75 Jahre in Frieden und Freiheit: Die Zeit nach der Nazi-Herrschaft

SS-Soldaten sprengten kurzvor dem Einmarsch der Amerikaner den Stolz der Mühldorfer: Die Maximiliansbrücke war das Wahrzeichen der Stadt. privat
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SS-Soldaten sprengten kurzvor dem Einmarsch der Amerikaner den Stolz der Mühldorfer: Die Maximiliansbrücke war das Wahrzeichen der Stadt. privat

Der Zweite Weltkrieg geht zu Ende – Zweiter Luftangriff – Mühldorfer Anzeiger startet Serie

Mühldorf – Vor 75 Jahren ging ein mörderischer Krieg und das menschenverachtende Nazi-System zu Ende. Seit dieser Zeit leben wir in Frieden und Freiheit. Der Mühldorfer Anzeiger wird in den nächsten Wochen auf 1945 zurückblicken und über das Ende dieser Schreckenszeit in Stadt und Landkreis berichten. Zeitzeugen werden zu Wort kommen und diese Zeit für| die, die sie nicht mehr erlebt haben, lebendig werden lassen. Eine Zeit, die sich nie mehr wiederholen darf.

Wenninger-Haus total zerstört, 15 Tote

Vor 75 Jahren war das Ende des Zweiten Weltkriegs nur noch eine Frage der Zeit. Nur die fanatischen Nationalsozialisten glaubten noch an den vom Führer und seinen Erfüllungsgehilfen propagierten Endsieg. In Südbayern und auch im Landkreis Mühldorf war es Ende April 1945 zu keinen größeren Kampfhandlungen mehr gekommen, da sich die deutsche Wehrmacht schon weitgehend aufgelöst hatte. Die Stadt Mühldorf hatte schon im Februar von der Bestie des Krieges nicht mehr viel mitbekommen.

Dies sollte sich am Josefitag im März 1945 auf katastrophale Art ändern, als der erste Luftangriff auf Mühldorf geflogen wurde. Ein zweiter am 20. April 1945 sollte folgen. Als die Luftstreitkräfte am 20. April 1945 um 13.30 Uhr mit ihrem Bombardement begannen, gingen lediglich Streuwürfe auf die Stadt nieder. Allerdings richteten diese am Stadtplatz erheblichen Schaden an. Total zerstört wurde das Wenninger-Haus (ehemals Metzgerei Hutter). Von den 15 Getöteten hielten sich viele dort auf.

Nicht vergessen sollen auch die freiheitsliebenden Bürger aus Altötting sein, die am 28. April 1945 von der SS im Altöttinger Landratsamt bestialisch hingerichtet wurden.

Der Mühldorfer Anzeiger zeichnet in seiner Serie „ 75 Jahre Frieden“ die Kapitulation, das erste Leben nach dem Einmarsch der Amerikaner und den Wiederaufbau nach. Für die Nachkriegsgeneration wird der Aufbau aus Schutt und Trümmern wieder lebendig werden. Für die jüngere Generation soll es eine Mahnung sein, dass sich diese schrecklichen Zeiten nicht mehr wiederholen dürfen.

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Nicht vergessen werden soll auch, welch unmenschliches Leid die KZ-Häftlingen im Dachauer Außenlager in Mettenheim erdulden mussten. Nicht vergessen werden dürfen die Toten der Stiftung Ecksberg, denen das Nazi-Regime ein „unnützes Leben“ bescheinigte.

Nicht nur die Folgen des Krieges, des Hungers und der Wohnungsnot mussten überstanden werden. Das Schicksal der vielen Flüchtlinge und Verriebenen, die aus ihren Häusern und Höfen im Osten vertrieben wurden und sich eine neue Heimat aufbauen mussten, gilt es zu würdigen.

Rüstungsprojekt und Kriegsgefangene

Im Kriegsjahr 1944 war im Mühldorf-Mettenheimer Forst ein großes Rüstungsprojekt in Angriff genommen und dazu eine Anzahl von Arbeitslagern eingerichtet worden. Zahlreiche KZ-Häftlinge waren in zwei Außenlagern des Konzentrationslagers Dachau untergebracht und wurden beim Einmarsch der Amerikaner befreit.

Lesen Sie zu den Bombenangriffen vor 75 Jahren auf Mühldorf auch:

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Auch zur Zwangsarbeit verpflichtete Ausländer und Kriegsgefangene befanden sich bei Kriegsende in überdurchschnittlicher Zahl im Landkreis und im benachbarten Bereich Töging (Displaced persons).

Die schon vor dem Krieg angelegten Rüstungsbetriebe im Raum Aschau und beim Bahnhof Kraiburg sowie die vorhandenen zahlreichen Barackenlager in der Gegend waren Sammelpunkte für Flüchtlinge und Heimatvertriebene und Grundlage für deren Neuansiedelung.

Über die Schicksale der Vertriebenen

Die Schicksale der deutschen Kriegsgefangenen konnten sehr unterschiedlich sein. Während in englischen und amerikanischen Gefangenenlagern die Zeit meist recht erträglich ablief und eine Rückkehr in die Heimat abzusehen war (die letzten Kriegsgefangenen kamen hier im Jahre 1948 nach Hause), traf die in russische Kriegsgefangenschaft geratenen Soldaten ein wesentlich härteres Los. 1953 wurden von der Sowjetunion noch etwa 100.000 ehemalige deutsche Soldaten in Gefangenschaft gehalten. Erst 1955 kehrten von dort die letzten Spätheimkehrer zurück.

Im Landkreis Mühldorf wurde angepackt und der Grundstein für ein blühendes Gemeinwesen gelegt. Dies war möglich, weil sich beherzte und unbelastete Bürger für öffentliche Ämter zur Verfügung gestellt haben. Ihre nicht einfache Aufgabe zwischen den Anordnungen der Amerikaner und den Wünschen der eigenen Bevölkerung soll ebenso wieder lebendig werden.

Lesen Sie dazu auch „Bomben auf Flossing“ auf Seite 12.

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