Dr. Karl Dürner im Interview: „Das erste Jahr stand ganz im Zeichen des Aufbaus“

Die in Bayern besonders geschützte Karthäuser-Nelke wächst auf nährstoffarmen und trockenen Wiesen im Landkreis Mühldorf.
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Die in Bayern besonders geschützte Karthäuser-Nelke wächst auf nährstoffarmen und trockenen Wiesen im Landkreis Mühldorf.

Dr. Karl Dürner über die Entwicklung des Mühldorfer Landschaftspflegeverbands – Der Verband wurde im ersten Jahr aufgebaut und die organisatorische Arbeit auf den Weg gebracht. Auch die praktische Arbeit kam im ersten Jahr nicht zu kurz. So wurden bereits auf ersten naturschutzfachlich hochwertigen Flächen Pflegemaßnahmen umgesetzt, mit anderen Verbänden kleinere und größere Aktionen gestartet und Gemeinden bei der Pflege und Planung von Ökokonto- und Ausgleichsflächen unterstützt.

von Josef Bauer

Mühldorf– Lange hat es gedauert, bis der Landschaftspflegeverband Mühldorf gegründet werden konnte. Vor einem Jahr hat der Verband seine Arbeit aufgenommen. Wir sprachen mit dem Vorsitzenden Dr. Karl Dürner über die Arbeit des Landschaftspflegverbandes. Er zog eine positive Bilanz dieser Arbeit.

Der Landschaftspflegeverband im Landkreis Mühldorf besteht ein Jahr, wie ist die Arbeit im ersten Jahr gelaufen?

Dr. Karl DürnerDas erste Jahr stand ganz im Zeichen des Aufbaus des Verbandes und der Geschäftsstelle. Im Februar letzten Jahres wurde Elisabeth Knapp als Geschäftsführerin des Landschaftspflegeverbandes eingestellt. Im Frühjahr bezog der Verband die renovierten Büroräume am Kellerberg neben dem Hauptgebäude des Landratsamtes in Mühldorf. Bereits im Herbst desselben Jahres wurde eine zweite Stelle mit Esther Lindner als Naturschutzfachkraft besetzt.

Neben den organisatorischen Arbeiten zum Verbandsaufbau lag der Fokus auf dem Kontaktaufbau mit Mitgliedern, Vereinen und Behörden. Relativ früh wurde zur ersten Mitgliederversammlung geladen. Ebenso wurde viel Zeit in die Öffentlichkeitsarbeit gesteckt um den Begriff Landschaftspflegeverband im Landkreis bekannt zu machen.

Auch die praktische Arbeit kam im ersten Jahr nicht zu kurz. So wurden bereits auf ersten naturschutzfachlich hochwertigen Flächen Pflegemaßnahmen umgesetzt, mit anderen Verbänden kleinere und größere Aktionen gestartet und Gemeinden bei der Pflege und Planung von Ökokonto- und Ausgleichsflächen unterstützt.

Welche Schwerpunkte wollen Sie und der Verband im Landkreis setzen?

Dürner: Ganz klar liegen die Schwerpunkte auf dem Erhalt und der Förderung der Kulturlandschaft und der darin lebenden Arten.

Erst durch die traditionelle Landwirtschaft ist in vielen Bereichen die Biodiversität entstanden und nur mit dessen Hilfe kann sie erhalten werden. Der Verband will durch seine Arbeit aufzeigen, dass wenn sich alle Akteure gemeinsam für den Naturschutz und die Landschaftspflege einsetzen, jede Seite profitiert.

Die konstruktive und gleichberechtigte Zusammenarbeit zwischen Landwirtschaft, Naturschutz und Politik ist das Geheimnis des Erfolges.

Gibt es schon erste Erfolge?

Dürner: Um die Aufmerksamkeit auf die ökologische Bedeutung unserer Gräben im Landkreis zu lenken, starteten wir ein Pilotprojekt zum ökologischen Grabenmanagement. Im Projektgebiet um das Thalhamer Moos wurden unter anderem Möglichkeiten aufgezeigt, wie eine ökologische Grabenpflege aussehen kann. Der erarbeitete Maßnahmenpool wurde allen Akteuren, unter anderem den Bürgermeistern, der Landwirtschaft und den Behörden vorgestellt. Alle Beteiligte an einem Tisch zu holen und die Probleme gemeinsam zu besprechen, war ein großer Erfolg dieses Projekts.

Gemeinsam mit dem Jagdverband gab es die Aktion „Sträucher verbinden“. Im Rahmen des Projektes wurden Gutscheine für heimische Sträucher an Jäger verteilt. Die Sträucher wurden dann an geeigneten Stellen gepflanzt. Dies brachte uns dem gemeinsamen Ziel des Biotopverbundes einen Schritt näher-

Wie gut die Zusammenarbeit zwischen Landwirtschaft, Naturschutz und Kommunen funktioniert, zeigt das Projekt zum Schutz des Kiebitzes im Landkreis Mühldorf. Mit vereinten Kräften konnten in dieser Brutsaison durch die Gelegeschutzmaßnahmen viele Kiebitznester erfolgreich bis zum Schlupf begleitet werden.

Ein Erfolg ist auch ganz klar, dass durch den Verband viele Flächen wieder in die Pflege genommen werden und somit nicht nur seltene Lebensräume erhalten bleiben, sondern auch die Landwirte ein zusätzliches Einkommen generieren können.

Welche Aufgaben will der Landschaftspflegeverband in diesem Jahr angehen?

Dürner: Es ist ein Projekt geplant, das sich mit der Aufwertung von kommunalen Grünflächen – sogenannten Eh-Da-Flächen beschäftigt. Es sollen Gemeinden bei der Bearbeitung ihrer Flächen unterstützt und beraten werden und neue artenreiche Blühwiesen für unsere heimischen Insekten entstehen.

Zudem wollen wir noch weitere brachgefallene Flächen wieder in die Pflege nehmen. Mit dem BayernNetzNatur Projekt „Schätze der Eiszeitlandschaft“ liegt ein Fokus auf der Wiederherstellung von Toteiskesseln und Mooren im südlichen Landkreis.

Auch der Artenschutz kommt nicht zu kurz, so soll das Kiebitzprojekt auch kommendes Jahr wieder durchgeführt werden.

Wie ist das Verhältnis zu den Landwirten und Naturschützern im Landkreis Mühldorf?

Dürner: Die Zusammenarbeit mit den Landwirten funktioniert sehr gut. Der Bauernverband und der Maschinenring sind stark in die Arbeit des Landschaftspflegeverbandes eingebunden. Der Bauernverband ist wichtiger Ansprechpartner in Hinblick auf die Zusammenarbeit und das gegenseitige Vertrauen zwischen dem LPV und den Landwirten. Wird ein Landwirt für den LPV tätig, so wird dies über den Maschinenring abgewickelt. Auch das Landwirtschaftsamt und das Forstwirtschaftsamt in Töging sind gegenüber der Arbeit des LPVs sehr aufgeschlossen.

Mit den Naturschutzverbänden und der unteren Naturschutzbehörde herrscht ebenfalls reger Austausch. Der Landschaftspflegeverband ist unter anderem in der Lenkungsgruppe der Ökomodell Region Mühldorfer Land vertreten. Mit weiteren Organisationen wie dem Bund Naturschutz, dem Gewässerunterhaltungszweckverband, der Wildland Stiftung oder dem Landesbund für Vogelschutz werden Informationen zu Projekten ausgetauscht bzw. gemeinsame Projekte umgesetzt.

Der Verband her derzeit 50 Mitglieder davon sind 18 Gemeinden, warum sind nicht alle Gemeinden im Landkreis Mühldorf Mitglied und wer kann Mitglied werden?

Dürner: Beim LPV Mühldorf können neben den Gemeinden sowohl Einzelpersonen als auch Organisationen oder Vereine Mitglied werden.

Es ist richtig, dass aktuell noch nicht alle Gemeinden dabei sind, langfristiges Ziel ist es, dass alle 31 Gemeinden im Landkreis Mitglied werden. Der LPV ist auf seine Mitgliedsgemeinden angewiesen. Es geht jedoch voran: Vor kurzem konnten wir mit dem Markt Kraiburg eine weitere Gemeinde als Mitglied gewinnen.

Vor der Gründung des Verbandes war das genaue Aufgabenfeld vielleicht etwas abstrakt, was Gemeinden abgeschreckt hat gleich beizutreten. Jetzt haben wir den Vorteil, dass wir die Aufgaben des Vereins anhand von laufenden oder bereits abgeschlossenen Projekten aufzeigen können. Die Bürgermeister*innen können sich auch bei ihren Kolleg*innen über die Zusammenarbeit mit den LPV informieren. Diese Zusammenarbeit mit den Gemeinden erfolgt immer auf freiwilliger Basis, es werden den Gemeinden keine Vorgaben gemacht oder sie gar zu etwas gezwungen. Im Gegenteil: der Landschaftspflegeverband kann insbesondere die Gemeindeverwaltung und den Bauhof bei Ökokonto- und Ausgleichsflächen entlasten. Der Verband generiert viele Fördermittel und kann somit auch finanzielles Kapital in den Landkreis und dessen Gemeinden holen. Gerade jetzt zeigt sich, wie groß das Interesse der Bevölkerung an Natur- und Artenschutz bzw. dem Erhalt der Biodiversität ist. Die Gemeinde hat auch immer eine Vorbildfunktion, die Mitgliedschaft beim Landschaftspflegeverband ist ein gutes Signal an die Bevölkerung in diese Richtung. Klimaschutz und Artenvielfalt sind die Garanten für eine lebens- und überlebenswerte Umwelt in der Zukunft der Generationen! – Und die Umsetzung dieser Umweltfaktoren hat sich der LPV auf die Fahnen geschrieben.

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