Amt für Jugend und Familie in Mühldorf will auch in Krisenzeiten helfen

Auch präventive Beratung des Amtes für Jugendund Familie findet derzeit auf Abstand statt. Bauer
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Auch präventive Beratung des Amtes für Jugendund Familie findet derzeit auf Abstand statt. Bauer
  • Josef Bauer
    vonJosef Bauer
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Mühldorf – Die Corona-Pandemie sorgt auch innerhalb der Familien für sehr viel Stress. Jedes sechste Kinde wird zur Zeit allein gelassen. Vielen Eltern fällt es schwer, Familie und Beruf unter einen Hut zu bekommen. Wir sprachen mit der Leiterin des Amtes für Jugend und Familie, Elfriede Geisberger, über die Situation im Landkreis Mühldorf und den Aufgeben des Amtes für Jugend und Familie.

Haben Sie einen Überblick, ob die häusliche Gewalt im Landkreis in den letzten Wochen aufgrund derCorona-Pandemie zugenommen hat?

Elfriede Geisberger: Wir können derzeit keinen großen Anstieg der häuslichen Gewalt im Landkreis Mühldorf feststellen. Die uns vorliegenden Informationen deuten bisher nicht darauf hin.

Welche Botschaft ist Ihnen in dieser Zeit besonders wichtig?

Geisberger: Es ist uns immer wichtig, für die Familien da zu sein. Und natürlich wollen wir gerade jetzt in dieser Zeit die Familien weiterhin unterstützen. Mir ist es ein besonderes Anliegen, das die Familien im Landkreis dies auch wissen! Zwar kann Beratung momentan nur noch in Ausnahmefällen im direkten persönlichen Kontakt stattfinden, aber es gibt ja auch andere Wege und Möglichkeiten und diese schöpfen wir voll aus.

Wie sehen diese Möglichkeiten denn konkret aus?

Geisberger: Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben die Möglichkeit, mit den Familien über Videotelefonie zu kommunizieren. Auch eine Skype- Konferenz ist möglich. Selbstverständlich ist es auch möglich, sich telefonisch beraten zu lassen. Im Rahmen von Telefonkonferenzen sind auch Beratungsgespräche mit mehreren Teilnehmerinnen und Teilnehmern möglich.

Was hat sich im Arbeitsalltag noch verändert?

Geisberger: Damit der Betrieb des Amtes für Jugend und Familie sicher erhalten bleibt, arbeiten wir momentan in Schichten. Das bedeutet, dass jeweils eine Woche ein Teil des Personals im Home Office und der andere im Landratsamt arbeitet. Somit fällt bei einer möglichen Infektion eines Mitarbeiters nicht das gesamte Team aus. Gerade im Hinblick auf unsere Verantwortung im Kinderschutz ist dies eine wichtige Maßnahme, um handlungsfähig zu bleiben.

Wie sieht die Arbeit im Home Office aus?

Geisberger: Im Home Office sind unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ganz regulär erreichbar. Sie verfügen dank der Digitalisierung des Landratsamtes Mühldorf a. Inn über einen vollwertigen Arbeitsplatz und das Telefon ist entsprechend umgeleitet. Wenn die Bürger anrufen, merken sie keinen Unterschied - es gibt quasi auch keinen. Alle Arbeiten können umfassend auch von zu Hause aus erledigt werden. Dadurch werden auch alle Anträge auf Unterstützungsleistungen, wie Unterhaltsvorschuss, Beistandschaften zeitnah bearbeitet.

Wie wird der Kinderschutz aktuell sichergestellt?

Geisberger: Es werden alle Meldungen genauso sorgfältig bearbeitet und ernst genommen wie sonst auch. Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gehen allen Hinweisen nach. Der persönliche Kontakt zu den Familien und insbesondere zu den Kindern ist hier nach wie vor – unter Berücksichtigung der Hygienevorschriften und Sicherheitsabstände - möglich und findet auch statt. Viel wichtiger ist uns aber, dass es gar nicht erst zu Krisen kommt. So bleiben unsere Mitarbeiter jetzt weiterhin aktiv über Telefon oder digitale Medien im Kontakt mit den Familien, um sie durch diese schwierige Zeit zu begleiten.

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Gibt es aktuell ein Beratungsangebot durch JaS – Jugendsozialarbeit an Schulen?

Geisberger: Unsere Jugendsozialarbeit an Schulen (JaS) ist ebenfalls an den Schulen erreichbar und berät und unterstützt alle Kinder und Familien der jeweiligen Schule mit den derzeit gegebenen Möglichkeiten. Gerade in den Zeiten des „Lernens zuhause“, die Familien vor große Herausforderung stellen und Konflikte dadurch schnell hochkochen können, ist es uns wichtig, auch mit JaS für die Kinder und Familien im Landkreis ein verlässlicher Ansprechpartner zu sein.

In welcher Form steht die Beratung durch Koordinierenden Kinderschutzstellen (KoKi) zur Verfügung?

Geisberger: Unser präventiver Ansatz soll natürlich auch in Zeiten von Corona nicht außer Acht gelassen werden. Die zuvor genannten Möglichkeiten stehen natürlich auch den Mitarbeiterinnen bei KoKi zur Verfügung. So kann sichergestellt werden, dass die gewohnte und geschätzte Unterstützung für Familien mit Kindern bis zu 6 Jahren fortgeführt wird. Entsprechend den aktuellen Vorgaben der Infektionsschutzmaßnahmenverordnung sind ggf. auch Beratungsgespräche bei einem gemeinsamen Spaziergang im Freien möglich.

Ergänzend dazu möchten wir für die Familien im Landkreis das Angebot der Baby- und Kleinkindsprechstunde beibehalten. Diese wird seit Dezember an drei Standorten im Landkreis angeboten und wird an die aktuelle Situation angepasst. Die Beratung findet in den kommenden vier Wochen mittwochs von 10 bis 12 Uhr telefonisch statt. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, für dieses Beratungsangebot auf Anfrage Termine zu vereinbaren. Die Vermittlung zur Baby- und Kleinkindsprechstunde bzw. die Vereinbarung für einen Telefontermin kann unter der Telefonnummer 0 86 31/69 98 73 erfolgen. Weitere Informationen dazu findet man auf der Webseite des Landratsamtes unter „Baby- und Kleinkindsprechstunde“

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Welche Ratschläge haben Sie für Familien für diese Zeiten?

Geisberger: Wir hoffen, dass es den Familien gelingt, einen einigermaßen entspannten Umgang mit der jetzigen Situation zu finden. Ist die Wohnung momentan nicht so ordentlich, wie man es sich wünscht, oder verbringen die Kinder mehr Zeit mit Medien als sonst, es ist in Ordnung mal darüber hinwegzusehen. Besuch ist ja nicht zu erwarten und die häufigere Nutzung von geeigneten Medien wird über mehrere Wochen hinweg auch nicht schaden, wenn sie nicht massiv ausufert. Wichtig ist aber, dass Eltern jetzt besonders auf die Fragen und auch Ängste der Kinder eingehen und versuchen, ihnen altersgemäße und klare Informationen zu vermitteln. Routinen sind für Kinder sehr wichtig, diese fallen jetzt durch den fehlenden Kindergarten- oder Schulbesuch weg. Auch in der Ausnahmesituation ist ein fester Tagesablauf hilfreich und sinnvoll. Feste Zeiten für Essen, Schlafen, Spielen und Lernen geben Halt und Sicherheit. Die Kinder sollten in die Planung des Tages mit einbezogen werden, dann fällt es ihnen auch leichter, sich an die Zeiten zu halten. Die Aufgaben, die die Schulen verteilt haben, sollten natürlich gemacht werden. Auch hier helfen feste Zeiten mit genügend Pausen. Und auch hier gilt, wenn etwas mal nicht klappt: gelassen bleiben. Darüber hinaus sollten Eltern versuchen, für so viel Bewegung wie möglich zu sorgen. Auch in der Wohnung kann man kreativ werden: Gummitwist, ein Springseil oder Hampelmänner sind nur einige Ideen.

Welchen Appell haben Sie an die Familien?

Geisberger: Ich wünsche allen Familien möglichst viel Geduld und Gelassenheit. Scheuen Sie sich bitte nicht, unsere Angebote zur Beratung und Unterstützung in Anspruch zu nehmen

. Interview Josef Bauer

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