs Tagen

„Die Veranstaltung lebt von solchen Typen“, zeigt sich Dashuber darüber dankbar. Dabei ist Dashuber selbst ein Radl-Verrückter, natürlich im positiven Sinne. Er wird sich am 25. Juli auf den Sattel schwingen, um am „Three Peaks Bike Race“ teilzunehmen. Von Wien bis Nizza geht die 2000 Kilometer lange Tour mit 30 000 Höhenmetern, die er in sechs Tagen absolvieren will. Und natürlich sammelt er auch damit Geld: Für Kinder eines Dorfes in Sambia, denen die Bewältigung ihres langen Schulwegs erleichtert werden soll. Womit? Natürlich mit Rädern.

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