Älteste Mühldorferin gestorben: Johanna Dinges wurde 101 Jahre alt

Johann Dinges

Die älteste Bürgerin der Kreisstadt Mühldorf ist gestorben. Nach einem langen ereignisreichen Leben voller Tatkraft und Energie verstarb Johanna Dinges im ehrwürdigen Alter von 101 Jahren nach einer kurzen schweren Krankheit in der Klinik Burghausen.

Mühldorf – Nach einem langen, ereignisreichen Leben verstarb Johanna Dinges im Alter von 101 Jahren nach einer kurzen schweren Krankheit in der Klinik Burghausen. Seit ihrer Geburt am 14. August 1918 in Mühldorf war sie bis zu ihrem Lebensende ihrer Heimatstadt Mühldorf treu. Sie war bis zu ihrem Tod die älteste lebende Mühldorfer Bürgerin. 

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„Ich bin mit Leib und Seele gerne eine Mühldorferin“, lautete ihr Lebensmotto. Die Jubilarin wuchs im behütenden Elternhaus mit Schwester und Bruder zusammen auf. Nach ihrem erfolgreichen Abiturabschluss im Lyzeum der Englischen Fräulein in Altötting, absolvierte sie eine Lehre als Friseurin in Bayreuth. 

Schwere, entbehrungsreiche Zeit

Für ein junges Mädchen war es eine schwere und entbehrungsreiche, aber auch prägende Zeit: Der magere Lehrlingslohn erlaubte es nur zweimal im Jahr zu den Eltern, Geschwistern und Freundinnen heimzufahren. Johanna lernte den jungen Gärtnermeister Josef Dinges kennen und verliebte sich in ihn. Am 24. August 1942 fand die Trauung statt, mit anschließender großer Feier im prächtig mit Blumen geschmückten ehemaligen Lankes-Saal, dem heutigen Turmbräugarten in Mühldorf. Aus der glücklichen Ehe gingen fünf Töchter hervor: Johanna, Gerdy, Christel, Irmgard und Sissi. Die älteste Tochter Johanna verstarb jedoch bereits als Säugling kurz nach dem Zweiten Weltkrieg. 

Lehre als Friseurin in Bayreuth

Drei der Töchter ergriffen den väterlichen Beruf: Gerdy erlernte den Beruf als Erwerbsgärtnerin, Christel und Sissi absolvierten erfolgreich ein Studium an der FH-Freising-Weihenstephan als Florist-Technikerinnen. Irmgard ergriff den Beruf als Steuerberaterin. Als Zeitzeugin berichtete Johanna Dinges oft von den Schrecken des Zweiten Weltkrieges, als am 19. und 20. März 1945 Bomben auf Mühldorf fielen – insbesondere auf das Bahnhofsviertel, wo sie mit ihren Eltern wohnte. 

Erlebte die Bombennächte in Mühldorf

Darüber hinaus erzählte sie von den vielen Toten in der Nachbarschaft, von den erschöpften KZ-Häftlingen, die vor ihrer Haustür standen, von der offenen Beisetzung der Toten im Mühldorfer KZ-Friedhof, an der die gesamte Bevölkerung teilnehmen musste. Nach dem Krieg arbeitete Johanna Dinges lange und fleißig im Gartenbaubetrieb und Blumengeschäft ihres Ehemannes Josef Dinges mit und baute diesen erfolgreich mit auf. Im Oktober 1989 verstarb unerwartet ihr Ehemann. Dank des familiären Zusammenhalts fand sie nach der schweren Zeit zu neuem Lebensmut. Bis ins hohe Alter arbeitete sie und half überall mit – soweit es ihre Kräfte erlaubten.

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