Wie kann die Praxis in der aktuellen Krise überleben

Hofft, dass der wirtschaftliche Schaden für seine Praxis nicht zu groß werden wird: Physiotherapeut Stefan Hillinger.
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Hofft, dass der wirtschaftliche Schaden für seine Praxis nicht zu groß werden wird: Physiotherapeut Stefan Hillinger.

In der Corona-Krise hat die Staatsregierung unter anderem eine Ausgangsbeschränkung bis zum 19. April erlassen. Zudem müssen eine Vielzahl von Geschäften oder Dienstleistungsbetrieben geschlossen bleiben. So geht es auch dem Physiotherapeuten Stefan Hillinger.

Buchbach – Er hat seit 2015 seine Praxis „G‘sund“ mitten in Buchbach hat und derzeit nur Patienten mit medizinischer Notwendigkeit behandeln darf.

Etwas was zu Beginn der Beschränkungen nicht einheitlich geregelt war: In Deutschland gibt es vier Physiotherapieverbände, die sich für die Belange der Berufsgruppe einsetzen. Anfangs war die medizinische Notwendigkeit von Physiotherapie nicht bundeseinheitlich geregelt. Dadurch kam es zu unterschiedlichen Aussagen der Verbände, welche Behandlungen stattfinden dürfen. Mittlerweile wurde dies bundesweit vereinheitlicht. Der VDB-Physiotherapieverband, dem Stefan Hillinger angehört, steht für die Akutversorgung und für die Versorgung in medizinisch notwendigen Fällen. Das bedeutet, Patienten, die ein ärztliches Rezept haben, werden von Hillinger in seiner Praxis behandelt.

Am Abend und am Wochenende kümmern sich seine Frau, die in der Praxis für die Buchhaltung und das Praxismanagement zuständig ist, und er um die Terminkoordination, damit alle hygienischen Vorschriften in der Praxis optimal eingehalten werden können. „Wir halten weiterhin telefonischen Kontakt mit unseren Patienten, um deren Gesundheitsverlauf gut einschätzen zu können und eventuelle Rückschritte in deren Behandlungen sofort festzustellen und agieren zu können“, so Hillinger.

Ehefrau Daniela ist zudem in Personalunion Kindergärtnerin und Lehrerin, die sich darum kümmert, dass die beiden Kinder (6 und 9 Jahre) ebenfalls versorgt sind. Mit zum Tagesablauf gehören aber auch das Liquidationsmanagement (Berechnen wie lange man die laufenden Kosten in der aktuellen Situation bewerkstelligen kann) und viele Gedanken, wie die Praxis diese Krise bestmöglich überleben kann. Dazu zählen auch Überlegungen wegen der 13 Mitarbeiter. Die haben nach Rücksprache ihren 14-tägigen Sommerurlaub vorgezogen, damit „sie erst einmal volle Lohnfortzahlung bekommen“. Stefan Hillinger sagt aber auch, dass sie im Anschluss wahrscheinlich Kurzarbeit anmelden müssen. „Viele Patienten setzen aktuell, aus Angst vor Ansteckung und um den Regeln der Ausgangsbeschränkung Folge zu leisten, ihre Therapie aus. Desweiteren sind wir in zwei großen Pflegeeinrichtungen und einer Einrichtung für Menschen mit Behinderungen tätig, die aktuell geschlossen haben“. Das Ehepaar Hillinger hofft, dass es seine Mitarbeiter aber so schnell als möglich wieder aus der Kurzarbeit holen können. „60 Prozent des Gehalts reichen halt über längere Zeit zum Leben nicht aus“, sind sich beide bewusst.

Eine weitere Überlegung ist die Nutzung von staatlichen Fördermitteln. „Aktuell sind wir noch am Prüfen und Bewerten, ob wir auf die staatliche Unterstützung zurückgreifen müssen“ sagt Stefan Hillinger. Es werde auch davon abhängen, wie lange die Ausgangsbeschränkung noch anhält und wie lange öffentliche Pflegeeinrichtungen geschlossen haben.

Und dann: „Wir hoffen, ohne großen wirtschaftlichem Schaden, Verluste von Mitarbeitern oder sogar der Schließung unserer Praxis aus dieser negativen Situation zu kommen“, sagt Stefan Hillinger nachdenklich. hsc

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