Jetzt erwischt es die Jüngeren - Das unterscheidet zweite von erster Corona-Welle in Mühldorf

Ein Foto aus der Zeit der ersten Corona-Welle, als neben dem Pflegepersonal auch die Reinigungskräfte bis an die Grenze ihrer Leistungsfähigkeit arbeiten mussten. Derzeit schlägt sich der neuerliche Anstieg der Infektionszahl nicht in der Klinik nieder: Von den Corona-Kranken aus dem Landkreis Mühldorf liegt keiner im Krankenhaus.
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Ein Foto aus der Zeit der ersten Corona-Welle, als neben dem Pflegepersonal auch die Reinigungskräfte bis an die Grenze ihrer Leistungsfähigkeit arbeiten mussten. Derzeit schlägt sich der neuerliche Anstieg der Infektionszahl nicht in der Klinik nieder: Von den Corona-Kranken aus dem Landkreis Mühldorf liegt keiner im Krankenhaus.
  • Markus Honervogt
    vonMarkus Honervogt
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Der Landkreis Mühldorf steht wieder dort, wo er Mitte März schon mal war: am Anfang einer Corona-Welle. Die Erfahrung aus dem Frühjahr zeigt auch, wie rasant die Zahl der Infizierten nach oben gehen kann. Es gibt aber auch Unterschiede zur Situation im Frühjahr.

Mühldorf – Der Landkreis Mühldorf steht nach Ansicht von Landrat Maximilian Heimerl am Beginn einer zweiten Corona-Welle. Bei der Vorstellung der Maßnahmen des Landkreises gegen die weitere Ausbreitung des Virus sagte er: „Die Zahlen zeigen, dass wir am Anfang stehen und die Höhe der Welle noch beeinflussen können. Wir müssen sie jetzt brechen.“

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Noch Appelle statt Verbote

Das will Heimerl noch mit Appellen erreichen, er schloss aber neuerliche Einschränkungen und Verbote nicht aus. „Noch sind wir aber nicht so weit.“

Maximilian Heimerl.

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Die Zahlen, auf die sich Heimerl berief, sind seit einigen Tagen bekannt: Die Zahl der Akut-Corona-Kranken liegt bei 20 und damit so hoch wie Mitte März am Beginn der ersten Corona-Welle. Auch die Zahl der Neuinfektionen ist mit dieser Zeit im Frühjahr zu vergleichen; der Vergleich zeigt aber auch, wie schnell die Welle ansteigen kann: Die Zahl der Neuinfektionen pro Woche und 100 000 Einwohnern stieg zwischen Anfang März und Anfang April binnen vier Wochen von 17 auf 133.

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Neu ist jetzt das Alter der Infizierten. Lag das Durchschnittsalter der ersten Welle laut Heimerl bei 49,5 Jahren, so ist der Durchschnitt der heute Neuinfizierten bei 30,2 Jahren. Deren Verhalten kritisierte Dr. Benedikt Steingruber, Leiter des Gesundheitsamts. „Das sind junge Leute, die nur Party machen“, und dabei jede Vernunft und Verantwortung fahren ließen, hielt er ihnen vor..

Party-Volk beschleunigt Corona-Verbreitung

Häufig seien es Urlaubsheimkehrer, die das Virus von größeren Menschenansammlungen aus dem Ausland mitbrächten und dann in der Region verteilten. Partys, Thermenbesuche, Fußballspiele, Familienfeiern, der mögliche Verbreitungsradius sei kaum mehr überschaubar und nur schwer nachzuvollziehen. „Sie machen oft nur widerwillig wenige Angaben zu ihren Kontakten.“ Und das können bis zu 100 sein, die das Gesundheitsamt dann nachverfolgen und warnen müsse.

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Das gilt laut Steingruber beispielsweise auch für Fluglinien, die nur zögerlich oder gar nicht die Daten von Sitznachbarn von Infizierten herausgäben.

In elf Gemeinden gibt es im Landkreis derzeit Corona-Kranke: Erharting, Haag, Heldenstein, Kraiburg, Mühldorf, Niedertaufkirchen, Oberbergkirchen, Rechtmehring, Reichertsheim, Unterreit und Waldkraiburg.

Gesundheitsamt wieder im Krisenmodus

Um auf den neuerlichen Anstieg zu reagieren, ist das Gesundheitsamt laut Landrat Heimerl wieder in den Krisenmodus gegangen, was sich vor allem in der Verfolgung von Kontaktpersonen niederschlage. Mit neuen und mehr Mitarbeitern wolle das Amt jetzt schneller reagieren.

Benedikt Steingruber.

Zu den Maßnahmen, um die Verbreitung einzudämmen, gehören auch Reihentests unter anderem in Schlachthöfen und ab Ende August ein Testzentrum am Volksfestplatz, das jeder nutzen kann. Wie zur Zeit des Katastrophenfalls von Mitte März bis Mitte Juni wird ab kommender Woche die Koordinierungsgruppe im Landratsamt ihre Tätigkeit wieder aufnehmen.

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Heimerl: Maßnahmen kommen nicht zu spätt

Landrat Heimerl verteidigte die Maßnahmen als nicht zu spät. „Diese Intensität konnte man nicht voraussagen“, betonte er. „Wir mussten die konkrete Entwicklung abwarten.“ Zugleich verwies er darauf, dass er seit Wochen vor Sorglosigkeit warne und auch jetzt erneut zu Vernunft und Vorsicht aufrufe.

Das ist zu tun

  • Tests ohne Symptome: Hausarzt oder Testzentrum (Ab Ende August).
  • Mit Symptomen: Hausarzt oder Ärztlicher Bereitschaftsdienst (unter Telefon 116 117).
  • Als mögliche Kontaktperson: Gesundheitsamt Mühldorf auf Aufforderung.

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