Kiebitze sind zurück im Isental: Brutsaison der seltenen Vögel hat schon Mitte März begonnen

Kiebitz-Gelege liegen in offenen, flachen und gehölzarmen Landschaften und sind oft durch Nesträuber gefährdet. Schwitzke

Der Kiebitz ist zurück aus seinem Winterquartie. Weshalb diese Vogelart für die Betreuer des BayernNetzNatur-Projekts „Natur.Vielfalt.Isental“ eine besondere Rolle spielt.

Schwindegg/ Obertaufkirchen/ Rattenkirchen – Das Projekt besteht schon seit 2016 und wird getragen durch die Wildland-Stiftung Bayern sowie durch die Gemeinden Lengdorf, Obertaufkirchen, Dorfen, Schwindegg und Rattenkirchen. Gemeinsam mit Flächeneigentümern, Landwirten, Jägern und interessierten Bürgerinnen und Bürgern setzen sie sich dafür ein, wertvolle Lebensräume, wie zum Beispiel artenreiche Streu- und Feuchtwiesen im Isental erhalten bleiben und wiederhergestellt werden können.

Bereits Ende Januar konnten die ersten Kiebitze im Dorfener Moos beobachtet werden. Dabei waren die Vögel teilweise in einem Trupp von bis zu 70 Individuen unterwegs. Ab März suchen die Kiebitze dann ihre Brutplätze auf und bilden Territorien.

Gaukler der Lüfte im Balz-Modus

Die balzenden Kiebitz-Männchen sind besonders auffällig. Mit ihren waghalsigen Flugmanövern und den begleitenden, eigentümlichen Rufen sind die Vögel kaum zu übersehen. Nicht umsonst haben die Kiebitze im Volksmund den Beinamen „Gaukler der Lüfte“ erhalten.

Früher war der Kiebitz ein sehr häufiger Brutvogel. Auf den Streu- und Feuchtwiesen, welche in der Regel nur ein bis zweimal im Jahr gemäht wurden, fanden wiesenbrütende Vogelarten wie der Kiebitz, die Bekassine oder der Große Brachvogel optimale Brutbedingungen vor. Der Große Brachvogel brütet allerdings schon lange nicht mehr im Isental und die Kiebitze sind selten geworden.

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Das Isental hat sich in den letzten Jahrzehnten stark verändert. Die artenreichen Wiesen sind zu einem Großteil verschwunden und mit ihnen die Lebensgrundlage für eine Vielzahl von Tieren und Pflanzen. Heute dominieren intensives Grünland und Maisäcker die Landschaft.

Nester auf Äckern sind gefährdet

Der Kiebitz kommt noch vor im Isental. Das liegt wahrscheinlich auch daran, dass diese Art sehr standorttreu ist und in der Regel jedes Jahr wieder im selben Gebiet brütet. Die Brutplätze liegen in offenen, flachen und gehölzarmen Landschaften, wobei extensive Wiesen mit offenen Bodenstellen normalerweise bevorzugt werden. Im Isental brütet der Kiebitz überwiegend auf Äckern. Hier findet er noch den offenen Boden, um sein Nest anzulegen.

Unterstützung auf breiter Basis

Da die Landwirte aber ihre Felder bewirtschaften müssen, sind die Nester auch dort stark gefährdet. Deshalb haben es sich die Betreuer zu ihrer Aufgabe gemacht, Kiebitz-Nester auf den Äckern zu suchen, zu markieren und somit zu schützen. Das funktioniert nur mit der Genehmigung und Kooperation der betreffenden Landwirte.

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Bisher haben sie stets positive Erfahrungen gemacht und sind von den Flächenbewirtschaftern freundlich unterstützt worden. Letztendlich können die markierten Kiebitznester einfach und mit minimalem Flächenverlust umfahren werden.

Im Landkreis Mühldorf ist das BayernNetzNatur-Projekt Partner eines erfolgreichen Kooperationsprojekts für den Kiebitz. Zusammen mit dem Landesbund für Vogelschutz, dem Bayerischen Bauernverband, der unteren Naturschutzbehörde und dem noch jungen Landschaftspflegeverband Mühldorf, setzen sie sich für den Schutz der Kiebitze auf den landwirtschaftlichen Nutzflächen ein. Auch dieses Projekt funktioniert aber nur deshalb so gut, weil die meisten Flächenbewirtschafter hierbei unterstützen.

Während der Brutzeit: Hunde an die Leine

Trotz aller Schutzbemühungen ist der Verlust an Gelegen und Jungvögeln jedes Jahr sehr hoch. Als Hauptgrund hierfür ist neben der intensiven Landwirtschaft auch der hohe Druck durch Räuber zu nennen. Neben Greifvögeln, Krähen, Fuchs und Marder führen auch Spaziergänger und freilaufende Hunde immer wieder zu verlassenen oder zerstörten Nestern und dem Tod von Jungvögeln. Die Hunde sollen deshalb während der Brutzeit bis Mittwoch, 15. Juli, in den Wiesenbrüterschutzgebieten an der Leine bleiben und Spaziergänger auf den Wegen.

Hinweise von brütenden Kiebitzen werden gerne entgegengenommen. Denn sobald die Neststandorte bekannt sind, können sich die Betreuer in Rücksprache mit Flächeneigentümern und Bewirtschaftern durch Schutzmaßnahmen dafür einsetzen, dass die Vögel erfolgreich brüten.

Sichtungen können per Post an Wildland-Stiftung Bayern, Unterer Marktplatz 15, 84405 Dorfen geschickt oder unter Telefon 08081/9533600 mitgeteilt werden.

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