Kirchen im Landkreis Mühldorf zeigen sich flexibel und kreativ

Eine ökomenische Andacht mit Trompetenmusik fand unangesagt am Ostermorgen auf dem Töginger Friedhof statt. Der evangelische Pfarrer Johann-Albrecht Klüter (links) und sein katholischer Kollege Pfarrer Piotr Wandachowicz hielten sich dabei mit gebührendem Abstand zueinander an die Corona-Regeln. REuter

Kreativität und Flexibilität sind die Eigenschaften, die in den Zeiten der Corona-Beschränkungen mit einen großen Schub zum Funktionieren des gesellschaftlichen Lebens beitragen. Auch die Kirchengemeinden haben schnell mit verschiedenen Ideen auf die neue Situation reagiert.

Töging/Neumarkt-St Veit – Gerade zu Ostern gehört für viele Christen der Besuch eines Gottesdienstes dazu, sagt Pfarrer Johann-Albrecht Klüter von der evangelischen Kirchengemeinde Töging/Neumarkt-St Veit.

Um dieser Tradition nachzukommen, gab es in der Osterzeit gleich mehrere Online-Gottesdienste – mal aus der leeren Auferstehungskirche in Töging, mal davor oder aus dem Pfarrgarten –, die allesamt auf Video aufgezeichnet wurden und auf der Webseite der Kirchengemeinde unter www.toeging-evangelisch.de angesehen werden können.

Die Aufzeichnungen hat Pfarrer Klüter mit seiner Frau Cornelia an der Orgel und seiner Tochter Katharina hinter der Kamera selbst produziert.

Gottesdienste im Internet erleben

Die Zugriffszahlen sind laut Pfarrer Klüter recht beachtlich, schon der allererste Online-Gottesdienst wurde bis jetzt 390-mal angesehen. „So viele würden gar nicht in unserer Kirche Platz finden“, verriet der Geistliche recht stolz über den Erfolg.

Noch mehr freute er sich aber über die persönliche Resonanz, als Kommentar im Netz oder auch per Telefon. Sogar eine Frau aus Irland schrieb warmherzige Worte zu dieser Möglichkeit des Gottesdienstbesuchs.

Eine weitere Idee war eine spontan geplante ökumenische Osterfeier am Ostermorgen auf dem Töginger Friedhof. Der katholische Pfarrer Piotr Wandachowicz und Pfarrer Johann-Albrecht Klüter trafen sich mit Trompeter Gottfried Grail an der Aussegnungshalle und hielten eine Andacht mit Gebet, Evangelium, dem österlichen Segen und der Trompeteneinlage „Christ ist erstanden“. +++ Tipp der Redaktion: Kennen Sie schon unseren kostenlosen Feierabend-Newsletter? Die Top-Themen der Region um 17 Uhr per E-Mail – sauber ausrecherchiert und aufgeschrieben von Ihrer OVB-Redaktion.Jetzt Newsletter ausprobieren! +++

Unter Wahrung des nötigen Abstands zueinander durften sie die auf dem Friedhof installierte Lautsprecheranlage benutzen, damit die Töginger an den Gräbern ihrer verstorbenen Angehörigen mitfeiern konnten. Allerdings mussten sich Zuhörer schon zufällig dort aufgehalten haben. Denn laut der Absprache mit dem Bürgermeister durfte diese Aktion vorher nicht bekannt gemacht werden, um eine Menschenansammlung zu vermeiden.

Gläubige wollen das Gemeinschaftserlebnis

Da gilt es in der Not erfinderisch zu sein, denn die Gläubigen in den Pfarrgemeinden verzichten nur ungern auf das Gemeinschaftserlebnis: „Es kamen schon einige Anfragen, warum nicht doch Messfeiern mit gesonderten Vosichtsmaßnahmen stattfinden können. Politische Gremiensitzungen fänden schließlich auch statt“, erklärt Piotr Wandachowicz, der momentan die Pfarreien in Töging und Erharting seelsorgerisch mit betreut.

Doch das ist den Geistlichen zufolge momentan leider keine Option: „Viele unserer normalen Gottesdienstbesucher gehören zu Risikogruppen, da haben wir eine gesellschaftliche Verantwortung“, sagt daher Pfarrer Franz Eisenmann aus Neumarkt-St. Veit. Zwar würden im engsten Kreise der Pfarreimitarbeiter schon Gottesdienste gefeiert, aber dabei müsse die Kirchentür geschlossen bleiben. Über Internet-Streams wurden allerdings in St. Veit zum Beispiel schon die Osterfeste übertragen – und das soll auch an den kommenden Sonntagen so fortgeführt werden. „Wir haben auf die YouTube-Videos sehr viel Zuspruch erfahren“, sagt Pfarrer Franz Eisenmann. Auf der Homepage des Pfarrverbandes Töging und Erharting gibt es zwar keine Live-Übertragungen, jedoch sind auch dort aktuelle geistliche Impulse als Videos hinterlegt.

Gebete werden an die Tür gehängt

Pfarrerin Anke Sänger bietet in Neumarkt-St. Veit eine andere Alternative an: Sie hängt jeden Sonntag eine aktuelle Andacht mit Gebeten an die Tür der Friedenskirche – zum Lesen, Nachdenken und Beten für vorbeikommende Spaziergänger. Am Karfreitag hatte sie Kreuzwegstationen aufgebaut, bei denen man seine Wünsche, Gebete oder Anliegen aufschreiben und am Kreuz ablegen konnte.

Weitere Ideen bot die Gemeinde auf ihrer Homepage an, wie eine Anleitung für „Ostern am Küchentisch“.

„Die Online-Gottesdienste werden wir bis auf Weiteres regelmäßig auf unserer Homepage anbieten“, verspricht Pfarrer Klüter, der wie seine Kollegin Pfarrerin Sänger nach wie vor telefonisch für die seelsorgerischen Belange der Gemeindemitglieder erreichbar ist. Für weitere Aktionen, Termine und Änderungen im Ablauf können sich Interessenten unter www.toeging-evangelisch.de für einen Newsletter eintragen.

Im Pfarrverband Egglkofen mit seinen acht Kirchen, die bereits zum Bistum Regensburg gehören, wie auch im Pfarrverband Pleiskirchen, das zum Bistum Passau gehört, werden die Gläubigen hingegen mit „Hausgottesdiensten“ versorgt. So liegen in Egglkofen, Pleiskirchen, Wiesbach und Frauenhaslbach seit einiger Zeit liturgische Blätter zum Mitnehmen aus, auf denen jeweils zum aktuellen Sonntag des Kirchenjahres passende Lieder und Gebete gedruckt sind, sodass die Gläubigen in ihrer Hausgemeinschaft gemeinsam eine Andacht feiern können.

Keine Feiern bis zum Mai

Auch für Töging und Erharting ist das geplant. „Schließlich werden wir wohl noch bis mindestens 4. Mai keine gemeinsamen Gottesdienste feiern können“, sagt Piotr Wandachowicz. Auch für die Zeit nach dem Versammlungsverbot machen sich die Geistlichen schon Gedanken. Einen Gesichtsschutz sollten auch dann alle Gottesdienstbesucher mitbringen und auf einen möglichst großen Abstand sowie alle anderen empfohlenen Hygienevorkehrungen achten. „Von Handschuhen würde ich aber eher abraten, weil man darunter ja schwitzt und sich da auch wieder Keime bilden können“, sagt Pfarrer Martin Fohl aus Pleiskirchen. reu/pbj

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