Kein Geld aus Berlin

2010 gab es Hoffnung auf ein weitergehendes Interesse Deutschlands am Bunkergelände: "Jenseits aller Zahlen sind wir in einer gesellschaftlichen Verantwortung", sagte damals Finanzstaatssekretär Hartmut Koschyk (Zweiter von rechts, zusammen mit Bundestagsabgeordnetem Stephan Mayer, dem Vorsitzenden der Gedenkstättenstiftung Karl Freller und Dr. Marcel Huber, damals Kultusstaatssekretär). An der geplanten Gedenkstätte will sich der Bund trotz des damaligen Bekenntnisses nicht beteiligen. Foto  hon
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2010 gab es Hoffnung auf ein weitergehendes Interesse Deutschlands am Bunkergelände: "Jenseits aller Zahlen sind wir in einer gesellschaftlichen Verantwortung", sagte damals Finanzstaatssekretär Hartmut Koschyk (Zweiter von rechts, zusammen mit Bundestagsabgeordnetem Stephan Mayer, dem Vorsitzenden der Gedenkstättenstiftung Karl Freller und Dr. Marcel Huber, damals Kultusstaatssekretär). An der geplanten Gedenkstätte will sich der Bund trotz des damaligen Bekenntnisses nicht beteiligen. Foto hon

Schlechte Nachrichten aus Berlin: Es gibt kein Geld von der Gedenkstättenstiftung des Bundes für das Bunkergelände im Mühldorfer Hart. Ein Expertengremium hat einen Antrag der Stiftung bayerischer Gedenkstätten abgelehnt.

Mühldorf - Das Konzept steht: Aufarbeitung der Zeitgeschichte im zweiten Obergeschoss des Mühldorfer Haberkastens, dazu eine Gedenkstätte an den drei zentralen Orten im Mühldorfer Hart - am Bunkerbogen, am ehemaligen Massengrab und im Waldlager. Wie die Gedenkstätte aussehen wird, ist nach einem Architektenwettbewerb beschlossene Sache (wir berichteten).

Doch für eine Umsetzung fehlt das Geld - insgesamt geht es um 3,2 Millionen Euro. Der Plan: 1,2 Millionen sollte die Stiftung bayerischer Gedenkstätten beisteuern, dazu kämen jeweils 200000 Euro von der Stadt Mühldorf und vom Landkreis. Vorausgesetzt der Bund übernimmt die fehlenden 1,6 Millionen Euro.

Doch aus dieser Rechnung wird erst einmal nichts. Denn ein Expertengremium hat einen Antrag der Stiftung Bayerische Gedenkstätten auf die Zuteilung von Geld aus der Gedenkstättenförderung des Bundes abgelehnt.

Aus drei Gründen: Erstens gibt es Zweifel an der bundesweiten Bedeutsamkeit des Ortes; zweitens ist den Experten das Konzept mit der Aufteilung der Dokumentation auf mehrere Orte nicht schlüssig. Und drittens gibt es Zweifel an der Dauerhaftigkeit, weil es nicht nur einen Träger sondern ein Miteinander von Stiftung, Landkreis und Kommunen geben soll.

Ulrich Fritz, der bei der bayerischen Stiftung für die KZ-Außenlager in Bayern zuständig ist, kann die Argumentation nicht nachvollziehen: "Mir ist die Begründung zu lapidar. Außerdem wird deutlich, dass die Experten in die Verhältnisse vor Ort keinen Einblick haben." Schließlich handele es sich beim Bunkergelände um einen "international bedeutsamen Ort. Wenn man das natürlich nicht sehen will, ist das ein K.O.-Kriterium." Schon in der Vergangenheit gab es immer wieder Anzeichen, dass der Bund ausschließlich Interesse an der Förderung der großen Konzentrationslager zeigt. "Wenn man die Hürden so hoch legt, bleiben die Außenlager außen vor", sagt Fritz.

Trotzdem: "Aufgeben gilt nicht", sagt stellvertretende Landrätin Eva Köhr, die als Vorsitzende des Fördervereins Kreisheimatmuseum die Arbeitsgruppe zur Errichtung einer Gedenkstätte koordiniert. Köhr hofft nun auf andere Geldquellen: "Das Leader-Förderprogramm auf Landesebene ist noch nicht ausgeschöpft. Darum werden wir uns als nächstes bemühen."

Auch von der Landesstelle für nichtstaatliche Museen erhofft sie sich einen Zuschuss, wenn es um die rund 800000 Euro teure Einrichtung der Dauerausstellung im Haberkasten geht. "Falls Stadt und Landkreis jeweils 200000 Euro übernehmen könnte der Rest von dort kommen." Wenn schon die Umsetzung der Pläne am Bunker auf Eis lägen, soll ihrer Meinung nach wenigstens die Ausstellung baldmöglichst realisiert werden.

Der Vorsitzende des Vereins "Für das Erinnern", Franz Langstein, glaubt, dass in Sachen Finanzierung durch den Bund das letzte Wort noch nicht gesprochen ist. "Ich denke schon, dass wir mit Berlin noch einmal ins Gespräch kommen können, wenn die Frage der Verkehrssicherung geklärt ist."

Ähnlich sieht es Ulrich Fritz: "Es ist durchaus nachvollziehbar, dass der Bund nur dann einen gewissen Betrag bezahlt, wenn er zugleich die Verantwortung für das Gelände abgeben kann." Dabei spielt unter anderem die bis dato ungeklärte und möglicherweise teure Beseitigung von Kampfmittelbeseitigung eine Rolle.

Eva Köhr nimmt in Sachen Verkehrssicherung den Freistaat und damit die Stiftung Bayerischer Gedenkstätten in der Pflicht. "So steht es im Gesetz."

Ulrich Fritz sieht das Thema Trägerschaft mit gemischten Gefühlen: "Bisher haben wir an keinem Gedenkort in Bayern die Verkehrssicherungspflicht übernommen. Die liegt an den anderen Standorten entweder bei den Grundstückseigentümern oder bei der Kommune." Dennoch will Fritz nicht kategorisch ausschließen, dass die Stiftung die Trägerschaft übernimmt, macht aber zugleich klar, was das bedeutet: "Dann wollen wir auch vor Ort präsent sein und mit entscheiden, was passiert. Außerdem braucht es in diesem Fall dauerhaft mehr Geld. Und zwar nicht nur einmal, sondern Jahr für Jahr." ha

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