JuSo-Chef Kevin Kühnert fordert mehr Gerechtigkeit bei SPD-Kundgebung in Töging

Auch ohne Manuskript kein Stocken: In Töging begeisterte Kevin Kühnert die Genossen über eine Stunde lang mit Detailwissen und diplomatischer Rhetorik.
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Auch ohne Manuskript kein Stocken: In Töging begeisterte Kevin Kühnert die Genossen über eine Stunde lang mit Detailwissen und diplomatischer Rhetorik.
  • Peter Becker
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Trotz Corona hat der SPD-Ortsvorstand um Birgit Noske und Marco Harrer auch in diesem Jahr bei der politischen Kundgebung ein Ass aus dem Ärmel gezaubert: JuSo-Bundesvorsitzender Kevin Kühnert sprach am Freitagabend über Bildungspolitik, Klimapolitik, Wohnungsbau, Gesundheitspolitik oder die Flüchtlingspolitik der EU.

Töging – Trotz Corona hat der SPD-Ortsvorstand um Birgit Noske und Marco Harrer auch in diesem Jahr bei der politischen Kundgebung ein Ass aus dem Ärmel gezaubert: JuSo-Bundesvorsitzender Kevin Kühnert sprach am Freitagabend. „Das war alles so unkompliziert“, erklärte Birgit Noske die Organisation mit dem Büro des 31-Jährigen. Vielleicht weil der Chef, der sein Amt in rund drei Monaten abgeben will, selbst recht umgänglich ist: mit der Bahn reiste der Berliner nach Töging.

Bereits vor dem öffentlichen Teil fand im Vereinsheim des GTEV Enzian ein Gespräch mit Bürgermeister Tobias Windhorst (CSU), altgedienten SPD-Größen aus der Region und der erst vor einem Monat neu gegründeten JuSo-Ortsgruppe statt, nach dem sich Kevin Kühnert ins Goldene Buch der Stadt eintrug. „Ihr könnt mir doch nicht jetzt schon alle Themen wegnehmen“, meinte der SPD-Politiker, als zum Beispiel Tögings neue JuSo-Vorsitzende Lea Zellner seine Position zum Flüchtlingslanger Moria erfahren wollte. „Für jemanden, der offenen Auges durch die Welt geht, kam die Situation nicht überraschend“, verdeutlichte Kühnert die Tatsache, dass auf EU-Ebene schon länger falsche Politik betrieben wird. Eine Bitte hatte Altöttings ehemaliger Landrat Seban Dönhuber: angesichts des Erreichten die Position zur Großen Koalition in Berlin noch mal neu zu überdenken.

Verbesserung für 50 000 Azubis

Auf diesen Punkt kam Kevin Kühnert auch in der öffentlichen Veranstaltung zurück, bei der er die mehr als 100 Anwesenden mit seinen rhetorischen Fertigkeiten überraschte. Nicht nur für die Zahl der JuSos habe es sich als nützlich erwiesen, dass man mit dem künftigen Koalitionspartner in eine „gute demokratische Auseinandersetzung“ ginge. Auch, um es radikalen Kräften schwerer zu machen, die GroKo angesichts schwacher Oppositionen als Teil einer Weltverschwörung zu vermitteln.

Ohne Manuskript sprach der JuSo-Vorsitzende weit über eine Stunde lang sehr detailliert unter anderem über Bildungspolitik, Klimapolitik, Wohnungsbau, Gesundheitspolitik oder die Flüchtlingspolitik der EU. Zunächst ging er dabei auf die jungen Menschen ein. So wollen und müssten Auszubildende sich von ihren Eltern emanzipieren, was aber mit 380 Euro, wie sie bis vor Kurzem beispielsweise zu Beginn einer Metzgerausbildung gezahlt wurden, nicht möglich sei. Mit der bereits lange geforderten Mindestausbildungsvergütung von 515 Euro (2020) habe man eine „Verbesserung für 50 000 Azubis jedes Jahr“ erreicht. Sehr diplomatisch rief er die Genossen dazu auf, die Jugend selbst für ihre Ziele kämpfen zu lassen. „Im kommenden Wahlkampf wollen bereits 40 JuSos um ein Mandat des Bundestages kämpfen“, sagte Kühnert, „ich würde mich daher freuen, wenn wir uns bald dort wiedersehen!“, richtete er sich an die wiedergegründeten Töginger JuSos.

Kritik an der Gesundheitspolitik

Wie man mehr Gerechtigkeit in Deutschland erreichen kann, erklärte Kevin Kühnert anhand des noch im letzten Jahr von Hans-Jochen Vogel veröffentlichten Buches: „Den Zuschlag für ein Grundstück muss der beste Vorschlag für das Gemeinwohl bekommen und nicht der Meistbietende“, lautete seine Forderung. „Damit alle wieder ein Dach über dem Kopf haben, das sie sich leisten können.“

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Der bayerischen Staatsregierung kreidete er an, dass sie zu wenig für die Energiewende leiste: „Vor wenigen Wochen wurde in Pfaffenhofen die erste neue Windkraftanlage 2020 in Betrieb genommen. Vor zehn Jahren stand man zu diesem Zeitpunkt bereits bei über 40“, kritisierte der JuSo-Chef, um anschließend noch deutlicher zu werden: Ministerpräsident Söder solle lieber die Kirche im Dorf lassen, anstatt sich „wie Prinzessin Lillifee mit der Kanzlerin auf Schiff und Kutsche und im Thronsaal von Herrenchiemsee in Szene zu setzen“.

Doch er übte auch Kritik an der Gesundheitspolitik des Bundes, weil man während der Corona-Krise alleine sieben Milliarden Euro für Masken und Schutzkittel ausgegeben habe. „Da muss ich vielleicht vier bis fünf Lager in Deutschland für solche ständig benötigten Durchlaufartikel bauen“, lautete Kühnerts Lösungsvorschlag, damit man für Masken, die in der Produktion 20 Cent kosten, nicht während eines Engpasses durchschnittlich mehr als 13 Euro bezahlen müsse.

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