Fürs Qualitätsmanagement

K.F.F. Mettenheim gewinnt als erster Sportverein den Ludwig-Erhard-Preis

Haben Grund zum Jubeln: die Vorsitzenden des Sportvereins Katalanische Fußballfreunde Patrick und Kevin Perseis (von links) mit dem Ludwig-Erhard-Preis.
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Haben Grund zum Jubeln: die Vorsitzenden des Sportvereins Katalanische Fußballfreunde Patrick und Kevin Perseis (von links) mit dem Ludwig-Erhard-Preis.

Sie sind schon mehrfach preisgekrönt, aber jetzt spielen sie in einer anderen Liga: Die „Katalanischen Fußballfreunde“ (K.F.F) aus Mettenheim haben den Ludwig-Erhard-Preis für Qualitätsmanagement in der Kategorie „kleinste Unternehmen“ in Bronze gewonnen. Als erster Sportverein überhaupt.

Von Sophia Strasser

Mettenheim – Sie sind schon mehrfach preisgekrönt, aber jetzt spielen sie in einer anderen Liga: Die „Katalanischen Fußballfreunde“ (K.F.F) aus Mettenheim haben den Ludwig-Erhard-Preis für Qualitätsmanagement in der Kategorie „kleinste Unternehmen“ in Bronze gewonnen. Damit hat der Freizeitsportverein Geschichte geschrieben: Zum ersten Mal überhaupt wurde der Preis an einen ehrenamtlichen Sportverein verliehen.

„Diesen Preis bekommen eigentlich Konzerne wie Thyssenkrupp, BMW oder Bosch verliehen – und jetzt wir“, freut sich Vereinsvorsitzender Kevin Perseis.

K.F.F waren absolute Neulinge für den Preis

Die Bewerber durchlaufen ein aufwendiges Bewerbungsverfahren. „Den ersten Schritt zur Bewerbung taten wir bereits im Sommer 2019“, erinnert sich Perseis. Als ehrenamtlich geführter Verein mussten sie erst klären, ob die Teilnahme am Preis überhaupt möglich sei. „Vor den K.F.F. haben sich erst zwei Sportorganisationen dem EFQM-Assessment in Deutschland gestellt. Die sind aber gar nicht erst bis zur Bewerbung für den Ludwig-Erhard-Preis gekommen und waren außerdem nicht ehrenamtlich geführt. Wir waren also absolute Neulinge.“

Bewerbung musste aus privater Tasche finanziert werden

Für die Bewerbung mussten die Vereinsvorsitzenden Geld aus der privaten Tasche in die Hand nehmen. „Aus Gründen der Gemeinnützigkeit verwehrte uns das Finanzamt, dass wir die Bewerbung für den Preis aus der Vereinskasse finanzieren.“ Die Vorstände ließen sich aber nicht aufhalten und reichten die Bewerbung für die Kategorie „kleinste Unternehmen“ ein.

Ende Oktober 2019 reisten sie nach Köln zum Sitz der Initiative Ludwig-Erhard-Preis (ILEP). Die drei Vorstände Kevin und Patrick Perseis sowie Andreas Volkmann und die Bereichsleiterin Sabina Perseis stellten sich dort dem strengen Blick der Assessoren von der ILEP. „Zwei Tage lang prüften sie uns über acht Stunden auf Herz und Nieren“, erzählt Kevin Perseis. In Präsentationen und Interviews erklärten die vier den Assessoren die Prozesse, Kennzahlen, Systeme, Mission und Vision der K.F.F. Mettenheim.

„Zwei Monate später erhielten wir das Ergebnis des Assessments: Wir hatten mit 480 von 1000 Punkten eine gute Bronze-Platzierung erreicht.“ Trotz dieser erfreulichen Information mussten die „Katalanischen Fußballfreunde“ noch bis in den Juni 2020 hoffen. „Die Assessoren geben das Ergebnis an eine Jury weiter, die beurteilt, wer letztendlich einen Preis gewinnt.“

Nach langem Warten kam die Bestätigung: Bronze für die K.F.F.

Dann war es geschafft: Die K.F.F. Mettenheim hatten als erster ehrenamtlich geführter Sportverein in der Geschichte den Ludwig-Erhard-Preis mit einer Bronze-Platzierung gewonnen. Wegen Corona wurde die Preisverleihung verschoben und fand schließlich als Online-Ehrung statt. Die Verschiebung konnte das Glück der Vorstände nicht trüben: „Wir sind unheimlich stolz darauf, was wir erreicht haben“, sagt Kevin Perseis.

Verein hat bereits mehrere Auszeichnungen

Die „Katalanischen Fußballfreunde“ blicken schon auf eine Vereinsgeschichte mit mehreren Auszeichnungen zurück: 2012 gewannen sie eine Sonderauszeichnung des Walter-Masing-Preises für Qualitätsmanagement, 2013 einen Bronzestern bei den „Sternen des Sports“. „Dann im Jahr 2018, als wir den Award „Exzellente Wissensorganisation“ (EWO-Award) gewannen, stellten wir fest, dass sich die K.F.F. in Sachen Qualitätsmanagement mit Firmen wie Thyssenkrupp messen können.“ Der Ludwig-Erhard-Preis sei aber noch eine ganz andere Nummer gewesen.

Erfahrungen werden weitergegeben

Die Erfahrungen in Sachen Qualitätsmanagement gibt der Verein auch an seine jungen Mitglieder weiter: Neben den Fußballgruppen, der Bastelgruppe und weiteren Freizeitgruppen bieten die „Katalanischen Fußballfreunde auch die sogenannte „Junior-Kaizen-Gruppe“ an, in der die Jugendlichen sich mit Qualität und Management beschäftigen.

Als erster ehrenamtlicher Verein, der mit dem Ludwig-Erhard-Preis ausgezeichnet wurde, sehen sich die K.F.F. in einer Vorbildfunktion für andere Vereine. „Gerade für das Ehrenamt ist Qualitätsmanagement sehr wichtig. Denn da ist es umso frustrierender, wenn organisatorische Abläufe nicht reibungslos ablaufen.“

Corona-konformes Dankschön an die Unterstützer

Ein international anerkannter Preis

Der Ludwig-Erhard-Preis ist ein Preis für Qualitätsmanagement und wird jährlich von der Initiative Ludwig-Erhard-Preis (ILEP) verliehen. Der Preis prämiert ganzheitliche Managementleistungen. Er beurteilt, wie gut ein Unternehmen in Bereichen wie Kundenorientierung, Innovation oder nachhaltige Unternehmensentwicklung organisiert ist. Es gibt ihn in verschiedenen Kategorien je nach Unternehmensgröße und in den Platzierungen Gold, Silber und Bronze.

„Der Ludwig-Erhard-Preis ist eine international anerkannte Auszeichnung, die nur Top-Unternehmen verliehen bekommen“, erklärt Kevin Perseis. Weltweit werden solche Preise verliehen, beispielsweise der Europäische Qualitätspreis oder der Malcolm Baldrige National Quality Award in den USA. Der Ludwig-Erhard-Preis ist die deutsche Version.

Alle Auszeichnungen bewerten nach dem Modell der European Foundation for Quality Management (EFQM), ein international anerkanntes Modell, das den Reifegrad von Qualität (Excellence) und dessen Management misst.

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