VOX-Sendung „Die schönste Braut“

Kein Traum in Weiß: Anne Seidl enttäuscht von den Erfahrungen im Fernsehen

Einmal vor der Kamera stehen. Für die Mühldorfer Geschäftsfrau Anne Seidel buchstäblich eine einmalige Erfahrung. Die Erfahrung, auch negativer Art, möchte sie nicht missen.
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Einmal vor der Kamera stehen. Für die Mühldorfer Geschäftsfrau Anne Seidel buchstäblich eine einmalige Erfahrung. Die Erfahrung, auch negativer Art, möchte sie nicht missen.
  • Josef Enzinger
    vonJosef Enzinger
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57-Jährige Geschäftsfrau aus Mühldorf stellt sich in der Doku-Soap „Die schönste Braut“ drei jüngeren Bewerberinnen: Die Erfahrung bezeichnet sie als bereichernd, aber auch ernüchternd. Tatsächlich bedient der Privatsender VOX bayerischer Klischees und die Jury ist gnadenlos.

Mühldorf/Zeilarn – Vintage sollte es sein, verspielte Spitzen haben, vor allem aber romantisch wirken: Das waren die Kriterien der Mühldorfer Geschäftsfrau Anne Seidel, die sich selbstbewusst in der Doku-Soap „Die schönste Braut“ im Privatsender VOX präsentiert hatte und sich dabei den kritischen Blicken ihrer drei Mitbewerber um den Wochensieg stellen musste. Anlässlich ihrer bevorstehenden Rosenhochzeit, dem zehnjährigen Ehejubiläum mit ihrem Mann Günther, wollte die Filialleiterin eines Bekleidungsgeschäftes in Mühldorf mit einem ganz besonderen Kleid ihre Konkurrentinnen ausstechen. Doch es kam anders. Nach dem Auftritt am Mittwoch war ihr klar: Zum Sieg würde es nicht reichen.

Keine wirkliche Kleiderauswahl

Dabei hatte die 57-Jährige, die in Zeilarn im Landkreis Rottal-Inn zu Hause ist, all ihren Charme in die Waagschale geworfen, um die Sympathien der weit jüngeren Jury-Mitglieder zu gewinnen.

Aber schon bei der Auswahl des Hochzeitskleides hat sie die falsche Wahl getroffen. „Ich habe vielleicht zu sehr auf meine Schwester gehört und zu wenig meine Meinung einfließen lassen.“ Das Kleid, das ihr gefallen hätte – drei standen zur Auswahl – sei ihr zu groß gewesen. Das habe sie abgeschreckt.

Zwillingsschwester Cäcilia hat sie beraten

In dieser Show werden Frauen mit der Kamera begleitet, die kurz vor ihrer Hochzeit stehen oder ein besonderes Ehejubiläum feiern. Sie sind auf der Suche nach dem schönsten Kleid und werden dabei von Familie und Freunden beraten. Anne Seidel hatte ihre Zwillingsschwester Cäcilia dabei. Und die war in der Sendung fest davon überzeugt: „Ich weiß, was meine Schwester will!“

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Typisch bayerische Klischees eingearbeitet

Sie begleitete sie also in ein Brautmodengeschäft in Haag. Herrlich hatte die Produktionsfirma noch den Haager Schlossturm in Szene gesetzt. Einfühlsam die Geschichte erzählt, wie die Niederbayerin ihren Mann Günther kennen gelernt hat. Doch die weitere Begeisterung hält sich in Grenzen.

Denn beim Zusammenschnitt der Szenen seien typisch bayerische Klischees bedient worden, inklusive Jodelmusik im Hintergrund. „Die Ausstrahlung ist ja fürchterlich“, kommentierte die 57-Jährige die Folge.

Den Mitbewerbern fehlte ein Strahlen

Und dann war sie auch noch einer äußerst kritischen Jury, bestehend aus ihren Konkurrentinnen um den Sieg, ausgesetzt: einer 31-jährigen Lehrerin aus Niedersachsen, einer 29-jährigen Controllerin aus dem hohen Norden und einem 19-jährigen Model aus Großkarolinenfeld.

Diese hatten neben dem Brautkleid auch Schuhe, Styling und Verwandlung zu bewerten, machten zunächst auch keinen Hehl daraus, dass sie die Niederbayerin durchaus attraktiv fänden. Eine „starke Persönlichkeit“ mit einer „sympathischen Ausstrahlung“. Genauso offen waren die drei dann aber auch bei ihren Bewertungen. Zu viel Spitze, zu viel Tüll, ein seltsamer Gürtel und Kritik am Make Up wechselten sich mit verzückten Äußerungen zu Figur, Hairstyling und der Auswahl der Schuhe ab. Letztlich aber kamen die drei Mitbewerberinnen zum Schluss: „Sie strahlt nicht!“

Keine Chance auf den Titel

Entsprechend vernichtend die Bewertungen, die ihr bei der Auswahl des Kleides lediglich 19 von 30 Punkten brachte, bei der Frisur immerhin 21 und beim Make Up sogar 23 Punkte. Mit 63 Punkten liegt sie damit aber weit hinter der bis dato führenden Lehrerin Lara aus Niedersachsen zurück (74).

Der Gesamteindruck wird in der finalen Sendung am heutigen Freitag (16 Uhr) bekannt gegeben, wobei die 57-Jährige schon nach dem Dreh keine große Hoffnung mehr auf den Gesamtsieg und damit auf ein Preisgeld von 3000 Euro hatte.

Dankbar über die Erfahrung

„Ich bin dankbar, dass ich eine neue Erfahrung machen durfte, auch wenn das Ergebnis für mich eher enttäuschend war“, äußert sie sich nach der Ausstrahlung ihrer Folge. Den Auftritt in der Doku-Soap beschreibt sie als „bereichernd, aber auch sehr ernüchternd“.

Das Brautkleid für ihre Rosenhochzeit am 21. Dezember hat sie also nicht gefunden. Aber die Suche hat sie noch nicht aufgegeben. Es soll nach wie vor ein weißes Kostüm sein, extravagant sagt sie. Und sofern es die Corona-Pandemie zulässt, will sie dann mit ihrem Mann Günther sowie mit ihren Kindern und Stiefkindern diesen 10. Hochzeitstag feiern. Eine wichtige Erkenntnis habe sie aus der Teilnahme gezogen: „Lass‘ Dich nie und von niemanden entmutigen, auch wenn sich eine Erfahrung im Moment für Dich nicht gut anfühlt. Alles hat seinen Grund!“

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