Junge Männer schlagen Taxifahrer und verletzen ihn erheblich

Vor der Jugendkammer müssen sich zwei junge Männer wegen gefährlicher Körperverletzung verantworten. re

Angeklagte wollen 45-Euro-Rechnung für Fahrt nach Marktl nicht bezahlen – Opfer (52) belastet sie schwer

Traunstein/Töging – Nach dem „Vorglühen“ zu Hause fuhren vier junge Männer von Marktl mit dem Zug nach Töging. Dort feierten und tranken sie in einer Diskothek bis zur Sperrstunde. Sie orderten ein Taxi, wollten nach der Rückkunft in Marktl aber die vereinbarten 45 Euro nicht zahlen. Zwei der Männer, 24 und 17 Jahre alt, sollen den 52-jährigen Fahrer zu Boden geschlagen und gegen den Kopf getreten haben. Mit Brüchen im Gesicht kam das Opfer ins Krankenhaus.

Harte Schläge und Tritte gegen den Kopf

Jetzt müssen sich die mutmaßlichen Täter wegen besonders schwerer räuberischer Erpressung und mittäterschaftlicher gefährlicher Körperverletzung vor der Jugendkammer am Landgericht Traunstein mit Vorsitzendem Richter Dr. Klaus Weidmann verantworten.

Der Geschädigte fuhr Taxi im Nebenjob in den Nachtstunden und am Wochenende. In der Nacht zum 22. September 2019 erhielt er gegen 4.30 Uhr den Auftrag, Gäste von der Diskothek „Silo“ nach Marktl zu bringen. In Töging nahm der 52-Jährige die vier Männer auf. In Marktl blieb er auf ihrer Bitte in einer Nebenstraße nahe der Raiffeisen-Bank stehen. Alle stiegen aus, drei verschwanden. Von dem vierten forderte der Taxler seine 45 Euro.

Brüche im Gesicht festgestellt

Die gebotenen 25 Euro schlug er aus. Einer der Fahrgäste kam zurück und mischte sich ein. Weil die beiden nicht zahlen wollten, wollte der Fahrer die Polizei anrufen. Das Telefon wurde ihm aus Hand geschlagen. Nach Schlägen ins Gesicht fiel der Geschädigte zu Boden und verlor nach mehreren Tritten das Bewusstsein. Als er wieder zu sich kam, wollte er heimfahren, stoppte nochmals, um sein Handy zu suchen. Einen morgendlichen Spaziergänger fragte er, ob es in Marktl Polizei gebe. Der Passant verständigte angesichts der stark blutenden Verletzungen die Polizei. Im Krankenhaus wurden mehrere Brüche im Gesicht festgestellt, die in einer Klinik in München operiert wurden.

Bei seiner Vernehmung durch die Kripo Mühldorf konnte das noch immer stark beeinträchtigte Opfer die Täter damals gut beschreiben. Über die Handynummer gelangte die Kripo auf die Spur der Tatverdächtigen. Der Polizeizeuge berichtete von weiteren Indizien wie DNA- und Faserspuren des 52-Jährigen an den Schuhen der Angeklagten.

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Der Nebenkläger, dem Olav Mitter aus Mühldorf als Opferanwalt zur Seite steht, belastete die Männer im Sinn der Anklage. Er glaube nicht, dass sie damals erheblich alkoholisiert waren.

Zwei oder drei Monate hätten die Schmerzen angedauert. Bis heute habe er Kaubeschwerden. Nach wie vor sei er in psychotherapeutischer Behandlung. Er könne kaum schlafen und müsse die ganze Zeit an das Geschehene denken, schilderte der 52-Jährige, der seit dem Vorfall in seinem Hauptberuf durchgehend arbeitsunfähig ist. Der 17-Jährige habe sich nach sieben Monaten schriftlich entschuldigt. Dazu der Nebenkläger: „Ich habe es nicht akzeptiert.“ Die Familie des jungen Mannes habe ihm unaufgefordert 5 000 Euro überweisen lassen. Ob er das Geld behalten werde – darüber habe er sich „keine Gedanken gemacht“, erwiderte er auf Frage des Gerichts.

Die jungen Männer, nach ihren Worten bei der Tat sturzbetrunken, räumten lediglich Teile der Anklage von Staatsanwältin Verena Erlacher ein beziehungsweise beriefen sich auf große Erinnerungslücken. Der 24-Jährige stand zu mehreren Faustschlägen und einem Tritt. Was der andere gemacht habe, wisse er nicht. Damit widersprach er seinen Angaben früher bei der Polizei.

17-Jähriger angeblich ohne Erinnerung

Der 17-Jährige konnte sich vorgeblich weder an die Fahrt noch an eigene Tathandlungen erinnern. Er sei weggelaufen. Dann sei die Erinnerung weg. Erst am nächsten Tag setze sie wieder ein. Auf Frage des Gerichts, warum er sich in dem Brief an den Nebenkläger entschuldigen wollte, begründete er: „Dass es nicht richtig war, ihn liegengelassen zu haben und weggelaufen zu sein.“ Die Verteidiger – Axel Reiter aus Mühldorf für den 24-Jährigen und Erhard Frank aus Burghausen für den 17-Jährigen – erklärten, ihre Mandanten hätten lediglich eine gefährliche Körperverletzung in Mittäterschaft begangen. kd

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