Kirchliche Berufe sind nicht attraktiv

Bei der Herbestversammlung der Dekanantsrätevon links: Klaus Schex, Maria Gleißl und Esther Prüßner (von links). Rath

Herbstvollversammlung der Dekanatsräte Waldkraiburg und Mühldorf

Gars– Die beiden Dekane Ulrich Bednara und Franz Eisenmann luden zur Herbstvollversammlung, einer gemeinsamen Veranstaltung der beiden Dekanatsräte des Landkreises ins Garser Pfarrheim.

Vom Regionalteam Nord waren zwei Mitarbeiterinnen von Weihbischof Dr. Bernhard Haßlberger gekommen: Esther Prüßner und Maria Gleißl referierten über das Thema: „Neue Wege, die begeistern“. In einer Art Zukunftswerkstatt berichteten sie über die Entwicklung der Kirche in der Erzdiözese München-Freising in den nächsten Jahren.

17 000 Kirchenaustritte zu verzeichnen

Esther Prüßner legte Fakten auf den Tisch: Der Katholikenanteil im Erzbistum beläuft sich nur mehr auf 30 Prozent, pro Jahr sind 17000 Kirchenaustritte zu verzeichnen. Beim kirchlichen Personal ist bis 2027 ein starker Rückgang zu erwarten:

Die Zahl der Priester wird um 28 Prozent zurückgehen (also mehr als ein Viertel), die der Diakone um neun Prozent. Es werden 28 Prozent weniger Pastoral- und 15 Prozent weniger GemeindereferentInnen erwartet. Insgesamt sind 23 Prozent Rückgang bei den kirchlichen Berufen zu verzeichnen. Letztere Zahl wird sich bis 2032, so die Prognose, auf 28 bis 30 Prozent erhöhen.

Als Ursachen nannte Esther Prüßner eine schwindende Attraktivität des Arbeitgebers Kirche und gesellschaftliche Veränderungen wie Globalisierung, Digitalisierung, zunehmende Individualisierung und Veränderung de Lebensformen.

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In Gruppenarbeit entwickelten die Anwesenden ihnen möglich erscheinende Lösungen, um diesem doch gravierenden Problem zu begegnen.

Es wurde angemahnt, die Ausbildung in kirchlichen Berufen zu verkürzen, diese sollten bekannter gemacht werden. Kritisiert wurde, dass die Kirche auf die negative Entwicklung zu spät reagiert habe und eine Mängelverwaltung betreibe.

Schwindende Attraktivität der Kirchenberufe

Dem hielt Esther Prüßner entgegen, dass die Kirche sich neuerdings auf Bildungsmessen präsentiere und auch junge Menschen ins Ordinariat eingeladen würden, um einen Einblick in geistliche Berufe zu bekommen. Auch gäbe es schon neue Ansätze, die Ausbildung zu verkürzen.

In einer lebhaften Diskussionsrunde wurde die Notwendigkeit von Wortgottesdienstleitern in den Mittelpunkt gestellt. Laien sollen Wortgottesdienste wie Maiandacht, Rosenkranz oder Kreuzwegandacht halten, um auf diese Weise die Priester, Diakone und Pastoral- und GemeindereferentInnen zu entlasten. Ein Teilnehmer stellte dazu die Frage, was zu unternehmen sei, wenn der örtliche Pfarrer gegen eine solche Praxis sei. Den Vorschlag, der Bischof als Dienstherr sollte den Pfarrer verpflichten, Wortgottesdienstleiter zu akzeptieren, konterte Esther Prüßner mit dem Hinweis, dass ein Pfarrer durchaus gegen Wortgottesdienstleiter sein dürfe. Sie glaube aber nicht, dass in Zukunft ein Pfarrer seine ganze Pfarrei alleine beherrschen könne.

Lage der Kirche ernst nehmen

Alle Anwesenden waren sich darüber einig, dass die momentane Lage der Kirche ernst zu nehmen sei. Bei zunehmenden Kirchenaustritten und weniger kirchlichem Personal wird die Kirche im 21. Jahrhundert neue Wege finden müssen, um dieser negativen Entwicklung entgegenzuwirken. hra

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