Kaum einer kam beim Tüßlinger Starkbierfest ungeschoren davon

Bruder Barnabasnahm die Geschehnisse in der Marktgemeinde auf’s Korn.
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Bruder Barnabasnahm die Geschehnisse in der Marktgemeinde auf’s Korn.

Kaum waren die Nachwehen des Faschings verklungen, rief der Faschingsverein auch schon zum großen Starkbierfest in der Hans Krämer Halle. Ein Ruf, der nicht ungehört blieb, so dass Moderator Christian Holzner seine Begrüßung aus 2018 praktisch wiederholen konnte.

Tüßling – 500 Besucher bedeuteten auch in diesem Jahr ausverkauft und es wurde ein lachmuskelstrapazierender Abend. In diesem Jahr erstmals dabei, war die Teenie-Tanzgruppe „Power Golden Girls“ aus Kastl, die mit ihrer Darbietung „Dult“ die Stimmung gleich zu Beginn richtig anheizten.

Ein letztes Mal als Bürgermeisterin anzapfen hieß es für Gräfin Stephanie von Pfuel. Eine Aufgabe, die sie mit zwei Schlägen bravourös meisterte. Schließlich sollte Bruder Barnabas, alias Wiggerl Huber, an seinem Rednerpult nicht Durst leiden müssen. Einmal mehr hatte Tüßlings Fastenprediger eine Predigt aufgesetzt bei der kaum einer ungeschoren davonkam: Zu Beginn beispielsweise sein „Amtsbruder Don Camillo Hermann Schächner“, der mit seinem Adventskranz die Fernsehanstalten in die Tüßlinger Kirche lockte, und die Bürgermeisterin, die jetzt die Zeit mit ihrem Stargeiger genießen könne: „ Ja als die Steffi sah den Focker, haut sie’s pfeigrod vom Hocker“ beschrieb Barnabas das erste Treffen der beiden. Natürlich stand auch die Kommunalwahl im Visier des Predigers, der die Bürgermeisterkandidaten Liebwein und Wittich mahnte, angesichts der Vielzahl von Gemeinderatskandidaten aus dem Faschingsverein aufzupassen, dass der Gemeinderat kein Karnevalsverein werde. Hart ins Gericht ging er mit Gemeinderat Karl Müller, ob dessen Behauptung, Tüßling verschmutze sein Wasser selbst: „Wenn jemand was versaut, dann bist das Du. Ned nur des Klima im Gemeinderat, sondern auch den guten Ruf der Gemeinde. Des soid a Gemeinderat ned macha“, hob Barnabas warnend den Finger.

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Nach einer Pause hieß es „Vorhang auf“ für das Singspiel 2020, den zweiten Höhepunkt des Abends. Unter dem Titel „An Staps sei Gickerl“ hatten Frank Tepin und Carolin Giglberger ein Singspiel geschrieben, das, so die einhellige Meinung der Besucher, noch einmal eine Schippe drauf legte. Schnell war klar, es ging um Tüßlings Traditionsdult mit all ihren Facetten und Protagonisten, wie etwa dem Gallhauser Ernst (Michael Ritzinger), der sich in seinen Verordnungen erging, dem Bedienungsduo Margit (Sandra Redl) und Tobi (Maxi Hinterleitner), die sich um das Wohl der Gäste kümmerten, obwohl den Tobi ein grässlicher Männerschnupfen plagte, dem Friedrich Herbert (Felix Weindl), bei dem in seiner Zeit als Dultwirt schon immer alles hergerichtet war, aber nur, weil es seine Frau Conny gemacht hat, der Kolm Diana (Carolin Giglberger), die stets für ein Selfie und eine Weinschorle zu haben ist, bis hin zum neuen Festwirt Willy ( Artur Batzel), dessen Kernaussage: „Is‘ mir wurscht“ lautete. „Standing ovations“ des von Lachsalven geschüttelten Publikums belohnten die Akteure des Singspiels für ihren Aufwand und ihre Mühen, damit sie diesen unvergesslichen Abend mit mehr als vier Stunden bester Unterhaltung füllen konnten. Ein Abend, der, wie es sich gehört, mit dem gemeinsam gesungenen „Tüßling Lied“ endete.

Barnabas‘ beste Sprüche:

Zum Rennen um das Bürgermeisteramt: „De zwoa Kandidaten ham a gemeinsames Ziel. Jeder so viel Stimmen, wie er alt ist, will. Für’n Helmuth war des Ergebnis a Wahnsinn. Aber a da Lothar kemmat damit hin.“

Zum Ausscheiden von Gemeinderat Sepp Fischer: „Jetzt is de Zeit dann boid vorbei, wo de Anwesenden gsogd ham:

Die Tür geht auf, ein Bauch schaut rein

Das kann doch nur der Fischer sein!“

Zum Landtagsabgeordneten Dr. Martin Huber, der zu Besuch beim Jubiläum des Gewerbekreises war:„Auf dem Fest, do hod unser Landtagsabgeordneter an schlauen Spruch loslassn:

I kimm ned nur, wenn Wahlen san,

i kimm a wenn’s a Freibier gibt. Lieber Martin, heid san glei zwoa Bräu do, do wird se scho oana füa di d’erbarma.“

Zur Wirtshaussituation am unsinnigen Donnerstag in Tüßling: „Mia ham zwar koa Wirtesterb’n, aber Probleme mid de Öffnungszeiten, unter anderem am unsinnigen Donnerstag nachmittags:

Olle Wirtsdhäuser zua. Zack: Da Steiner zua, wegen da Moni ihrer OP. Café Lounge no ned auf La Yara zwoa Ruhetage, und im Sportheim hams Mittag 30 Essen ghabt. Do san de zwoa Wirtsleit so fertig g’wen, dass sie von zwoa bis um fünfe ham niederleng miassn. Mia san ja froh um unsere Wirt – aber offen soidn’s hoid haben.“

Zur Tradition des Geldbeutelwaschens am Aschermittwoch und wie es dem „Heizöl Andi Ernst“ da geht:„Im Marktplatz hod er midm Lastwogn umdraht, damit er ned zoin muaß. Dabei woas sowieso a jeda, dass eahm sei Annemarie unter da Woch koa Goid midgibd. Früher ho der no bei de Kunden g’sogd, dass er da Fahrer vom Ernst is und hod a so a bissal a Trinkgoid zsambrocht. Des geht hoid nimma, weil der Krampf scho zu bekannt is.“

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