ZERBRECHLICHE BILDER

Jedes Ei ein Unikat: Hedi Köppl aus Kraiburg schafft feine Kunstwerke in Miniatur

Dünne Pinsel, Aquarellfarben und Eier: Hedi Köppl schafft auf kleinem Format zerbrechliche Kunstwerke. Vögel gehören zu ihrem Lieblingsmotiv.
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Dünne Pinsel, Aquarellfarben und Eier: Hedi Köppl schafft auf kleinem Format zerbrechliche Kunstwerke. Vögel gehören zu ihrem Lieblingsmotiv.

Die Vorbereitungen für Ostern beginnen für Hedi Köppl aus Kraiburg schon zu Weihnachten. Dann werden die ersten Eier ausgeblasen und bemalt. Seit 30 Jahren schafft sie mit dünnen Pinselstrichen ein zerbrechliches Kunstwerk.

Kraiburg/Ensdorf – Meist bunte, leuchtende, manchmal aber auch dezente Aquarellfarben, dünne Pinsel und ausgeblasene Eier in verschiedenen Größen – das ist vor Ostern das Equipment von Hedi Köppl. Mit dieser „Ausrüstung“ hat die Ensdorferin schon so an die 5000 Eier liebevoll bemalt. Seit 30 Jahren ist sie mit ihren Kunstwerken auf verschiedenen Ausstellungen und Ostermärkten unterwegs, wofür sie jährlich etwa 150 Exemplare angefertigt hat.

Ob klein oder groß – die Kraiburger Künstlergruppe bemalt Ostereier in den verschiedensten Größen.

„Das Malen ist schon von Kindheit auf meine Leidenschaft“, erzählt Hedi Köppl. „Aus meiner Schulzeit habe ich kein einziges Zeichenblatt, denn meine Zeichnungen hat alle meine damalige Lehrerin behalten oder im Schulhaus aufgehängt. Anscheinend waren sie doch sehenswert“, erzählt die Malerin.

Spende für die Krebshilfe

Kleine Bildchen waren es dann, bis sich Hedi vor rund drei Jahrzehnten ans Eierbemalen wagte. „Interessehalber fuhr ich mit meiner Schwester, die ebenfalls schon viele Eier bemalt hatte, damals nach Erding, wo zahlreiche Eier-Künstler im ‚Schrannen-Kircherl‘ ausgestellt haben. Ich stiftete dort ein von mir bemaltes Ei für die Krebshilfe und wurde danach für das nächste Jahr zum Ausstellen eingeladen. Das freute mich riesig“, erinnert sich Köppl. Ab 1995 durfte sie sogar in Pocking ausstellen, was ein heiß begehrter Platz war.

Die Oster-Ausstellungen etwa in Erharting, Mühldorfer Stadtsaal, Neuötting, Mettenheim oder im Haus der Kultur in Waldkraiburg bereicherte Hedi Köppl mit ihren kunstvoll bemalten Eiern. Zudem ergänzte sie ihr Sortiment mit Kunstgewerbe und fertigte kleine Gestecke in Floristik an.

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Aus dem Kulturkreis Kraiburg hat sich 2005 die Künstlergruppe unter der Leitung von Gundi Opitz entwickelt. So wurde auch die „Eiermalerin“ Hedi Köppl dazu eingeladen, die von da an auch größere Bilder malte und bei den Ausstellungen mitmachte. Der Kraiburger Ostermarkt, der zuerst im Bischof-Bernhard-Haus (BBH) und in den vergangenen Jahren in der Remise stattfand, hätte heuer sein 15-jähriges Jubiläum.

Doch das kann wegen der Corona-Pandemie nicht begangen werden. Statt des Ostermarktes stellt die Künstlergruppe deshalb noch bis zum 10. April in zwei Fenstern vom BBH eine Vielfalt von bemalten und unterschiedlich gefertigten Eiern aus. Wie die von Gundi Opitz, Agnes Fischer, Doris Hanuschek, Maria Zuck und Uschi Scholl so sind natürlich auch die Kunstwerke von Hedi Köppl mit dabei.

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„Die Eier-Malerei ist eine Faszination, die packt einen“, sagt sie. Das Jahr über malt sie „normale Bilder“ und ab Weihnachten geht es ans Eier-Anmalen. „Das ist immer eine Umstellung von groß auf klein oder umgekehrt.“ Von den kleinen Wachtel-, Tauben- oder Kükeneiern über normale Hühner- oder Enteneier bis hin zu doppel-dotterigen Gänseeiern und den großen Straußeneiern – alles wird liebevoll, überwiegend mit Aquarellfarben, manchmal auch mit Acryl gemischt, von Hedi Köppl bemalt. Grüne Eierschalen vom Arakana-Huhn oder schokoladenfarbige sind auch dabei.

Nach zwei Wochen ist das Kunstwerk fertig

Die Arbeitszeiten dafür sind natürlich unterschiedlich. „Für ein einfaches Hühnerei brauche ich etwa eineinhalb Stunden. Dagegen fordert ein großes Straußenei schon viel mehr Aufwand. Die Schalen bekomme ich vom Lieferanten für fünf Euro, sauber gereinigt und desinfiziert, damit sich keine Milben bilden können.“ Das Glänzende wegschleifen, dann zweimal grundieren, aufzeichnen und dann erst bemalen, beschreibt sie die Arbeitsschritte. Manche Schattierungen haben zum Teil drei Anstriche, damit es plastisch aussieht – dies alles mit feinem Pinsel. Ungefährt zwei Wochen dauert es, bis ein Straußenei fertig bemalt ist. Jeden Tag etwa sitzt sie drei bis vier Stunden daran. „Vogelmotive sind mir am liebsten, aber auch andere Tiere, Katzen in schwarz-grau, bunte Blumen oder Landschaften male ich sehr gerne“, erzählt Hedi Köppl. Und aus jedem Ei macht sie damt ein Unikat.

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