Jahrhundertprojekt im Landkreis Mühldorf: Planungen am Bahnausbau gehen weiter

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Er gilt als Jahrhundertprojekt für die Verkehrsentwicklung der ganzen Region: der Ausbau der Bahnstrecke von München nach Mühldorf bis Burghausen (ABS 38). Vertreter des regionalen Projektbeirates berichteten jetzt über den Sachstand des Projektes, über Fortschritte und ungelöste Fragen.

München/Mühldorf – Weiter ungeklärt bleibt laut Planer Klaus-Peter Zellner das Problem mit der Unterführung im Gemeindebereich Heldenstein. Die Bahn will den Bahnübergang in Weidenbach aufheben und den Ort über eine Ersatzstraße ans Verkehrsnetz anbinden. Mit dieser Variante geht das Unternehmen ins Planfeststellungsverfahren.

Heldensteiner Bürgermeisterin im Gespräch mit Verkehrsministerium

Die Gemeinde hofft weiter, dass eine andere Variante realisiert wird, will sich an den höheren Kosten aber nicht beteiligen. Heldenstein setzt auf eine Unterführung mit umfangreichem Wasserschutz. Der Planer sieht den Landkreis Mühldorf weiter als Verhandlungspartner in Heldenstein und nicht die Gemeinde. Die Heldensteiner Bürgermeisterin Antonia Hansmeier hat am Mittwoch, 29. Juli, in dieser Sache einen Videotermin mit dem Bundesverkehrsministerium.

Dorfen spricht mit Verkehrsministerium

Am 1. September wird die Stadt Dorfen im Bundesverkehrsministerium vorstellig. Auch da geht es um die Ausbauvarianten. Der Abschnitt bei Dorfen wird dann besprochen. Dort gibt es noch immer keine Einigkeit über den Verlauf der Bahnstrecke.

Im Schnitt soll die neue zweigleisige Bahntrasse nach München nur vier Meter neben der bisherigen verlaufen. Um einige enge Kurven entschärft, sollen zwischen Ampfing und Markt Schwaben dann Geschwindigkeiten bis 200 Kilometern in der Stunde möglich sein. Zellner machte deutlich: „Wo wir auf der Strecke Baurecht haben, wird auch gebaut werden.“

Wichtige Planungsetappe Tüßling-Freilassing abgeschlossen

Eine wichtige Etappe der Planung ist mit dem Abschnitt Tüßling-Freilassing abgeschlossen: Das Bundesverkehrsministerium hat sich für eine Variante entschieden und damit den weiteren Ausbau vorgegeben. Nach derzeitigem Stand wird die Strecke auf bis zu 160 km/h ausgelegt und überwiegend bestandsnah verlaufen. Bei der Tüßlinger Kurve sprach sich der Bund für die kleine Variante, die die DB vorzieht.

Die Ausgangslage ist folgende: Im Rahmen des zweigleisigen Ausbaus in Richtung Tüßling soll die Kurve östlich der Überführung über die Töginger Straße einen größeren Radius bekommen. So könnten Züge an dieser Stelle bis zu 160 Stundenkilometer schnell fahren. Dafür braucht es vor allem eines: mehr Platz.. Mit der Entscheidung für eine kleinere Lösung wird weniger Grund verbraucht und die Geschwindigkeit unter 160 km/h gedrückt. Mit diesen Entscheidungen des Bundes wird der Projektabschnitt Anfang 2021 in die nächste Planungsphase übergehen. Bis dahin muss ein weiterer offener Punkt zur Streckenoptimierung bei Garching geklärt. Dort geht es um zwei denkmalgeschützte Eisenbahnbrücken.

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Dazu stehen noch Gespräche zwischen Bahn und Denkmalbehörde aus, wie die Vertreter des regionalen Projektbeirats der ABS 38 unter Leitung von Klaus -Dieter Josel, DB-Konzernbevollmächtigter, und Landtagsabgeordneten Dr. Marcel Huber berichteten. „Wir liegen mit der Planung im Zeitplan und verdanken das gute Vorankommen im Bereich Tüßling und Freilassing auch der konstruktiven Zusammenarbeit mit den betroffenen Kommunen“, betont Josel.

Region rückt näher an den Hafen in Triest

Derzeit sind Erkundungsbohrungen zwischen Tüßling und Freilassing in vollem Gange. An mehreren hundert Punkten entlang des rund 60 Kilometer langen Abschnitts sammelt die DB Netz AG noch bis Ende des Jahres Erkenntnisse über die Bodenbeschaffenheit. „Die nun gestarteten Baugrunduntersuchungen sowie die Entscheidung des Bundes zur weiteren Planung zwischen Tüßling und Freilassing zeigen: Das Projekt ABS 38 geht konsequent und kontinuierlich voran“, sagt Huber. „Damit haben wir einen Meilenstein in der Geschichte des Ausbaus der Bahnstrecke gesetzt. Mit diesen Maßnahmen können die Güter aus der Region schnell an den Hafen von Triest kommen. Das ist eine Einsparung von 3,5 Tagen.“

Teil der europäischen Magistrale

Für den Abgeordneten ist die ABS 38 ein Jahrhundertprojekt. Die Kosten liegen zwischen drei und vier Milliarden Euro. „Wir sind mit dieser Strecke Teil der europäischen Magistrale von Paris bis Bratislava“, stellte er heraus. Huber, Josel und Zellner hoben hervor, dass die Bahn den Dialog mit den Kommunen und Bürgern suche. „Wir wollen Einwendungen und Klagen gegen die Baumaßnahme einvernehmlich lösen“, so Zellner. Der Projektbeirat thematisierte auch das Konzept „Deutschland Takt“ des Verkehrsministeriums sowie das sogenannte Maßnahmenvorbereitungsgesetz, das eine Beschleunigung von wichtigen Verkehrsprojekten vorsieht. „Für eine Einschätzung zu den Auswirkungen des Deutschland-Taktes auf der ABS 38 fehlt uns noch die wirtschaftliche Bewertung des Konzepts durch den Bund“, sagte Josel.

„Schließlich geht es hier ja nicht nur um das Schienennetz einzelner Regionen, vielmehr ist die Relation Ulm – Augsburg – München – Mühldorf – Freilassing/Salzburg Teil des Rhein-Donau-Korridors und somit Bestandteil des Transeuropäischen Netzes“, so Huber.

Das ist die Ausbaustrecke 38

Bisher ist die Strecke von München über Mühldorf nach Freilassing überwiegend eingleisig und nicht elektrifiziert. Gleiches gilt für den Abzweig von Tüßling nach Burghausen. Um den gegenwärtigen und vor allem den künftigen Ansprüchen gerecht zu werden, statten die Bahn und der Bund die Strecke auf einer Länge von etwa 145 Kilometern mit elektrischen Oberleitungen aus. Auf insgesamt 103 Kilometern zwischen Markt Schwaben und Ampfing sowie Tüßling und Freilassing wird sie zweigleisig ausgebaut. Nach Ende des Ausbaus wird eine maximale Streckengeschwindigkeit von bis zu 200 Kilometern pro Stunde möglich sein, im Gegensatz zu derzeit maximal 120 bis 140 Kilometern pro Stunde.

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