„Kirche kann nicht mehr so sein wie vor 50 Jahren“

Stadtpfarrer Roland Haimerl bei der ersten Pfarrversammlung in St. Nikolaus. re
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Stadtpfarrer Roland Haimerl bei der ersten Pfarrversammlung in St. Nikolaus. re

Mühldorf. – Der Pfarrgemeinderat von St. Nikolaus lud zur ersten Pfarrversammlung, in der zahlreiche Informationen zu vielen Neuerungen in der Gemeinde besprochen wurden.

Stadtpfarrer Roland Haimerl eröffnete den Abend mit eigenen Beobachtungen, wie sich die praktische Seelsorge im Laufe seiner Berufsjahre verändert habe, sehr anschaulich am Beispiel der Beichte. Das Angebot der Beichte im Beichtstuhl sei rückläufig, während die Zahl der Beichtgespräche kontinuierlich steige. Auch andere kirchliche Angebote seien überholt, sagte Haimerl. „Kirche funktioniert nicht mehr und kann nicht mehr so sein wie vor 50 Jahren.“ Er konzen triere sich auf die Eckpfeiler der Seelsorge, die Verkündigung des Wortes Gottes, die Spendung der Sakramente und dazusein, wenn Menschen Hilfe und Beistand benötigten. Das Angebot der Kirche für die Gläubigen werde sich weiter verändern, sagte Pfarrer Haimerl und bat zugleich diese Veränderungen mitzutragen.

Die kommissarische Übernahme der Seelsorge im Pfarrverband Töging mit drei Pfarreien und 6300 Katholiken funktioniere mit Pfarrvikar Piotr Wandachowicz reibungslos. Wie es weitergeht, wenn dessen zeitliche Befristung in der Stadtkirche Mühldorf ausläuft, könne zum jetzigen Zeitpunkt nicht gesagt werden. Verwaltungsleiter in Töging ist im Moment noch Pfarrer Haimerl.

Nikolauskirche daswichtigste Bauprojekt

Für die Stadtkirche Mühldorf gibt es seit Anfang des Jahres einen weltlichen Verwaltungsleiter, Christian Nieberle, der sich und seine Aufgaben an diesem Abend vorstellte. Das wichtigste Bauprojekt der Gemeinde ist die Renovierung von St. Nikolaus. Nachdem die restauratorischen Bestandsaufnahmen bereits abgeschlossen sind und die Wünsche und Vorstellungen aus der Pfarrei aufgenommen wurden, wird derzeit die maßgebliche Kostenerfassung erstellt, wieviel Geld ausgegeben wird für welche Maßnahme und von wem – Staat, Diözese oder Pfarrei – diese dann bezahlt wird.

Eine Herausforderung der Zukunft wird sein, eine neue Nutzung für die Gebäude Kirchenplatz 5 und 7 zu finden. Derzeit sind dort die Geschäftsräume der Caritas Mühldorf mit ihren Hilfs- und Beratungsangeboten untergebracht. Mit ständig steigender Nachfrage und Ausbau des Angebotes konfrontiert, sind die Räume dort zu klein geworden. Die gesamte Caritas wird deswegen einen Neubau beziehen, voraussichtlich im Jahr 2022.

Ulrich Wunder referierte über die Situation der katholischen Kindertagesstätten mit besonderem Augenmerk auf die Zukunft des Kindergartens St. Nikolaus am Krankenhausberg. Das Gebäude aus dem Jahr 1967 hat einen bereits lange bekannten Sanierungs- und Erneuerungsbedarf. Zur Vorgeschichte: Nachdem sich das Kreiskrankenhaus einen Erweiterungsbau auf dem Gelände des Kindergartens vorstellen konnte, überlegte man zusammen mit der Stadtverwaltung Mühldorf, das neue Kinderzentrum hinter der Feuerwehr gemeinsam zu betreiben. Da raus wurde leider nichts, weil im Frühjahr 2019 die Stadt beschloss, diesen neuen Kindergarten selber zu betreiben. Die Zukunft des beliebten und ständig ausgebuchten Kindergartens ist nun ungewiss. Ein Sanierungsantrag ist erneut gestellt, doch von heute bis zum Abschluss der Sanierungsmaßnahmen dauert es einige Jahre.

Ungewisse Zukunftdes Kindergartens

Der Informationsabend wurde abgerundet mit der Vorstellung der neuen Kirchenpflegerin Marita Grötsch, die einen Einblick in ihren Verantwortungsbereich gab. Kirchenmusiker- und Chorleiter Michael Bachmann warb für die verschiedenen Chöre um Neuzugänge.

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